Man kann es nicht kaufen, es ist nicht zu ersetzen: Ohne Vertrauen geht gar nichts. Seit dem Zusammenbruch großer Banken herrscht jedoch vor allem eines - Misstrauen.
Es ist dies ein überaus seltsames Gut. Kaufen kann man es nirgendwo. Aber eine Redewendung lautet, dass man es geschenkt bekommen kann. Fast alle Menschen besitzen es; aber, ohne es zu merken. Dass es da war, registrieren sie erst, wenn sie es einmal verloren haben. Und es handelt sich möglicherweise um die einzige Ressource auf der Welt, die sich durch ihren Gebrauch vermehrt - und durch Nicht-Gebrauch reduziert.
Eine Ressource, die sich durch ihren Gebrauch vermehrt: Ohne Vertrauen geht gar nichts. (© Foto: istock)
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Ohne Vertrauen geht gar nichts. Annette Baier, die neuseeländische Moralphilosophin, die die längste Zeit ihres Lebens an der Universität Pittsburgh lehrte, hat dafür einen passenden Vergleich gefunden. "Wir bewohnen ein Klima des Vertrauens, so wie wir in der Atmosphäre leben", sagt Baier. "Wir nehmen es wahr wie die Luft, nämlich erst dann, wenn es knapp wird oder verschmutzt ist."
Der Vergleich ist deshalb so geeignet, weil in ihm zweierlei zum Ausdruck kommt: das Unverzichtbare und das Unmerkliche. Unverzichtbar ist Vertrauen, weil niemand in der Lage ist, sein Leben nur auf sich gestellt zu führen. Wir bewohnen Häuser, die andere für uns gebaut haben. Wir setzen uns in die U-Bahn in der selbstverständlichen Erwartung, auf diese Weise in zwei Minuten vom Stachus zum Odeonsplatz gebracht zu werden. Wir essen das Fleisch von Tieren, die andere für uns erst gezüchtet und dann geschlachtet haben.
Labiles Vertrauen
Unmerklich ist das Vertrauen, weil es so selbstverständlich geschenkt wird. Wer verschwendet vor dem Einzug schon einen Gedanken darauf, ob durch die Wasserleitung tatsächlich Wasser fließt, und nicht Gas? Wer erwägt schon, sich lieber fern zu halten von dem Menschen, der neben einem auf die U-Bahn wartet; weil es doch sein könnte, dass er einen gleich auf die Gleise schubst?
Vertrauen heißt, Zweifel gar nicht erst zuzulassen - damit wir uns in der Welt überhaupt aufhalten können. Permanente und unbestimmte Angst sowie ein im Wortsinn lähmendes Entsetzen würden unsere Tage prägen, wären wir nicht mit Vertrauen ausgerüstet. Wir wissen nicht, dass die Kuh, deren Fleisch wir auf dem Teller haben, kein BSE hatte. Als Nicht-Bauern und Nicht-Veterinäre können wir das gar nicht wissen. Vertrauen ist eine eigenartige Überzeugung, sagt der Soziologe Diego Gambetta aus Oxford - eine Überzeugung, "die nicht auf Beweisen, sondern auf einem Mangel an Gegenbeweisen gründet". Also beißen wir rein.
Schlimm wird es, wenn genau das plötzlich eintritt: dass es Gegenbeweise gibt. Weil Vertrauen eben vor allem die von Gambetta beschriebene Grundlage hat, ist es äußerst labil. Weniger als ein Dutzend BSE-Fälle hatten im Jahr 2000 zur Folge, dass praktisch niemand mehr Rindfleisch kaufte. Wer einmal auf die Gleise geschubst wurde, wird nie mehr an deren Rand warten. Und die Finanz- und Wirtschaftskrise, die in diesem Jahr für jeden sichtbar wurde, ist doch vor allem dadurch gekennzeichnet, dass mit einem Mal an Gegenbeweisen kein Mangel mehr herrscht.
Keiner kann alles können
Kaum jemand in Deutschland oder Amerika dachte bis vor kurzem, Anlass zu der Annahme zu haben, eine Bank, ein Institut mit großem Namen, schicker Adresse und hohen Türmen - solch eine Bank könne eines Tages bankrott gehen. Sobald aber genau dies passierte, war es um das Vertrauen nicht nur in die konkrete Bank, sondern in das gesamte Finanzsystem geschehen. Und das Misstrauen erfasste nicht nur die Kunden, auch die Akteure des Systems selbst. Der Unterschied zwischen Miss- und Vertrauen ist: Misstrauen lässt sich nicht so leicht beseitigen. Diego Gambetta schreibt: "Es hat die Fähigkeit zur Selbsterfüllung, zur Erzeugung einer Realität, die mit ihm übereinstimmt."
Ohne Vertrauen geht nichts, aber Vertrauen alleine kann auch keine Grundlage sein. Es gibt mehrere Varianten des Vertrauens. Da schenkt einer Vertrauen, weil er beim anderen seit langem eine Übereinstimmung zwischen dessen Worten und Taten feststellt. "Sie haben das Vertrauen der IG Metall", sagte der Gewerkschaftsvorsitzende Berthold Huber vor ein paar Tagen über Gerhard Cromme und Peter Löscher, die Chefs des Aufsichtsrats und des Vorstands von Siemens. Die beiden hatten die Aufklärung der Korruptionsaffäre nicht nur zugelassen, sondern aktiv vorangetrieben.
Darüber hinaus gibt es das Vertrauen, dem man sich mehr oder weniger ausliefern muss. In einer technisierten und spezialisierten Welt mag jeder Mensch Fachmann auf einem oder zwei Gebieten sein. Heißt aber zugleich: Auf 734 anderen Gebieten ist er es nicht. Keiner kann alles können. Also benutzt er diese Hängebrücke. Wird schon tragen. Also bringt er seinen alten Computer zum Wertstoffhof. Wird schon sauber recycelt werden.
Lesen Sie im zweiten Teil, was Vertrauen mit der Finanzkrise zu tun hat - und welche Alternative der Zwang bietet.
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Großprojekte in Berlin
Also zu Banken habe ich überhaupt kein Vertrauen. Warum sollte ich? WAs von den Banken betrieben wird ist sowieso von Haus aus Betrug. Sie leihen Geld aus, das es gar nicht gibt, indem sie einfach ihre Bilanzen verlängern.
Und bereichern sich dann am Zins und Zinseszins.
Dieses Geldsystem ist über kurz oder lang zum Zusammenbruch verurteilt, und durch Zwangsversteigerung können die Banken ihren Reichtum erst richtig vermehren.
So ein System hat kein Vertrauen verdient!
Vertrauen bekommt man nicht geschenkt, man gewinnt es, und nicht durch Marketingmaßnahmen, sondern durch Taten. Wenn Banken, Regierungen und Institute seit Jahrzehnten Handlungen vollbringen, die das Vertrauen nicht rechtfertigen, dann dürfen sie sich nicht wundern, wenn es dahin geht.
Wenn jetzt von Vertrauensgewinnung gesprochen wird, ist mir als Regiertem klar, dass es nicht um Handlungen geht, sondern darum, mir Dinge, die nicht in meinem Interesse liegen, möglichst wirksam zu verkaufen. Marketing eben, nicht Vertrauensgewinnung. Denn dass alle Segel auf den "Weiter So" Kurs gesetzt sind ist offensichtlich.
Eine Anmerkung: Blindheit ist, das wusste schon Kant, weder eine Eigenschaft noch ein Merkmal eines freien, selbstbestimmten Menschen, sondern dessen direktes Gegenteil. Es ist die Aufgabe eines jeden Menschen, der einen Anspruch auf Freiheit und Selbstbestimmung hat, zu hinterfragen und zu prüfen, wem und was er sein Vertrauen schenkt. Ansonsten ist er weder frei noch selbstbestimmt. Das ist unangenehm und anstrengend und dies ist wiederum der Grund für in Kauf genommene Blindheit.
ist es sehr schwierig es wieder zu verdienen, so einfach ist das.
liu1600, danke für die Zustimmung.
gehen Sie mal auf die Homepage und da wird ihnen sofort der Artikel mit der Überschrift
"Die Angst kauft mit" auffallen. Schwarzmalerei vom Feinsten! Da wird die Tatsache, daß die Leute auch heuer wieder üppig zu Weihnachten einkaufen mit Prognosen der GfK verwoben. Das ist nicht zulässig, denn die Prognosen sind nur der verzweifelte Versuch, irgendwelche Hellsehereien über die Zukunft zu betreiben. Solange Prognosen nicht durch ihr Eintreten bestätigt werden sind es eben Phantastereien die niemanden nützen, denn wenn ich man sich schon mit Phantasien beschäftigen will., dann kann ich das genausogut mit positiven Bildern.
Zudem steht in diesem Artikel nichts darüber zu lesen, wie der Schreiberling zu dem Ergebnis kommt, daß die Käufer in Angst gekauft haben. Es wurden doch noch nichteinmal Leute dazu befragt!
Man hat nichts auf der Hand und spinnt sich etwas zusammen. Ich scheue mich auch nicht zu sagen, daß die Leser offensichtlich belogen werden. Zumindest täuscht die Überschrift einen Tatbestand vor, der durch nichts untermauert ist. Muß man derartige Artikel bringen? Nein, aber dann einen Artikel über Vertrauen veröffentlichen halte ich für ein Zeichen von Schizophrenie. Gut der Journalist wird es Pluralismus nennen, aber Lügen und Täuschen sind sicherlich kein Nährboden für Vertrauen.
Ich hab neulich versucht die Werdung der Finanzkrise für mich im Detail zu analysieren. Beim Punkt CDOs von CDOs war ich aber schließlich auf meine Phantasie angewiesen und bin ausgestiegen.
Im Gehirn laufen ständig Rechenprozesse die unter Einbezug der Verhaltensprognosen aller bekannten Akteure ein Bild der Zukunft entwerfen. Vertrauen heißt, sich auf diese Verhaltensprognosen verlassen zu können.
Bei der Wirtschaftskrise können - das ist mein fester Glaube - 99,9999% der Menschen nicht wirklich erklären, wie es dazu kam. Und in 99,999% meines persönlichen Umfeldes verlassen sich die Menschen darauf, dass die da Oben es schon richten werden.
Und die verbleibenden kaufen sich schon mal richtig gestückelte Silbermünzen und sorgen dafür, dass nicht nur die Preise für Heimtresore sondern sogar die für Notstromaggregate steigen.
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