Ist das alles nur Panikmache? Oder sind Öl und Gas gleichermaßen lebenswichtig wie unersetzbar? Tatsächlich wären die industrielle Revolution und der Aufstieg des Kapitalismus ohne fossile Energie unmöglich gewesen. Der Politikwissenschaftler Altvater spricht von der Dreifaltigkeit der europäischen Rationalität, des Energiesystems und des Kapitalismus - sie haben zwei Jahrhunderte lang bestens miteinander harmoniert: Am Anfang stand die kohlebefeuerte Dampfmaschine.
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Sie verlieh der Menschheit zu Beginn des 19.Jahrhunderts eine bis dahin unvorstellbare Machtfülle. Es war der eigentliche Beginn der Globalisierung. Eisenbahnen und Schiffe transportierten riesige Gütermengen. Die mechanisierte Landwirtschaft setzte Millionen Arbeitskräfte für die Industrie frei. Anfang des 20.Jahrhunderts kam zur Kohle das Erdöl als Energieträger hinzu.
Die deutschen Chemiker Haber und Bosch erfanden ein Verfahren zur Herstellung von Stickstoffdünger. Damit konnten zwar einerseits die landwirtschaftlichen Erträge stark gesteigert werden. Andererseits werden zur Produktion des Düngers große Mengen fossiler Ausgangsstoffe wie Kohle oder Erdgas benötigt. So zogen hohe Öl- und Gaspreise in diesem Jahr auch einen Anstieg der Düngemittelpreise nach sich. Das war eine der Ursachen für die Verteuerung von Lebensmitteln.
Billige Kohle, Öl und später Gas revolutionierten im 19. und 20.Jahrhundert das menschliche Leben. Sie ermöglichten eine ungeheuere Steigerung von Produktion, Konsum und Profiten. Es ist daher kein Zufall, dass in den 1920er Jahren der Wachstumsbegriff Eingang in die Wirtschaftswissenschaft fand. Mittlerweile ist er in der politischen Diskussion zur alles entscheidenden Kategorie aufgestiegen: Kapitalismus ohne Wachstum - und zwar ohne möglichst schnelles - erscheint undenkbar. Denn Unternehmer müssen schon allein deshalb Gewinne erzielen, um die Kredite für Investitionen zu bezahlen; Gewinne aber bedeuten wiederum Wachstum. Dieser Logik kann sich niemand entziehen.
Über Jahrtausende fast kein Wachstum
Das war nicht immer so: "In der größten Zeit der Menschheitsgeschichte hat es kein Wachstum gegeben", sagt Altvater. Zwischen Christi Geburt und dem Jahr 1820 blieb das weltweite Pro-Kopf-Einkommen praktisch unverändert. Doch alleine zwischen 1930 und 2000 stieg der Wert der Industrieproduktion um das 14-fache.
Ähnliches gilt auch für das Bevölkerungswachstum: Der Club of Rome rechnete vor, dass es im Jahr 1650 noch 240 Jahre dauerte, bis sich die Erdbevölkerung verdoppelte. Im Jahr 1900 schrumpfte der Zeitraum auf hundert Jahre, jetzt sind es nur noch wenige Jahrzehnte. In einer begrenzten Umwelt ist exponentielles Wachstum auf Dauer freilich unmöglich - das lernen Biologiestudenten bereits im ersten Semester, wenn Sie Bakterienkulturen in der Petrischalen züchten. Und dennoch gilt Wachstum immer noch als Schlüssel für Wohlstand, als Ausweis des wirtschaftlichen Erfolgs, als völlig alternativlos.
Was aber, wenn der wichtigste Treibstoff des Wachstums ausgeht? Wenn Öl und Gas so teuer werden, dass sie in einigen Jahrzehnten nur noch für Spezialanwendungen eingesetzt werden können? Wenn jeder mit dem Auto zurückgelegte Kilometer zum Luxus wird? Wenn Kunststoffe unerschwinglich werden? Wenn die Wirtschaftsleistung deshalb nicht mehr steigt, sondern sinkt?
Viele Optionen
Womöglich schafft es die Menschheit doch noch, sich anzupassen. Aber die Einschnitte in die Lebensweise werden auf alle Fälle radikal sein: Selbst Jörg Schindler, der Optimist, sieht eine unvermeidliche Umstellungskrise heraufziehen, wenn die historisch kurze Episode der fossilen Energien zu Ende geht: "Nach 2015 werden wir für zwei Jahrzehnte in ein Loch fallen", prognostiziert Schindler. "Da werden sich globale Fragen der Verteilung und Gerechtigkeit stellen."
Und danach? "Es gibt viele Optionen, die wir uns noch nicht vorstellen können", sagt Schindler. Er glaubt fest an die erneuerbaren Energien. An Solarstrom, an Telekommunikation statt Verkehr, an Effizienz, an das Fahrrad. "Da sind enorme Potenziale verfügbar." Die Globalisierung der Wirtschaft und des Lebens, davon ist Schindler auch überzeugt, werde sich wieder umkehren: "Der Urlaub in der Dominikanischen Republik ist dann nicht mehr so das gängige Verhaltensmuster."
Elmar Altvater, der bekennende Pessimist, träumt ebenfalls von der solaren Revolution. Schließlich nütze es ja auch nichts, den Kopf in den Sand zu stecken. Die Nutzung der Solarenergie könnte seiner Einschätzung nach Gesellschaft und Wirtschaft grundlegend verändern - und zwar zum Positiven. Denn die Sonne scheint überall, sie liefert ihre Energie dezentral und wohldosiert: Sie könnte damit gewissermaßen zum Leitstern einer neuen Kultur werden.
Einer Kultur, die langsamer und partnerschaftlicher funktioniert als das Erdölzeitalter mit seinem Beschleunigungs- und Wachstumswahn. In der solaren Zukunft werden die Menschen solidarisch und nicht mehr profitorientiert wirtschaften, das hofft Altvater, der Utopist. Weil Solidarität nicht nur ein moralisches Postulat sei, sondern letztlich ein Gebot der Vernunft. Viel mehr wagt Altvater aber nicht zu prophezeien. Denn die Gesellschaft von morgen, sagt er, die sei ein Werk von Millionen Menschen.
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(SZ vom 16.12.2008/hgn)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
Wer erinnert sich noch an das Buch "grenzen des Wachstums" . Eine Systemanalyse der möglichen grundsätzlichen Verhaltensweise des Systems Erde in Bezug auf Wachstum, Resourcen, Bevölkerungsanzahl, Wohlstand, usw.
Nein .. es wurde nie wiederlegt, da es nur grundsätzliche Aussagen zum allgemeinen Verhalten des Systems machte.
Und nun.. Peak-Oil. Absolut und vollständig Überzeugend. Keine Theorie, sonder Hundertfache beobachtete Tatsache an einzelnen Ölfeldern, Regionen und Staaten.
60 von 100 Staaten sind deutlich über den Peak . Nur die Welt als ganzes noch nicht ganz . In einem Liter Öl steckt die menschliche Arbeitsleistung von 30 Arbeitern für eine woche... Woher stammt wohl also unser Wohlstand. Welche Flüssigkeit kann wenn man Sie in eine Teetasse füllt, eine Tonne Gewicht einen Kilometer hochheben ? Naaaaa ??? Nicht geraten, Sechs minus.. Setzen.
Ölsande eine Option ? Bei weitem relevanter als der Hohe Ölpreis für den Abbau ist doch der Energieaufwand den man benötigt um das Zeug nutzbar zu machen. Und da siehts schlecht aus.
Ach ja, ohne Erdgas und Öl Düngemittel und Pestizide könnten wir sowieso nur ca 2 Milliarden Menschen ernähren.
Übrigens.. unsere weise Hand des Kapitalismus die die Resourcen ach so optimal verteilt hat schon 2008 nicht mehr gegriffen. 150 Dollar pro Barrel. Da hätte doch die Ölindstrie frohlockend den Rest aller Tiefseebohrungen in Angriff nehmen können.. Warum nicht ? Ach die Wirtschaftskriese hat den Preis wieder fallen lassen.. Nennt man nach einem New Yorker Yournalisten das Goldilock Syndrom. Angebot und Nachfrage funktionieren da nicht mehr so wies schön wäre..
Doch zurück zu den Grenzen.. Fruchtbare Böden.. seit jahrzehnten massiv rückgängig. Verfügbarkeit von Trinkwasser.. rückgängig, Kohle-in ca 15 Jahren auch über den Peak. usw.
Wie soll auch ein Wirtschaftssystem die die Umwelt als input der Wirtschaft begreift und nicht die Wirtschaft als abhängiges Subsystem des Globalen Systems Lösungen erarbeiten die fruchten.
Es geht also tatsächlich nicht darum Öl mit Technik oder Ökoenergie zu substituieren (ps ich mag technik und reisen usw ), sondern wirklich um die gesamte Lebensweise des Homo Sapiens. Aber wenns nicht das Öl ist wartet dahinter bereits die nächste Klippe über die wir geschoben werden.
Hoffnung machen die die Handeln. Ich empfehle einen Blick auf die Transitiontown Bewegung, die einen stark Posit
...als zweitens man denkt. Die Zukunft ist offen - und wenn es Probleme gibt, können wir uns aussuchen, ob wir eine intelligente oder eine brutale Lösung wollen.
Die Pessimisten sind dazu gut, Gefahren aufzuzeigen - danke, Herr Altvater! - die Optimisten dazu, sich vernünftige Problemlösungen auszudenken und sie durchzusetzen.
Aber Vorsicht: das kann auch schiefgehen! 1962, bei der Kubakrise, hätten wir es beinahe geschafft, uns alle in die Luft zu sprengen, hätte es nicht ein paar coole, Mutige gegeben, die die Katastrophe verhindert haben. Immer werden wir nicht so ein Glück haben; es ist noch lange nicht ausgemacht, dass die Menschen überleben werden.
"desertec" - von der Münchner Rück initiiert - könnte der erste ernstzunehmende Schritt in die richtige Richtung werden, zu dem sich weitere Varianten gesellen. "Die längste Reise fängt mit dem ersten Schritt an" sagen die Chinesen. Und: in Deutschland werden 2050 nur noch 70 Mio Einwohner leben - das könnte Vorbildcharakter bekommen.
Bemerkenswert finde ich ja immer die diversen, entspannten Beschwichtigungskommentare, die schnell unter diesem und ähnlichen Artikeln erscheinen, à la "Mei, regt's Euch net so auf; bis jetzt ist die Welt noch nie untergegangen ..."
Nein, hier, im - durch Export und Industrie reich gewordenen - Norden sieht sie in der Tat nicht sehr untergegangen aus. Klar blühen die Landschaften, und der 42"-Monitor bringt zwar gelegentlich unschöne Bilder, die man aber wegzappen kann, wenn es zu arg wird.
Und so wird es noch eine Zeit lang bleiben. Mit einem Knall ist nicht zu rechnen, auch nicht 2012.
Die Apokalypse wird nicht à la Roland Emmerich en bloc zu uns kommen, sondern scheibchenweise. Wer sie heute schon besichtigen will, geht in die Slums der Millionenstädte Südamerikas, steigt auf die riesigen Müllhalden, die der Westen China zugeschoben hat, sieht auf den Weltmeeren zu, wie Millionen Fische und Meeressäuger an unseren weggeworfenen Plastiktüten und -flaschen elend verrecken, während feingemahlene Kunstoffe das Erbgut der kommenden Generation irreparabel schädigen.
Die Apokalypse nagt am Bestand; hier ein paar tausend Arbeitnehmer, die jetzt nur noch Sozialhilfeempfänger werden, da ein paar Kinder, die schon lange kein gesundes Essen mehr gekriegt haben, nur Fett und Geschmacksverstärker in Plastikverpackung.
Nichts davon eignet sich für spektakuläre Fernsehbilder. Aber es geschieht trotzdem.
Aber bitte: Macht's Euch keine Sorgen, das verdirbt nur die Stimmung beim Weihnachtseinkauf. Und der Ölsand in Alaska wird alles gut machen. Bestimmt.
Ein guter Artikel zu einem zentralen Thema. Das Problem ist aber selbstverständlich nicht irgendein fossiler Rohstoff oder persönliches Verhalten als Energieverbraucher/Umweltnutzer. Wären wir nur ein paar Millionen Individuen, würde uns der Planet manche Sauerei verzeihen, manche Dummheit ausbügeln und auch ein gewisses (qualitatives) Wachstum erlauben.
Nein - der "Elefant im Raum" ist die Überbevölkerung, die weitere Zunahme der Weltbevölkerung, einhergehend mit Wohlstandswünschen der Schwellenländer, die der reiche Westen ihnen kaum verweigern kann.
Was uns heute Sorgen macht und gerne mit gutem Willen angegangen wird, wird sich als Witz ausnehmen im Vergleich zu den Problemen, die ein bevölkerungsreiches, energiegieriges China mit sich bringen wird; wenig später dann auch Indien, das gerne an die Fleischtöpfe des Kapitalismus will - da können wir so viel Fahrrad fahren und Energiesparlampen eindrehen, wie wir wollen (ich tu's aus ökologischem Reflex trotzdem).
Echte Ursachenbekämpfung ist und bleibt in diesem Zusammenhang absolut tabu, denn zwei Privilegien wird der typische Zivilisationsmensch (und das meine ich wörtlich) bis aufs Messer verteidigen:
1.) sein Einkommen im Sinne fröhlichen Wachstums so umweltschädlich auszugeben, wie es ihm gerade passt (dicke Autos; umweltschädlich hergestellte und schwer zu recyclende Konsumgüter, die oft nur innere Leere kaschieren sollen).
2.) das Recht, sich fortzupflanzen, auf dass der Stammhalter denselben Unsinn fortführen kann.
(Man spreche dieses Thema - als mutiges Selbstexperiment - z.B. einmal in einem Café des Prenzlauer Berges an, wo Dutzende vor Glück platzende Glucken einander ihren edel gewandeten Nachwuchs präsentieren. Wer da das Recht aufs Kind kritisiert, sollte mit dem Leben abgeschlossen haben.)
Es hilft nichts: Wir sind schon jetzt zu viele, wir leben maßlos, und wir reproduzieren uns, als gäbe es kein Morgen, keine Grenze. Wer dies zu kritisieren wagt, wird entweder als Nazi in die Eugenik-Ecke gestellt oder bekommt nahe gelegt, sich entweder im Sinne des Umweltschutzes umzubringen oder doch zumindest sterilisieren zu lassen.
Ich tue (respektive verzichte auf) meinen Teil: Kein Auto, kein Schischi, den ich nicht brauche, und ja, auch keinen Nachwuchs. Aber auch das ist nicht genug; als ob ich's nicht wüsste.
Es wird eine andere Zeit kommen, und ich fürchte, sie wird uns die Quittung für die Dummheit des vergangenen Jahrhunderts präsentieren.
Da lässt sich bestimmt noch jemand was zu einfallen. Ein Vorschlag kam doch schon von Mr. Burns, dem Kernkraftwerk-Besitzer aus den "Simpsons". Der hatte einen riesigen Sonnenschirm über Springfield aufbauen lassen, damit die Menschen auch tagsüber ihr Licht anschalten müssen.
Spaß beiseite: Wie die Patentierung des Erbguts von Nutzpflanzen und die Privatisierung von Grundwasser (Nestlé & Co.) zeigt, ist die Natur die längste Zeit kostenlos gewesen.
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