Koppelgeschäfte Fouls abseits der Volkswagen-Arena

Die Staatsanwaltschaft wirft Volkswagen vor, jahrelang Lieferanten und Dienstleister dazu gedrängt zu haben, den Werksklub VfL Wolfsburg zu sponsern. VW und sein Einkaufsvorstand Garcia Sanz sollen eine Millionenbuße zahlen.

Von Klaus Ott

Als Einkaufsvorstand bei Volkswagen gehört Francisco Javier Garcia Sanz, 56, zu den Spitzenverdienern in der deutschen Industrie. Der Geschäftsbericht des Wolfsburger Autokonzerns weist für die vergangenen beiden Jahre Vergütungen in Höhe von insgesamt 13,5 Millionen Euro aus.

Insofern dürfte es dem Top-Manager finanziell nicht schwer fallen, das Bußgeld zu zahlen, das die Staatsanwaltschaft in Stuttgart von ihm und VW fordert. Es handelt sich um einen einstelligen Millionenbetrag. Was auf Garcia Sanz und was auf seinen Arbeitgeber entfällt, ist öffentlich nicht bekannt. VW äußert sich dazu nicht.

Schlimmer als die finanzielle Last wäre für Garcia Sanz das damit verbundene Schuldeingeständnis, auch wenn es nur um eine Ordnungswidrigkeit geht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm und Volkswagen vor, sie hätten "pflichtwidrig nicht dafür Sorge getragen, dass Straftaten verhindert werden". Gemeint sind offenkundige Koppelgeschäfte zwischen VW, Lieferanten und Dienstleistern des Autoherstellers und dem Konzernklub VfL Wolfsburg. Die Ermittler gehen in einem Fall von Korruption aus.

Der VfL kickt mit dem Geld von Volkswagen in der Bundesliga; Garcia Sanz ist Aufsichtsratschef der Fußballtochter. Kürzlich hat der Werksverein von Bayern München für geschätzte 20 Millionen Euro den brasilianischen Nationalspieler Luiz Gustavo gekauft, der gleich in einer seiner ersten Partien für den VfL wegen wiederholter Fouls vom Platz flog.

Auch VW soll des öfteren Fouls begangen haben. Nach Erkenntnissen der Ermittler hat der Autokonzern jahrelang Lieferanten und Dienstleister gedrängt, den VfL zu sponsern. Das lief, wie aus beschlagnahmten Unterlagen hervorgeht, über den Konzernbereich Einkauf. Diversen Mails und Vermerken zufolge müsste Einkaufsvorstand Garcia Sanz gewusst haben, was da gespielt wird. Einmal sollte er laut einem Briefentwurf die Deutsche Telekom sogar selbst als Trikotsponsor für den VfL gewinnen. Verbunden mit dem Hinweis, ein solches Engagement könnte "unsere Partnerschaft vertiefen".

Garcia Sanz ist einer der mächtigsten Männer bei VW. Er gilt als knallharter Einkäufer, der für Einsparungen in Milliardenhöhe sorgt und der bei den Lieferanten gefürchtet ist. Diesen Ruf hatte er sich der Spanier schon beim US-Unternehmen General Motors und dessen Automarke Opel erworben, ehe er 1993 zu Volkswagen wechselte und dort Karriere machte. Und begann, sich auch um Fußball zu kümmern. Erst mit großem Erfolg, der VfL wurde 2009 deutscher Meister.

Sponsoring gegen Großauftrag?

Jetzt folgt großer Ärger. VW soll 2010 die Verlängerung eines Großauftrags für den IT-Dienstleister T-Systems aus dem Hause Telekom daran gekoppelt haben, dass die Telekom-Tochter ein Millionen-Sponsoring beim VfL fortsetzt. Zwei VW-Einkäufer aus dem Unternehmensbereich von Garcia Sanz sind wegen Bestechlichkeit angeklagt, drei frühere Mitarbeiter und Berater von T-Systems wegen Bestechung. Die Justiz in Stuttgarter ist zuständig, weil dort eine T-Systems-Firma sitzt, die mit der Sache befasst war.

Bei einer Zeugenvernehmung bei der Polizei hat Garcia Sanz seine Rolle kleingeredet. Es könne sein, dass er seinen Leuten bei einer Bereichsleitersitzung mal gesagt habe, man müsse sich bei VW auch um den VfL kümmern. Alle Mitarbeiter hätten dann schon gewusst, was zu tun sei. Das Landgericht Stuttgart will das Verfahren gegen die fünf Angeklagten gegen Geldzahlungen einstellen, wegen geringer Schuld. Aus Sicht der Justiz lag das Problem eher bei den Unternehmen. T-Systems und VW hätten intern keine ausreichenden Vorkehrungen gegen eine Verknüpfung von Fußball-Sponsoring und anderen Geschäften getroffen. Das ist, indirekt, auch ein Rüffel für Garcia Sanz.