VW: Vorteil Piech Eklat bei Porsche - der Patriarch boykottiert

Showdown in Zuffenhausen: Die Porsche-Eigentümerfamilien verhandeln die Zukunft - und Ferdinand Piëch erscheint einfach nicht. Der Patron von VW weiß, dass die Zeit für ihn läuft.

High Noon in Stuttgart: Im Ringen um die Macht bei Volkswagen und Porsche hat VW-Patriarch Ferdinand Piëch erneut für einen Eklat gesorgt.

Protest bei Porsche: Tausende Mitarbeiter ließen am Montag vorübergehend die Arbeit ruhen.

(Foto: Foto: ddp)

Der mächtige Chef des VW-Kontrollgremiums blieb einem Treffen des Porsche-Aufsichtsrates über die Zukunft des hoch verschuldeten Sportwagenherstellers ohne Begründung fern. Offen ist derzeit, ob es überhaupt eine schwäbisch-niedersächsische Auto-Allianz geben wird. Die für diesen Mittwoch geplanten Gespräche über ein Zusammengehen wurden VW-Unternehmenskreisen zufolge abgesagt. Seit Sonntag liegen die Gespräche zwischen VW und Porsche offiziell auf Eis.

Bei dem Treffen im Porsche-Forschungs- und Entwicklungszentrum saß der engste Kreis der Porsche-Eigentümerfamilien Porsche und Piëch mit am Tisch. Ohne Piëch waren es 15 Teilnehmer.

Kreditwürdigkeit öffentlich angezweifelt

Piëch hatte vor wenigen Tagen die Kreditwürdigkeit von Porsche angezweifelt und die Zukunft von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking in Frage gestellt. Den Wert von Porsche hatte er nach all den Kapriolen nach unten korrigiert. Am Wochenende warf VW dem Porsche-Management zudem vor, nicht ernsthaft und konstruktiv die Verhandlungen über den Zusammenschluss der beiden Autobauer voranzutreiben. Porsche wies das zurück und dementierte auch den Abbruch der Verhandlungen.

Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück schwor unmittelbar vor Beginn des Eigentümertreffens rund 6000 Beschäftigte auf eine eigenständige Zukunft ein: "Porsche bleibt selbständig. Wir brauchen die Familie und die Familie braucht uns."

Der Arbeitnehmervertreter, der stets auf der Linie von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking fuhr, kritisierte erneut die Aussagen von VW-Oberhaupt Piëch über die fehlende Finanzkraft von Porsche. "Wir werden wieder Gewinne machen", versprach Hück. Die Familiengesellschafter stünden voll hinter dem Unternehmen. Hück: "Wolfgang Porsche und Hans Michel Piëch haben mir zugesichert, dass Porsche eigenständig bleibt und dass die Eigentümerfamilien stark gesnug sind, diese Eigenständigkeit zu garantieren."

Bei der Protestaktion gab es Transparente mit der Aufschrift: "Ja zur Familie Porsche/Piëch - Nein zu F.K. Piëch". Auch am Porsche-Stammsitz in Stuttgart-Zuffenhausen sowie im Vertrieb- und Logistikwerk Ludwigsburg wurde demonstriert.

Die vor einer Woche gestarteten Gespräche über die gemeinsame Zukunft von VW und Porsche sind seit Sonntag ausgesetzt. VW hatte die für Montag geplante Fortsetzung der Verhandlungen abgesagt. Darüber, wie es weitergehen soll, gab es unterschiedliche Angaben aus Stuttgart und Wolfsburg.

Porsche teilte mit, die Verhandlungen würden "ganz normal weitergeführt". Abgesagt worden sei lediglich der Termin am Montag. "Folgetermine sind vereinbart", hieß es.

Ein VW-Sprecher sagte hingegen, die Gespräche seien für unbestimmte Zeit unterbrochen. Die Atmosphäre sei derzeit nicht konstruktiv. VW-Chef Martin Winterkorn erklärte in einem Brief, das Unternehmen werde sich von niemandem zu überstürzten Handlungen verleiten lassen.

VW-Chef schreibt Brief an Führungskräfte

In einem Brief an die Führungskräfte, aus dem die Berliner Zeitung zitierte, forderte Winterkorn volle Aufklärung über die Lage bei dem Sportwagenhersteller.

"Für ein Zusammengehen von Volkswagen und Porsche müssen wir die Ausgangslage systematisch analysieren und uns ein klares Bild über die tatsächlichen Verhältnisse bei Porsche machen", schrieb der VW-Chef. Volkswagen brauche "volle Transparenz". Es sei im Interesse aller Beteiligten, "dass wir die finanzielle Stabilität und Souveränität von Volkswagen nicht gefährden". Winterkorn wird auch von Piëch bereits als neuer Chef der noch zu gründenden Holding gehandelt.

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh sagte, er habe die Unterbrechung eingefordert. Die Familie Porsche müsse deutlich vorgeben, wozu sie bereit sei und wozu nicht. "Das sollte sie vor allem erst einmal hausintern bei Porsche klären, vor allem mit den Beschäftigten. Wenn man dann wieder auf Volkswagen zugeht, dann muss klar sein, worüber wir überhaupt sprechen wollen. Verkauf, Fusion oder etwas ganz anderes."

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