Vorwurf der Steuerhinterziehung Dolce, Gabbana und das goldene Gefängnis

Die Staatsanwaltschaft in Mailand versucht schon lange, Dolce & Gabbana nachzuweisen, dass sie den italienischen Staat um viele Millionen gebracht haben. Bereits seit 2007 wird ermittelt.

(Foto: AFP)

Für Domenico Dolce und Stefano Gabbana darf es in der Mode stets ein bisschen mehr sein - bei den Steuern aber anscheinend eher weniger. 400 Millionen Euro sollen sie an den italienischen Steuerbehörden vorbeigeschleust haben. Nun stehen sie in Mailand vor Gericht. Sich selbst sehen sie ohnehin schon im "goldenen Gefängnis" der Arbeit.

Von Hannah Wilhelm

Wenn es nach Domenico Dolce, 54, und Stefano Gabbana, 49, geht, dann darf es von allem ein bisschen mehr sein. Ein bisschen mehr Pracht und Prunk. Mehr Samt, mehr Dunkelrot und Gold bitte auch noch. Mit pompöser, sizilianisch üppiger Mode sind die beiden italienischen Designer groß geworden. Bekannte Stars wie Madonna und Scarlett Johansson tragen ihre Kreationen. Eben: von allem ein bisschen mehr.

Nur bei den Steuern, da soll es wohl ein bisschen weniger gewesen sein. Das vermutet zumindest die Staatsanwaltschaft in Mailand und wirft den beiden Designern, die ihre Firma in Mailand angesiedelt haben, Steuerhinterziehung vor. In dreistelliger Millionenhöhe: 400 Millionen Euro sollen es gewesen sein. Was dann wiederum recht üppig wäre.

An diesem Montag startet der Prozess gegen Dolce & Gabbana. Mal wieder muss man sagen. Denn die Staatsanwaltschaft in Mailand versucht schon ganz schön lange, den beiden nachzuweisen, dass sie den italienischen Staat um viele Millionen gebracht haben. Bereits seit 2007 wird ermittelt, in einem Prozess wurden die Vorwürfe erst 2011 abgewiesen, dann wurde das Urteil jedoch wieder aufgehoben.

Hat die Firma lediglich einen Steuertrick genutzt?

Konkret geht es um die Frage, ob ein Steuertrick, den die Berater des Unternehmens genutzt haben, legal ist. Dabei wurde in Luxemburg eine Firma gegründet, der dann die Markenrechte von Dolce & Gabbana übertragen wurden. Gado heißt diese Firma, was sich aus den Anfangsbuchstaben von Gabbana und Dolce zusammensetzt.

Wurden Lizenzverträge mit anderen Unternehmen geschlossen, wenn zum Beispiel einem Unternehmen erlaubt wurde, ein Parfum unter dem Label Dolce & Gabbana zu vertreiben, zahlte Gado brav die in Luxemburg fällige Steuer für solche Einnahmen.

In Italien wären diese Steuern nur eben leider zehnmal so hoch gewesen. Und laut Staatsanwaltschaft hätten die Designer eben genau diese sehr viel höheren Abgaben zahlen müssen, da Gado eine rein fiktive Firma sei und die Entscheidungen allesamt in Italien getroffen wurden. Gado wurde mittlerweile nach Italien verlagert. Aus Imagegründen hieß es.

Was den beiden droht? Die Boulevardmedien sehen sie bereits im Gefängnis. Experten halten das für unwahrscheinlich. Nun gut. In einem Interview mit der Financial Times sagte Stefano Gabbana zuletzt, sie arbeiteten so viel, dass man ihr Büro in Mailand als Gefängnis bezeichnen könnte. "Es ist ein goldenes Gefängnis", ergänzte Domenico Dolce. Klar. Von allem ein bisschen mehr eben.