Thomas Ebeling Filmreifer Abgang

Der Vertrag von Thomas Ebeling sollte eigentlich noch bis 2019 laufen. Nun tritt er vorzeitig ab.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Erst spricht der Chef des Medienkonzerns Pro Sieben Sat 1 schlecht über seine Zuschauer, wofür er sich entschuldigen musste. Jetzt gibt er seinen Abschied bekannt.

Von Caspar Busse

Es war ein Abgang mit Ansage. In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass sich Thomas Ebeling, 58, der Vorstandsvorsitzende des Fernsehunternehmens Pro Sieben Sat 1, in einer Analystenkonferenz ziemlich abfällig über seine Zuschauer geäußert hat. "Es gibt Menschen, ein bisschen fettleibig und ein bisschen arm, die immer noch gerne auf dem Sofa sitzen, sich zurücklehnen und gerne unterhalten werden wollen", sagte er. Das sorgte für erhebliche Turbulenzen, im Unternehmen und bei Kunden.

Am Sonntagabend nun teilte das Dax-Unternehmen nach einer Sitzung des Aufsichtsrats mit, dass Ebeling seinen eigentlich noch bis Mitte 2019 laufenden Vertrag nicht mehr erfüllen wird. Er werde das Unternehmen schon nach der für den 22. Februar 2018 angesetzten Bilanzpressekonferenz für das Geschäftsjahr 2017 verlassen. Darauf hätten sich der Vorstandsvorsitzende und der Aufsichtsrat der Gesellschaft am Sonntag einvernehmlich verständigt. Einen Nachfolger gibt es bislang nicht, dieser soll "zu gegebener Zeit" benannt werden. Das bisherige Vorstandsmitglied Conrad Albert wird mit sofortiger Wirkung zum Vize ernannt.

Seit 2009 ist er Vorstandschef, doch er hat es versäumt, einen Nachfolger aufzubauen

Für Ebeling ist es schon seit Längerem nicht mehr gut gelaufen. An den Finanzmärkten gab es zunehmend Zweifel an der Unternehmensstrategie, nämlich neben dem klassischen Fernsehgeschäft stark in Internet-Aktivitäten zu expandieren. Mehrmals hintereinander mussten die Aussichten nach unten revidiert werden, die Aktie ging immer weiter in den Keller. Als dann auch noch Ebelings Äußerungen gegenüber Analysten bekannt wurden, wurde es offenbar eng, auch wenn sich Ebeling entschuldigte. Es habe sich lediglich um eine "plakative Zuspitzung" gehandelt. Aber da waren die Äußerungen schon in der Welt. Die Werbekunden, die viel Geld in Spots bei den Konzernsendern Pro Sieben, Sat 1, Sixx und andere stecken, reagierten offenbar sehr irritiert. Dazu kommt eine steigende Konkurrenz durch Streamingdienste wie Netflix oder Amazon Prime, die dem klassischen Fernsehen vor allem jüngere Zuschauer wegnehmen. Auch die Werbekonjunktur lief immer schlechter, zudem erwiesen sich einige Programme als teure Flops.

Der Aufsichtsrat unter der Leitung des ehemaligen SAP-Finanzvorstands Werner Brandt sucht nach SZ-Informationen bereits seit Längerem nach einem Nachfolger, bisher jedoch ohne Erfolg. "Unsere Nachfolgesuche fokussiert auf eine Persönlichkeit, die die hervorragende Arbeit von Thomas Ebeling fortsetzt und die Diversifikation und die digitale Transformation mit ebenso unternehmerischem Weitblick weiter vorantreibt", teilte Brandt nun mit. Die aktuelle Strategie soll beibehalten werde, künftig soll es drei Säulen geben, an den Internetgeschäften können möglicherweise Investoren beteiligt werden.

Ebeling hatte es bisher versäumt, einen Nachfolger aufzubauen. Dem ehemaligen Finanzvorstand Gunnar Wiedenfels wurde die Aufgabe zwar zugetraut, doch er wechselte als Finanzchef zum amerikanischen Unterhaltungskonzern Discovery nach New York.

Der ehemalige Novartis-Manager Ebeling, der Psychologie studiert hat und aus Hannover stammt, war 2009 zu Pro Sieben Sat 1 gekommen und hatte damals erheblich umgebaut. Unter anderem wurden der Nachrichtensender N 24 sowie weitere Aktivitäten im europäischen Ausland verkauft und eine Reihe von Online-Firmen erworben. Als sich später die Hauptaktionäre, die beiden Finanzinvestoren KKR und Permira, verabschiedeten, erhielt Ebeling, der in der Schweiz lebt, eine Prämie von fast 24 Millionen Euro.