Interview: Caspar Dohmen

Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger über die Kaderschmiede Business School, die Pflicht zur Moral und fehlende Grundwerte in der Managerausbildung.

Business Schools gelten als die Kaderschmieden für Manager. An der Art der Ausbildung hat sich seit Jahrzehnten wenig geändert, kritisiert Thomas Sattelberger, seit zwei Jahren Personalvorstand der Deutschen Telekom. Nach Ansicht des 59-Jährigen ist es höchste Zeit, dass die Business Schools nun endlich Gewissensforschung betreiben. Sie sollten sich angesichts der Krise fragen, ob sie die Manager richtig ausgebildet haben.

Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger, AFP

"Wir müssen uns mehr in die Seele der Menschen versetzen": Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger plädiert für das Vermitteln moralischer Grundwerte in der Managerausbildung. (© Foto: AFP)

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SZ: Herr Sattelberger, haben Manager blinde Flecken, wenn es um ihre Verantwortung für die Wirtschaftskrise geht?

Thomas Sattelberger: Etliche ja! Und es gibt ein ungelöstes Kernproblem, welches uns in den Augen vieler Menschen unverantwortlich erscheinen lässt: Oft finden wir Manager auf moralische und soziale Fragen der Menschen nur ökonomische Antworten. So ist kein Dialog möglich.

SZ: Was bedeutet dies konkret?

Sattelberger: Wenn ich als Manager beispielsweise Arbeitsplätze in Niedriglohnländer verlagere, kann ich dies nicht nur damit begründen, dass dort bei gleicher Qualität die Kosten niedriger sind. Wir müssen uns mehr in die Seele der Menschen versetzen und dies auch öffentlich zum Ausdruck bringen. So kann ich auch ein Stück tiefschürfender an das Thema herangehen, mich beispielsweise klipp und klar zum Heimatstandort bekennen und diesem besondere Aufmerksamkeit widmen. Dabei hilft keine rein ökonomische Argumentation, sondern man muss zumindest mittelfristig Perspektiven für Sicherheit und Stabilität aufzeigen. Damit reagiere ich auf die Ängste der Menschen, in der Globalisierung heimatlos und entwurzelt zu werden.

SZ: Eine solche Haltung haben viele mittelständische Unternehmer, Konzernmanager dagegen selten?

Sattelberger: Klar können Eigentümerunternehmer einer anderen Logik folgen. Aktiengesellschaften sind dagegen sowohl Opfer und Täter, als auch Spieler und Spielball. Als privater Unternehmer kann ich durchaus ein Jahr mit Verlust operieren. Im gleichen Fall würden Anleger ein börsengelistetes Unternehmen gnadenlos bestrafen.

SZ: Schaut man als Manager auf die Börse wie ein Kaninchen auf die Schlange?

Sattelberger: Sicher gibt es Manager, die so paralysiert sind. Es gibt aber auch mutigere, die einen längeren Horizont im Blick haben und dafür die eine oder andere Kritik oder vorübergehende Kursdelle in Kauf nehmen. Wir sind eben nicht nur ein Spielball des anonymen Kapitalmarkts, wir können auch aktiv gestalten.

SZ: Was halten Sie von der heutigen Ausbildung der Manager an den Kaderschmieden, den sogenannten Business Schools, deren MBA-Abschluss eine Karriere in Unternehmen oder Banken bislang garantierte?

Sattelberger: Ich halte diese Ausbildung, insbesondere in den USA und in England, für ziemlich seelenlos. Der angelsächsische Maßstab für Erfolg ist einseitig auf Umsatz und Rendite ausgerichtet. Ausgeblendet werden Kriterien wie die Reputation eines Unternehmens oder die Zufriedenheit von Mitarbeitern und Kunden. Diese Managerausbildung - übrigens auch teilweise die deutsche Betriebswirtschaftslehre - ist einseitig auf ökonomische Aspekte fokussiert.

SZ: Welche Dimension fehlt?

Sattelberger: Die psychologische und die philosophische Dimension von Leben, Arbeiten und Führung. Heute produzieren die Business Schools auf eine lemminghafte Art und Weise jährlich Hunderttausende Absolventen. Wenn Sie die Lehrpläne anschauen, steht dort immer das Gleiche - von Strategie über Finanzen und Marketing bis hin zum technokratischen Veränderungsmanagement der Kultur von oben nach unten.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie die Business Schools auf die Krise reagieren und was Thomas Sattelberger davon hält.

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