Thomas Middelhoff Prozess gegen Middelhoff wird wohl eingestellt

Wird das Landgericht Essen am Mittwoch wohl als freier Mann Verlassen: Ex-Manager Thomas Middelhoff.

(Foto: dpa)
  • Das Gerichtsverfahren gegen Thomas Middelhoff und weitere Angeklagte wird wohl eingestellt.
  • Ursprünglich war der Prozess bis zum Jahresende angesetzt - eine heftige Niederlage für die Staatsanwaltschaft.
Von Klaus Ott

Thomas Middelhoff, ehedem Chef der Konzerne Bertelsmann und Arcandor und später tief gefallen, bleibt wohl eine weitere Verurteilung erspart. Der einstige Top-Manager wird das Landgericht Essen, wo seit mehreren Wochen gegen ihn wegen Anstiftung zur Untreue verhandelt wird, voraussichtlich am Mittwoch als freier Mann verlassen. Ohne jegliche Strafe. Das Gericht will das Verfahren gegen Middelhoff, in dem es um Bonus-Zahlungen in Millionenhöhe bei Arcandor geht, einstellen. Das gab die Wirtschaftsstrafkammer am Montag in öffentlicher Verhandlung bekannt, wie ein Gerichtssprecher auf Anfrage bestätigte. Auch für die übrigen sechs Angeklagten, alles ehemalige Aufsichtsräte des pleite gegangenen Warenhauskonzerns, dürfte der Fall glimpflich enden.

Middelhoff war im November 2014 vom Landgericht Essen wegen Veruntreuung von Firmengeldern bei Arcandor zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Er saß eine Zeit lang im Gefängnis und ist inzwischen als Freigänger in einer Werkstatt für behinderte Menschen in Bethel tätig. Seit dem 11. Mai steht er erneut in Essen vor Gericht; in einem Prozess, der ursprünglich bis zum Jahresende angesetzt war. Bis kurz vor Weihnachten. Dass sich bereits jetzt, nach nur einer Zeugenvernehmung, ein schnelles Ende abzeichnet, kommt einer heftigen Niederlage für die Staatsanwaltschaft Bochum gleich. Die hat den früheren Arcandor-Aufsichtsräten vorgeworfen, kurz vor Pleite des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor ohne Rechtsgrundlage Bonus-Zahlungen in Höhe von 3,8 Millionen Euro gewährt zu haben. Das sei Untreue gewesen. Das meiste Geld, 2,3 Millionen Euro, hatte Middelhoff bekommen. Er wurde der Anstiftung bezichtigt.

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Dass solche Verdächtigungen in einem so großen Wirtschaftsprozess so schnell in sich zusammenfallen, ist ungewöhnlich. Meist wird viele Monate lang verhandelt, ehe die Ankläger einlenken. In Essen hingegen ist nun vorgesehen, die Verfahren gegen alle sieben Angeklagten nach und nach einzustellen. Nach Middelhoff soll am kommenden Montag der Prozess gegen zwei ehemalige Aufsichtsräte ebenfalls ohne Strafen oder Auflagen beendet werden. Die restlichen vier Angeklagten, einige von ihnen durchaus prominent, könnten dann am 7. Juli mit für ihre Verhältnisse geringen Geldauflagen davonkommen.

Das sind unter anderem Hans Reischl, ehedem Chef des Handelskonzerns Rewe; und Leo Herl, der Ehemann der Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz, die durch die Arcandor-Pleite viel Vermögen verloren hat. Doch niemand fiel so tief wie Middelhoff. Der einst gefeierte Manager hatte die schwer angeschlagene Arcandor AG, die früher unter Karstadt-Quelle firmierte, auf Erfolgskurs bringen wollen. Doch das ist ihm nicht gelungen. Middelhoff erklärte Ende 2008 seinen Rückzug, Mitte 2009 ging Arcandor pleite. Später gab es, wie Middelhoff beim Prozessauftakt am 11. Mai erzählt, zwei Brüche in seinem Leben. Die Nachwehen von Arcandor bis hin zur Verurteilung im Herbst 2014, weil er private Flüge auf Kosten des kriselnden Konzerns abgerechnet hatte. Und dann die Haft. Die Gefängnisbeamten hätten regelmäßig nachgeschaut, wie es ihm gehe, sagte Middelhoff vor Gericht. Durch Schlafentzug sei er unheilbar erkrankt; am Herzen, an der Niere, an den Augen.

Diese Vorgeschichte trägt nun auch dazu bei, dass Middelhoff das Gericht wohl ohne Auflagen verlassen wird. Das ist kein Freispruch. Aber besser als ein Prozess, der noch Monate dauert.

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