Bald wird es nicht mehr nur um ein paar Cent an den Tankstellen gehen, sondern um eine andere Frage: Kann die Zivilisation ohne fossile Energieträger überleben?
Elmar Altvater kann es selbst noch kaum fassen. Beeindruckend sei alles, gesteht er. Irritierend geradezu. Wenn er jetzt Vorträge über den Kapitalismus und dessen Schattenseiten hält, dann hören ihm die Menschen plötzlich wieder zu.
Ölförderung in Kalifornien: Schon im nächsten Jahrzehnt könnten Angebot und Nachfrage so weit auseinander klaffen, dass die Kosten für Öl explodieren (© Foto: AFP)
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Dabei ist es noch nicht lange her, dass der 70-jährige Politikwissenschaftler aus Berlin eher belächelt wurde - als bekennender Linker, der die Titulierung als "Marxist" noch nie für eine Beleidigung gehalten hat.
"Ich bin Pessimist"
Nun erlebt Altvaters Kapitalismuskritik eine Renaissance, zumal er für sich in Anspruch nehmen kann, dass er die weltweite Finanzkrise einigermaßen präzise vorhergesagt hat.
"Ich bin Pessimist", behauptet Altvater von sich selbst. Entsprechend düster fällt die Zukunftsprognose aus, die er im Jahr 2005 in seinem Buch "Das Ende des Kapitalismus wie wir ihn kennen" aufgestellt hat: Altvater vertritt darin die These, dass das kapitalistische Wirtschaftssystem bald den Exitus erleiden wird, weil ihm seine wichtigsten Ressourcen ausgehen: Öl und Gas. "Unser Zivilisationsmuster ist dann am Ende", sagt Altvater.
Mit dieser Einschätzung steht er nicht alleine da. Im deutschsprachigen Raum haben sich bisher allerdings nur wenige Wissenschaftler mit der Frage beschäftigt, welche Folgen es für Wirtschaft und Gesellschaft haben wird, wenn fossile Energieträger in absehbarer Zeit zur Neige gehen.
Einen von ihnen ist Jörg Schindler, Geschäftsführer des Ludwig-Bölkow-Instituts für Systemtechnik in Ottobrunn, das sich mit umweltfreundlichen Energie- und Verkehrssystemen beschäftigt. Über sich selbst sagt Schindler, er sei Optimist, doch das Ergebnis seiner Studie zur Verfügbarkeit von Öl und Gas ist furchterregend: ,"Es könnte Dinge geschehen, die wir nie zuvor erlebt haben und die wir wahrscheinlich nie wieder erleben werden, wenn die Übergangsphase abgeschlossen ist", schreibt Schindler darin.
Sein zentraler Befund lautet: Die weltweite Ölförderung hat im Jahr 2006 ihren Höhepunkt erreicht und wird bereits im nächsten Jahr zurückgehen - und zwar unwiderruflich. Beim Erdgas sieht die Situation nur unwesentlich besser aus. Selbst neue Funde könnten den Rückgang der Öl-Produktion allenfalls bremsen, aber keinesfalls aufhalten.
Denn von den 48 wichtigsten Förderländern haben 33 ihr Fördermaximum bereits hinter sich. Nur ein Beispiel: Das Ölfeld Cantarell vor der mexikanischen Küste zählt zu den größten der Welt, seine Förderleistung bricht jedoch so stark ein, dass Mexiko voraussichtlich in fünf Jahren kein Öl mehr exportieren kann.
Dramatische Lageeinschätzung
Zugleich wächst jedoch der weltweite Energieverbrauch; mehr als die Hälfte davon wird durch Erdgas und Erdöl gedeckt. Fachleute sind sich einig: Die in Folge der Rezession zuletzt stark gesunkenen Energiepreise werden bald wieder steigen. Schon im nächsten Jahrzehnt könnten Angebot und Nachfrage so weit auseinander klaffen, dass die Kosten für Öl und Gas geradezu explodieren werden.
Selbst die eher vorsichtige Internationale Energieagentur IEA kommt in ihrem aktuellen Energiebericht zu einer dramatischen Einschätzung der Lage: Um die Rückgänge der Förderleistung und die steigende Nachfrage auszugleichen, werden demnach bis 2015 zusätzliche Kapazitäten von 30 Millionen Barrel pro Tag benötigt - etwa dreimal so viel wie Saudi Arabien derzeit täglich liefert. Doch alle noch unerschlossenen Ölfelder sind entweder vergleichsweise winzig oder schwierig auszubeuten. Es reicht einfach nicht.
In ein oder zwei Jahrzehnten wird es deshalb nicht mehr um ein paar Cent an den Tankstellen gehen, sondern um eine grundsätzliche Frage: Kann die industrielle Zivilisation ohne fossile Energieträger überleben? Die Chancen dafür stehen aus heutiger Sicht eher schlecht. Der amerikanische Umweltjournalist Richard Heinberg, der sich seit Jahren mit Energiefragen beschäftigt, fasst es so zusammen: "Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem der globale gesellschaftliche Zusammenbruch in den nächsten Jahrzehnten wahrscheinlich und vielleicht sogar unvermeidbar ist."
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Atomkraftwerke
Wer erinnert sich noch an das Buch "grenzen des Wachstums" . Eine Systemanalyse der möglichen grundsätzlichen Verhaltensweise des Systems Erde in Bezug auf Wachstum, Resourcen, Bevölkerungsanzahl, Wohlstand, usw.
Nein .. es wurde nie wiederlegt, da es nur grundsätzliche Aussagen zum allgemeinen Verhalten des Systems machte.
Und nun.. Peak-Oil. Absolut und vollständig Überzeugend. Keine Theorie, sonder Hundertfache beobachtete Tatsache an einzelnen Ölfeldern, Regionen und Staaten.
60 von 100 Staaten sind deutlich über den Peak . Nur die Welt als ganzes noch nicht ganz . In einem Liter Öl steckt die menschliche Arbeitsleistung von 30 Arbeitern für eine woche... Woher stammt wohl also unser Wohlstand. Welche Flüssigkeit kann wenn man Sie in eine Teetasse füllt, eine Tonne Gewicht einen Kilometer hochheben ? Naaaaa ??? Nicht geraten, Sechs minus.. Setzen.
Ölsande eine Option ? Bei weitem relevanter als der Hohe Ölpreis für den Abbau ist doch der Energieaufwand den man benötigt um das Zeug nutzbar zu machen. Und da siehts schlecht aus.
Ach ja, ohne Erdgas und Öl Düngemittel und Pestizide könnten wir sowieso nur ca 2 Milliarden Menschen ernähren.
Übrigens.. unsere weise Hand des Kapitalismus die die Resourcen ach so optimal verteilt hat schon 2008 nicht mehr gegriffen. 150 Dollar pro Barrel. Da hätte doch die Ölindstrie frohlockend den Rest aller Tiefseebohrungen in Angriff nehmen können.. Warum nicht ? Ach die Wirtschaftskriese hat den Preis wieder fallen lassen.. Nennt man nach einem New Yorker Yournalisten das Goldilock Syndrom. Angebot und Nachfrage funktionieren da nicht mehr so wies schön wäre..
Doch zurück zu den Grenzen.. Fruchtbare Böden.. seit jahrzehnten massiv rückgängig. Verfügbarkeit von Trinkwasser.. rückgängig, Kohle-in ca 15 Jahren auch über den Peak. usw.
Wie soll auch ein Wirtschaftssystem die die Umwelt als input der Wirtschaft begreift und nicht die Wirtschaft als abhängiges Subsystem des Globalen Systems Lösungen erarbeiten die fruchten.
Es geht also tatsächlich nicht darum Öl mit Technik oder Ökoenergie zu substituieren (ps ich mag technik und reisen usw ), sondern wirklich um die gesamte Lebensweise des Homo Sapiens. Aber wenns nicht das Öl ist wartet dahinter bereits die nächste Klippe über die wir geschoben werden.
Hoffnung machen die die Handeln. Ich empfehle einen Blick auf die Transitiontown Bewegung, die einen stark Posit
...als zweitens man denkt. Die Zukunft ist offen - und wenn es Probleme gibt, können wir uns aussuchen, ob wir eine intelligente oder eine brutale Lösung wollen.
Die Pessimisten sind dazu gut, Gefahren aufzuzeigen - danke, Herr Altvater! - die Optimisten dazu, sich vernünftige Problemlösungen auszudenken und sie durchzusetzen.
Aber Vorsicht: das kann auch schiefgehen! 1962, bei der Kubakrise, hätten wir es beinahe geschafft, uns alle in die Luft zu sprengen, hätte es nicht ein paar coole, Mutige gegeben, die die Katastrophe verhindert haben. Immer werden wir nicht so ein Glück haben; es ist noch lange nicht ausgemacht, dass die Menschen überleben werden.
"desertec" - von der Münchner Rück initiiert - könnte der erste ernstzunehmende Schritt in die richtige Richtung werden, zu dem sich weitere Varianten gesellen. "Die längste Reise fängt mit dem ersten Schritt an" sagen die Chinesen. Und: in Deutschland werden 2050 nur noch 70 Mio Einwohner leben - das könnte Vorbildcharakter bekommen.
Bemerkenswert finde ich ja immer die diversen, entspannten Beschwichtigungskommentare, die schnell unter diesem und ähnlichen Artikeln erscheinen, à la "Mei, regt's Euch net so auf; bis jetzt ist die Welt noch nie untergegangen ..."
Nein, hier, im - durch Export und Industrie reich gewordenen - Norden sieht sie in der Tat nicht sehr untergegangen aus. Klar blühen die Landschaften, und der 42"-Monitor bringt zwar gelegentlich unschöne Bilder, die man aber wegzappen kann, wenn es zu arg wird.
Und so wird es noch eine Zeit lang bleiben. Mit einem Knall ist nicht zu rechnen, auch nicht 2012.
Die Apokalypse wird nicht à la Roland Emmerich en bloc zu uns kommen, sondern scheibchenweise. Wer sie heute schon besichtigen will, geht in die Slums der Millionenstädte Südamerikas, steigt auf die riesigen Müllhalden, die der Westen China zugeschoben hat, sieht auf den Weltmeeren zu, wie Millionen Fische und Meeressäuger an unseren weggeworfenen Plastiktüten und -flaschen elend verrecken, während feingemahlene Kunstoffe das Erbgut der kommenden Generation irreparabel schädigen.
Die Apokalypse nagt am Bestand; hier ein paar tausend Arbeitnehmer, die jetzt nur noch Sozialhilfeempfänger werden, da ein paar Kinder, die schon lange kein gesundes Essen mehr gekriegt haben, nur Fett und Geschmacksverstärker in Plastikverpackung.
Nichts davon eignet sich für spektakuläre Fernsehbilder. Aber es geschieht trotzdem.
Aber bitte: Macht's Euch keine Sorgen, das verdirbt nur die Stimmung beim Weihnachtseinkauf. Und der Ölsand in Alaska wird alles gut machen. Bestimmt.
Ein guter Artikel zu einem zentralen Thema. Das Problem ist aber selbstverständlich nicht irgendein fossiler Rohstoff oder persönliches Verhalten als Energieverbraucher/Umweltnutzer. Wären wir nur ein paar Millionen Individuen, würde uns der Planet manche Sauerei verzeihen, manche Dummheit ausbügeln und auch ein gewisses (qualitatives) Wachstum erlauben.
Nein - der "Elefant im Raum" ist die Überbevölkerung, die weitere Zunahme der Weltbevölkerung, einhergehend mit Wohlstandswünschen der Schwellenländer, die der reiche Westen ihnen kaum verweigern kann.
Was uns heute Sorgen macht und gerne mit gutem Willen angegangen wird, wird sich als Witz ausnehmen im Vergleich zu den Problemen, die ein bevölkerungsreiches, energiegieriges China mit sich bringen wird; wenig später dann auch Indien, das gerne an die Fleischtöpfe des Kapitalismus will - da können wir so viel Fahrrad fahren und Energiesparlampen eindrehen, wie wir wollen (ich tu's aus ökologischem Reflex trotzdem).
Echte Ursachenbekämpfung ist und bleibt in diesem Zusammenhang absolut tabu, denn zwei Privilegien wird der typische Zivilisationsmensch (und das meine ich wörtlich) bis aufs Messer verteidigen:
1.) sein Einkommen im Sinne fröhlichen Wachstums so umweltschädlich auszugeben, wie es ihm gerade passt (dicke Autos; umweltschädlich hergestellte und schwer zu recyclende Konsumgüter, die oft nur innere Leere kaschieren sollen).
2.) das Recht, sich fortzupflanzen, auf dass der Stammhalter denselben Unsinn fortführen kann.
(Man spreche dieses Thema - als mutiges Selbstexperiment - z.B. einmal in einem Café des Prenzlauer Berges an, wo Dutzende vor Glück platzende Glucken einander ihren edel gewandeten Nachwuchs präsentieren. Wer da das Recht aufs Kind kritisiert, sollte mit dem Leben abgeschlossen haben.)
Es hilft nichts: Wir sind schon jetzt zu viele, wir leben maßlos, und wir reproduzieren uns, als gäbe es kein Morgen, keine Grenze. Wer dies zu kritisieren wagt, wird entweder als Nazi in die Eugenik-Ecke gestellt oder bekommt nahe gelegt, sich entweder im Sinne des Umweltschutzes umzubringen oder doch zumindest sterilisieren zu lassen.
Ich tue (respektive verzichte auf) meinen Teil: Kein Auto, kein Schischi, den ich nicht brauche, und ja, auch keinen Nachwuchs. Aber auch das ist nicht genug; als ob ich's nicht wüsste.
Es wird eine andere Zeit kommen, und ich fürchte, sie wird uns die Quittung für die Dummheit des vergangenen Jahrhunderts präsentieren.
Da lässt sich bestimmt noch jemand was zu einfallen. Ein Vorschlag kam doch schon von Mr. Burns, dem Kernkraftwerk-Besitzer aus den "Simpsons". Der hatte einen riesigen Sonnenschirm über Springfield aufbauen lassen, damit die Menschen auch tagsüber ihr Licht anschalten müssen.
Spaß beiseite: Wie die Patentierung des Erbguts von Nutzpflanzen und die Privatisierung von Grundwasser (Nestlé & Co.) zeigt, ist die Natur die längste Zeit kostenlos gewesen.
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