Votum von EZB und Kommission Litauen darf ab 2015 den Euro einführen

Die Währungsunion wächst: Litauen darf ab Januar 2015 den Euro benutzen, hat die Europäische Kommission entschieden. Auch die EZB lobt den wirtschaftlichen Fortschritt des Landes.

Litauen ist nach Ansicht der Europäischen Zentralbank bereit zur Einführung des Euro. Das baltische Land erfülle alle Kriterien für die Aufnahme in die Währungsunion, schrieb die EZB in ihrem Konvergenzbericht. Auch nach Ansicht der EU-Kommission kann Lituaten den Euro zum 1. Januar 2015 einführen.

Es wird somit voraussichtlich das 19. Mitglied der Euro-Zone. Die Chefs der EU-Staaten sollen in der zweiten Juli-Hälfte final über die Aufnahme Litauens entscheiden.

Der Staat hatte bereits 2007 an der Tür der Euro-Zone angeklopft. Ein Aufnahmeantrag war damals aber gescheitert, weil das Land nicht alle Bedingungen für einen Beitritt erfüllt hatte. Mit Litauen wären ab kommendem Jahr alle drei baltischen Staaten in der Euro-Zone. Zuletzt war Nachbar Lettland Anfang dieses Jahres Mitglied geworden. In Estland ist der Euro schon seit 2011 gesetzliches Zahlungsmittel.

Inzwischen steht Litauen besser da als beim ersten Beitrittsversuch. Das Haushaltsdefizit lag im vergangenen Jahr bei 2,1 Prozent und damit unter dem für die Aufnahme in die Währungsunion nötigen Schwellenwert von 3,0 Prozent. Auch die Staatsverschuldung von 39,4 Prozent lag deutlich unter der geforderten 60-Prozent-Grenze. Die Teuerungsrate der Verbraucherpreise erfüllte mit lediglich 0,6 Prozent ebenfalls die Erfordernisse - sie lag 2007 noch etwas zu hoch. Hier warnt die EZB jedoch, dass der Aufholprozess Litauens auf das wirtschaftliche Niveau der derzeitigen Euro-Länder mittelfristig zu einem stärkeren Teuerungsdruck führen könnte.

Der für Währungsfragen zuständige EU-Kommissar Olli Rehn lobte die Haushaltspolitik und die wirtschaftlichen Reformen Litauens, die durch den EU-Beitritt vor zehn Jahren vorangetrieben worden seien. Dadurch sei der Wohlstand des Landes auf bemerkenswerte Weise gewachsen: "Während die Wirtschaftskraft pro Kopf im Jahr 1995 nur bei 35 Prozent des Durchschnitts der 28 EU-Staaten lag, wird es im Jahr 2015 voraussichtlich 78 Prozent erreichen."

Für die acht weiteren Euro-Aspiranten Bulgarien, Tschechien, Kroatien, Ungarn, Polen, Rumänien und Schweden sieht die EU-Kommission die Kriterien dagegen nicht komplett erfüllt. Mit Ausnahme Großbritanniens und Dänemarks sind alle EU-Länder zur Einführung des Euro verpflichtet, einige von ihnen treten dabei aber bewusst auf die Bremse.