Steuerparadies in der Karibik Goldman-Sachs-Banker nutzte Briefkastenfirmen

Archivbild von Goldman-Sachs-Banker Alexander Dibelius

Einem der erfolgreichsten deutschen Banker droht Ärger mit den Steuerbehörden: Alexander Dibelius, Deutschland-Chef von Goldman Sachs, hat sich eine Luxusimmobilie über Briefkastenfirmen in der Karibik gekauft. Jetzt könnte er nicht nur Probleme mit dem Finanzamt bekommen, sondern auch mit seinem Arbeitgeber.

Von Andrea Rexer, Frankfurt

Er gilt als einer der besten "Dealmaker" der deutschen Finanzbranche. Doch jetzt könnte ihm ein privater Deal kräftig auf die Füße fallen: Die Bild am Sonntag berichtet, dass Alexander Dibelius, Deutschland-Chef von Goldman Sachs, über Briefkastenfirmen eine Luxusimmobilie in London gekauft habe, ohne davon die deutschen Behörden zu unterrichten. Das könnte ihm Ärger mit dem Finanzamt einbringen. Gegenüber der Bild-Zeitung bestätigte Dibelius die Existenz der beiden Briefkastenfirmen im karibischen Steuerparadies und beteuerte: "Ich habe nicht versucht, etwas zu verschleiern."

Dem Bericht zufolge soll Dibelius auf Anraten eines Finanzberaters den Immobilienkauf über die beiden Gesellschaften auf den British Virgin Islands abgewickelt haben. Auf dem Papier wurde der Kauf der 4,2 Millionen Euro teuren Luxusimmobilie im Londoner Nobelviertel Belgravia in der Karibik getätigt. Durch die Konstruktion über die Briefkästenfirmen dürfte Dibelius einen größeren Betrag an Steuern in Großbritannien gespart haben.

Der deutsche Fiskus ist davon nicht betroffen. Hierzulande müsste Dibelius erst dann Steuern zahlen, wenn er die Immobilie verkauft. Das wäre immerhin sehr lukrativ: Denn durch Umbauarbeiten sei der Wert der Immobilie inzwischen auf mehr als 17 Millionen Euro gestiegen, so die Bild-Zeitung. Das ist eine Wertsteigerung um das Vierfache.

Aber eine andere Regelung könnte ihm Ärger machen: Denn die Existenz von Unternehmen, an denen ein deutscher Steuerpflichtiger mit mehr als 25 Prozent beteiligt ist, muss den Behörden gemeldet werden. Sollte Dibelius das nicht getan haben, droht ihm aufgrund dieser Ordnungswidrigkeit eine Geldbuße. Laut einem Gutachten, aus dem Bild zitiert, könnte sogar eine leichtfertige Steuerhinterziehung vorliegen, wenn die beiden Gesellschaften Zinserträge erwirtschaftet hätten.

Nach Dibelius' Darstellung haben die beiden Firmen, die auf die exotischen Namen Soprano und Jadana getauft wurden, jedoch "kein zu versteuerndes Einkommen" erwirtschaftet. Der Zeitung gegenüber betonte der Banker, dass er seinen steuerlichen Verpflichtungen in Deutschland "vollumfänglich" nachkomme. Er "führe private Transaktionen selbstverständlich aus versteuertem Einkommen oder Krediten durch".

Unabhängig von der Frage, ob der Deal legal war oder nicht, wirft er ein schlechtes Bild auf den Banker. Er selbst hatte sich in Interviews immer wieder für einen Kulturwandel in den Banken ausgesprochen. Man dürfe nicht alles tun, was erlaubt sei, hatte der Investmentbanker mehrfach betont.

Ärger könnte Dibelius jedoch nicht nur mit dem Finanzamt drohen, sondern auch mit dem eigenen Arbeitgeber. Denn obwohl es sich um ein privates Geschäft handelte, soll Dibelius im Gesellschaftervertrag der Briefkastenfirmen seine Frankfurter Büroadresse bei Goldman Sachs angegeben haben. Auch der Postverkehr lief offenbar über seine Geschäftsadresse. Goldman Sachs hat seine Büros im Frankfurter Messeturm. Noch heikler dürfte der Vorwurf sein, dass eine Mitarbeiterin von Goldman Sachs mit der Abwicklung des Deals betraut worden sein soll.

Dibelius sagte dazu: "Ich nutze die Frankfurter Büroadresse als Postadresse, weil ich dort am besten erreichbar bin. Gleiches gilt für die E-Mail-Adresse." Ob das ausreicht, um seinen Arbeitgeber zu besänftigen, ist ungewiss. Denn die Ethik-Richtlinien von Goldman Sachs werden streng ausgelegt. Und sie verbieten ausdrücklich, "das Eigentum der Firma, Informationen oder die Stellung zum persönlichen Vorteil (. . .) zu nutzen". Goldman Sachs wollte zu dem Sachverhalt keine Stellung nehmen.