Wer warten muss, ärgert sich: Einzelhändler lassen die Verbraucher selbst ihre Ware einscannen - das verkürzt die gefühlte Wartezeit.
Wer es eilig hat und im Supermarkt nur rasch ein paar Sachen besorgen will, ärgert sich darüber besonders: Lange Warteschlangen an den Kassen, jeder Bezahlvorgang dauert Minuten.
Zusätzliche Kassen sind zu teuer - darum sollen die Kunden ran. (© Foto: dpa)
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Der Zeitverlust ist für manchen Wartenden schwerer zu ertragen als das Fehlen des Lieblingsjoghurts im Kühlregal. "Die Wartezeiten sind eines der wichtigsten Kriterien zur Beurteilung einer Einkaufsstätte", hat das Handelsforschungsunternehmen EHI jetzt bei einer Befragung von 61 Handelsunternehmen herausgefunden.
Konstante Kassenzahl
Das erklärt, warum die Beschleunigung des Kassendurchlaufs ein Dauerthema in der Branche ist. Mit der Installierung weiterer Kassen lässt sich das Problem nicht lösen. Zum einen fehlt dafür in vielen Geschäften der Platz. Zum anderen haben alle Ladenbetreiber einen strengen Blick auf die Kosten und wollen schon deshalb nicht mehr Kassierpersonal einstellen. Aus diesen Gründen ist die Zahl der im deutschen Einzelhandel installierten Kassen seit Jahren konstant: Etwa eine Million Geräte leisten in 585.000 Läden Dienst; jedes fünfte in den Geschäften des Lebensmittelhandels.
Viele Einzelhändler ziehen es vor, dass ihre Kunden einen Großteil dieser Arbeit übernehmen, den heute Mitarbeiter in den Kassenzonen erledigen. Sie rüsten deshalb ihre Kassenbereiche so um, dass die Verbraucher die gekauften Artikel selbst scannen und den fälligen Betrag an einem Bezahlautomaten begleichen. Laut Untersuchung des EHI haben bereits 13 Prozent der Ladenbetreiber in Deutschland sogenannte Self-Service-Systeme im Einsatz, und jedes dritte befragte Unternehmen beabsichtigt, diese Geräte mittelfristig in seinen Filialen einzusetzen.
Die Forscher haben keine Bedenken, dass sich die Verbraucher der neuen Technik verweigern: Sie seien durch Bankautomaten, Self-Check-in am Flughafen oder Tankautomaten an den Zapfsäulen daran gewöhnt, zunehmend selbst Tätigkeiten zu übernehmen, die früher von Bedienungen angeboten worden seien, heißt es in der Studie. Vorreiter dieser Entwicklung ist der Ikea-Konzern. Der schwedische Möbelhändler setzt in seinen 44 deutschen Märkten bereits sehr stark auf die neue Technik.
Im vergangenen Jahr wurde die Hälfte der mehr als 1400 traditionellen Kassen gegen jeweils zwei "Self Checkout-Geräte" ausgetauscht. Dort müssen die Kunden die gekaufte Ware selbst scannen und dann bezahlen. Die neue Technik werde gut angenommen, heißt es bei Ikea. Auch die Selbstbedienungs-Warenhauskette Real hat in etwa jedem fünften ihrer bundesweit 342 Märkte entsprechende Stationen eingerichtet. Dabei betreut eine Servicekraft meist vier Kassen - weist Kunden in die Bedienung ein, hilft bei technischen Problemen und kontrolliert.
Kassiervorgang dauert länger
Beschleunigen lässt sich der Kassiervorgang durch die Mitarbeit der Kunden nicht. Im Gegenteil. "Wenn ein ungeübter Kunde selbst auscheckt, dauert der Kassiervorgang meist zwei- bis dreimal länger, als wenn eine geübte Kassiererin diesen Prozess übernimmt", hat das EHI festgestellt. Als wichtiger Vorteil der Selbstbedienung an der Kasse gilt jedoch, dass sich die subjektiv empfundene Wartezeit stark verkürzt. Wer selbst scannt und bezahlt, empfindet den Aufenthalt in der Kassenzone nicht mehr so sehr als unnütze Zeit. Branchenkenner sind aber überzeugt, dass personalfreie Kassen herkömmliche Systeme nie vollständig ablösen: Denn es werde immer Kunden geben, die vor der Technik zurückschreckten oder auf den persönlichen Kontakt nicht verzichten wollten.
Entscheidend für das Tempo eines Kassiervorgangs ist auch die Art der Bezahlung. Am schnellsten geht es, wenn der Kunde bar zahlt. Dennoch schätzen viele Ladenbetreiber Münzen und Scheine nicht sonderlich. Etwa die Hälfte der vom EHI befragten Unternehmen bevorzugt Kredit- und EC-Karten. Die Handelsmanager fürchten, dass volle Ladenkassen Diebe anlocken, und scheuen die mit der Bargeldabwicklung verbundenen Aufgaben. Allerdings zeigen Studien, dass die Kartenzahlung stets mehr Zeit beansprucht und für den Händler mit höheren Kosten verbunden ist als die Barzahlung.
- Niedriglohnsektor Für eine Handvoll Cents 26.02.2010
- Dienstleistungen Selbst ist der Kunde 24.02.2010
(SZ vom 05.03.2010/hgn)
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Daß uns der Branchenverband das Wegrationalisieren des Kassenpersonals als zusätzlichen Service andrehen will, weil angeblich die "gefühlte Wartezeit" kürzer würde - nun gut. Daß die SZ diesen Unfug aber gleich zweimal als Tatsache darstellt - das ist schon ein trauriges Armutszeugnis. Da könnte man EHI den Artikel gleich selber schreiben lassen.
Bevor Sie die vermeintlichen Vorteile der RFID-Technologie loben, sollten Sie sich kritisch mit der Materie auseinandersetzen.
Auch wenn Sie möglicherweise zu den Menschen gehören, die glauben, nichts zu verbergen zu haben und dabei vergessen, dass immer Dritte darüber bestimmen, was gerade unter dieses Verbergen fällt, so glaube ich kaum, dass Ihnen klar ist, dass einzelne Unternehmen bereits RFID-Technik einsetzen, um Kaufverhalten zu analysieren, Tracking ihrer Kunden zu betreiben und diese Daten nicht nur für Werbeversand nutzen, sondern auch noch Geld mit dem Weiterverkauf einnehmen.
Preiswerter werden die dadurch aber Waren nicht.
Um Ihnen die Dimension vor Augen zu führen: RFID-Tags sind nahezu unbegrenzt haltbar. Sie senden ihre ID an jedes beliebige Lesegerät - und diese ID ist weltweit einmalig. Nicht selten befinden sich diese Tags schon heute in Kleindungsstücken - angeblich, um die Ware vor Diebstahl zu schützen und die Warenwirtschaft zu optimieren. Allerdings werden die Tags nach der Bezahlugn selten deaktiviert - denn so kann man feststellen, wie sich ein Kunde im Laden bewegt, wo er sonst noch einkauft und was er sonst noch einkauft (durch Datamining). Zudem bekommt man einen Überblick über Zahlungsgewohnheiten und Zwahlungsmittel (Kreditkarte, EC-Karte, Lastschrift) und die Hausbank.
Durch Übertragung aktueller Forschungsarbeiten aus dem Umfeld der Mobilfunkbetreiber lassen sich anhand dieser Daten auch recht zuverlässige Interpolationen des Kaufverhaltens und damit Prognosen erstellen und basierend darauf eine gezieltere "Bewerbung" erreichen. Theoretisch kann das soweit gehen, dass man von Werbetafeln namentlich gegrüßt wird und damit klar wird, dass irgendwelchen Unternehmen jeder Schritt und jeder Tritt der Kunden bekannt ist. Eine Überwachung, die weit über die Möglichkeiten der STASI hinaus geht und zudem widerspruchslos hingenommen wird - weil es vermeintlich schneller an der Kasse geht.
Zudem wird die sinkende Kostentransparenz vergessen. Während man beim "klassischen" Kauf einen Überblick übder die Waren hat und bei fehlendem Geld noch intervenieren kann, fehlt beim Scannen und Abbuchen jeder Überblick - die Folge ist, dass die Leute unterm Strich mehr Geld ausgeben, obwohl sie das gar nicht müssten.
Schöne neue Welt! Lieber warte ich weiter an den Kassen und hoffe, dass irgendwann wieder Menschen beschäftigt werden.
in den Niederlanden gibt s einen Supermarkt fängt an mit Buchstabe "A", die haben einen Einkaufswagen mit Kaffeehalter, (Kaffee ist Gratis entweder mit Milch und Zucker) einen Halter für einen Produktscanner, und wenn der Einkaufswagen voll ist, gibt man den Scanner in einer Halterung zurück, gibt seine EC Karte ein, und fertig!
Warten(??), keinen spur, alles Tip Top!
einen Schritt weiter bringt uns die RFID Geschichte, dann wird die Ware automatisch Gescanned, durch eine Pforte gehen und die Ware erkannt, wird noch schneller abgerechnet,
aber
mit einem Einkaufswagen aus 100% Polypropylene aus Spanien!
Industrias Tomas Morcillo
hat bereits diesen Einkaufswagen 100% RFID geeignet.
wann wird dieser Einkaufswagen nach Deutschland kommen?
Danke liebe Supermärkte, aber ich habe schon einen Arbeitsplatz und ich werde nicht dafür bezahlen, dass ich Eure Arbeit machen darf. Ich kauf nur bei Supermärkten mit echten Menschen an der Kasse und damit PUNKT.
Die spinnen, die BWLer!
"Im vergangenen Jahr wurde die Hälfte der mehr als 1400 traditionellen Kassen gegen jeweils zwei "Self Checkout-Geräte" ausgetauscht. Dort müssen die Kunden die gekaufte Ware selbst scannen und dann bezahlen."
Dafür würde ich als Kunde mindestens 10% Rabatt auf den Einkaufspreis erwarten!
Ikea spart hier an der falschen Stelle, ich gege daher in andere Läden, die Kunden noch als Kunden behandeln.
Paging