Terroranschläge vom 11. September 2001 United Airlines, das World Trade Center und eine kuriose Klage

Trägt United Airlines eine Mitschuld an den Anschlägen von 9/11 und damit am Einsturz des World Trade Centers? Larry Silverstein, Pächter eines ebenfalls zerstörten Nebengebäudes, geht davon aus - und prozessiert eifrig. Auch die jüngste Niederlage vor einem New Yorker Gericht hält ihn nicht auf.

Am 11. September 2001 um 9:03 Uhr krachte United-Airlines-Flug 175 in den Südturm des World Trade Centers in New York. Spätestens da war Beobachtern klar, dass es sich um einen Terroranschlag handeln musste. Kurz zuvor war bereits American-Airlines-Flug 11 in den Nordturm gerast. Um 9:59 Uhr kollabierte der Nordturm, um 10:28 Uhr der Südturm, später um 17:20 Uhr stürzte unter den Trümmern des Nordturms auch WTC-7, ein Nebengebäude des World-Trade-Center-Komplexes komplett ein. Mehr als 3000 Menschen fanden den Tod - eine nationale Katastrophe für die USA.

Larry Silverstein war der Pächter von WTC-7. Seit Jahren führt er eine juristische Auseinandersetzung in Zusammenhang mit den Terroranschlägen des 11. September. Gegen mehrere Fluggesellschaften prozessiert er - obwohl er schon von Versicherungen knapp 4,1 Milliarden Dollar kassiert hat.

Winkelzüge der Advokaten

Der Immobilien-Manager ist der Ansicht, United Airlines trage eine Mitschuld daran, dass das Hochhaus WTC-7 eingestürzt sei. Nur die laxen Sicherheitskontrollen an den Flughäfen hätten es den Al-Qaida-Terroristen ermöglicht, die Maschinen zu entführen und in die Zwillingstürme zu lenken.

Doch ein New Yorker Richter hat die Vorwürfe Silversteins jetzt als unbegründet zurückgewiesen. Die Fluggesellschaft habe die Kette von Ereignissen, die zum Einsturz von WTC-7 führten, unmöglich voraussehen können.

In den jetzigen Verfahren ging es interessanterweise nicht um das Flugzeug der United Airlines, das in den Südturm einschlug, sondern um die Maschine der Konkurrenzgesellschaft American Airlines, die im Nordturm explodierte. Es waren nämlich die Trümmer des Nordturms, die WTC-7 zum Einsturz brachten.

Silversteins Anwälte hatten dennoch argumentiert, dass United verantwortlich sei. Die Begründung: Die Attentäter um Mohammed Atta, deren Flugzeug in den Nordturm einschlug, hatten ihre Reise in Portland im Bundesstaat Maine begonnen, waren dann nach Boston geflogen und dort in die American-Airlines-Maschine umgestiegen. Weil United einer der Betreiber des Flughafens in Portland gewesen sei, sei die Gesellschaft juristisch verantwortlich für die Sicherheitskontrollen dort und habe am 11. September die Chance verpasst, die Flugzeugentführung zu verhindern.

Die Klageabweisung ist für United Airlines ein Etappensieg, denn andere von Silverstein angestoßene Verfahren laufen weiter. Ein Sprecher von Silversteins Konzern sagte der New York Times, man sei enttäuscht über den jüngsten Richterspruch, werde aber eine Schadenersatzklage in Zusammenhang mit United-Airlines-Flug 175 fortsetzen.