Unseriöser Werbemethoden Dem Glück auf der Spur

Mit märchenhaften Versprechungen, Gewinnspielen und raffinierten Werbetricks gehen Firmen auf Kundenjagd - allzu bereitwillig machen viele Bürger mit und lassen sich private Daten entlocken.

Von Reinhold Rühl

Machmal steckt das große Los im Briefkasten. Zum Beispiel der Brief von Egbert Graf von Plettenberg.

Roulette, dpa

In der Hoffnung auf große Gewinne geben viele Bürger private Daten preis.

(Foto: Foto: dpa)

"Heute darf ich Ihnen ganz herzlich gratulieren", schreibt der Adelige aus Vogtsburg-Oberrotweil, "denn Sie wurden bei unserer großen Jubiläums-Verlosung als Mehrfach-Gewinner ermittelt!" Der mit gräflichem Wappen verzierte Umschlag enthält drei Lose, eine "Offizielle Gewinn-Nummern-Liste" und einen Rücksendeumschlag mit dem Hinweis: "Öffnen Sie die beiliegenden Lose und überprüfen Sie schnell, in welcher Preis-Kategorie Sie gewonnen haben."

Tatsächlich: Die Nummer des blauen Loses findet sich auf der Liste. Einer der abgebildeten Preise gehört "schon garantiert Ihnen", versichert der Graf. Etwa ein "Profi-Taschenmesser" oder eine "Erlebnis-Weinprobe". Nicht eben berauschend. Doch das rote Los ist ein Volltreffer: Auf der Gewinnliste findet sich zum Beispiel ein Opel Kleinwagen, eine Karibik-Kreuzfahrt, eine Video-Kamera oder ein Power-Laptop. Also: Schnell zurücksenden, zumal der Graf versichert: "Ich sorge persönlich dafür, dass Ihnen Ihre Preise umgehend zugestellt werden."

Zwei Wochen später klingelt Sven Rehnelt an der Wohnungstür. Der Abgesandte des Grafen schleppt zwei schwere Alukoffer und tupft sich dezent ein paar Schweißperlen von der Stirn, denn die Dachgeschoßwohnung des vermeintlichen Gewinners besitzt keinen Aufzug. "Ihr Preis", sagt Rehnelt freudestrahlend und stellt einen Karton auf den Tisch. Weder Laptop noch Videokamera befinden sich darin, nur Weingläser. "Edles Kristall", beteuert Rehnelt und schlägt mit Schwung die beiden Kelche aneinander - die Gläser bleiben heil.

Rehnelt füllt sie mit Rebsaft aus den Musterkoffern: etwa reinrassiger Dornfelder, trockener Kreuznacher Kronenberg oder süffiger Burgunder vom Kaiserstuhl. Schnell wird klar: Der Glücksbote des Grafen ist Handelsvertreter. Als "Weinberater" der Firma Reichsgraf von Plettenberg GmbH kredenzt er die Kostproben im Wohnzimmer der Glückspilze, die nach der Verkostung natürlich fleißig ordern sollen. Eine ebenso beliebte wie umstrittene Methode zum Kundenfang.

"Mindestens 500 Firmen verschicken in Deutschland solche Gewinnmitteilungen", weiß Christina Carls von der Verbraucherzentrale Hamburg, die im Internet eine "Liste der unseriösen Firmen" veröffentlicht hat. Auch die Firma des Grafen findet sich auf der Schwarzen Liste, weil die Gewinnmitteilung nur ein Vorwand sei, die Empfänger als Neukunden anzuwerben.

"Woher haben die meine Adresse?"

Ob die versprochenen Gewinne tatsächlich ausgeliefert werden, lasse sich in der Regel nicht überprüfen. Nicht zuletzt deshalb schicken genervte Bürger immer wieder unerwünschte Werbepost an die Beratungsstellen, und fast alle fragen: Wo haben die bloß meine Adresse her?

Das herauszufinden dürfte eigentlich kein Problem sein. Denn jeder Empfänger von Werbepost kann laut Bundesdatenschutzgesetz von den Firmen Auskunft fordern über Daten, die zu seiner Person gespeichert sind: woher die Angaben stammen, an wen sie weitergegeben und zu welchem Zweck sie gespeichert wurden. Die Suche kann allerdings schnell zu einer Odyssee im Datendschungel werden, wie der Selbstversuch nach der Weinprobe zeigte.