Nicht an den Mann zu bringen: Das Online-Portal Elite Partner wirbt seit eineinhalb Jahren mit derselben Single-Frau. Im Netz gibt es deshalb viel Spott.
Klar, jeder hat seine Macken. Die Kunden der Partnervermittlung Elite Partner, könnte man behaupten, haben alle dieselbe: Sie halten sich für was Besseres. "Weil ich einen Mann mit Stil suche", trällert da die blonde "Architektin Julia T." neuerdings zur besten Sendezeit im Werbefernsehen - und ein wenig entsteht dabei der Eindruck, sie könnte die Stilsicherheit eines Mannes verlässlich anhand seiner Gehaltsklasse beurteilen.
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Elite-Partner-Werbung: Holde Juristin ohne Glück. (© Elite Partner)
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Sekunden später flimmert "Hotelmanager David P." über den Bildschirm, er sucht "eine Frau mit Klasse". Es folgen: Tierärztinnen, Kinderärzte, Anwälte. Deutschlands Akademiker sind gerade ziemlich angestrengt auf der Suche.
Kaum eine ist so hartnäckig wie die namenlose Schönheit, die stets nur in den Internet-Bannern der Partnervermittlung auftaucht. "Juristin, temperamentvoll" heißt es unter dem Bild - aber trotz all ihrer vermeintlichen Vorzüge scheint sich für die Holde einfach kein Kerl zu finden: Denn "Juristin, temperamentvoll", geistert nun schon seit mehr als eineinhalb Jahren durchs Netz - und hat immer noch keinen Mann. Obwohl sie doch eine Elite Partnerin ist!
Das Schicksal der Unvermittelbaren bewegt mittlerweile die Internet-Öffentlichkeit. In Foren und Blogs wird über Gründe spekuliert: Vielleicht liegt die erfolglose Suche ja an einem Mangel an Bewerbern? Schließlich darf ja nicht jeder um ihre Gunst werben: "Wir vermitteln bei weitem nicht jeden", heißt es in dem Unternehmen.
Wer nur auf ein kurzes Techtelmechtel aus sei, komme als Elite Partner nicht in Frage: Man wolle ausschließlich langfristige Beziehungen stiften. Auch nach intellektuellen Kriterien werde streng gesiebt: "Wenn etwa in einer Bewerbung zu viele Rechtschreibfehler sind, lehnen wir sie ab", sagt eine Sprecherin.
Einladung zur Parodie
Doch zumindest im Netz wird den elitären Ansprüchen von Elite Partner der Respekt konsequent verweigert. "Elite Partner - Abzocke mit Niveau" heißt es in einer von unzähligen Parodien, die auf den Videoportalen im Internet kursieren. In Szene gesetzt wird auch die stilbewusste blonde Architektin: Mit Mickey-Mouse-Stimme und wenig schmeichelhaften Kommentaren.
Das Schicksal im Web teilt sich Elite Partner freilich mit der Konkurrenz. Der Anbieter e-Darling bekommt von der parodiefreudigen Netzgemeinde ebenfalls einiges ab (Er: "Ich bin 27, noch Jungfrau, und das wollte ich ändern... " - Sie: "Der Sex war furchtbar, das mache ich nie wieder."), auch Marktführer Parship kommt nicht ohne Häme davon.
Lieblingsobjekt der Spötter ist aber die ewig einsame Elite-Juristin: Nach anderthalb Jahren immer noch übrig zu sein, spreche ja nicht sehr für die Vermittlungsqualitäten der Agentur, ätzt ein Blogger. Andere mutmaßen, die Juristin sei via Computerprogramm aus Bildern verschiedener Stars zusammengesetzt worden.
"Die Juristin ist ein ganz normales, bezahltes Model, das symbolisch für unsere Klientel steht",widerspricht die Unternehmenssprecherin - und eröffnet damit den scharfzüngigen Bloggern gleich ein neues Feld: "Man sollte ,Serviervorschlag' auf die Juristin schreiben", schreibt ein Kommentator, "wie bei den Suppenpackungen von Knorr".
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(SZ vom 19.01.2011/aum)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
"Für "Elite" schließen sich definitionsgemäß Anhänger linker Parteien aus, sprich SPD, Grünen sowie Links-Partei-Wählerklientel wird damit nix zu tun haben wollen. "
Nach welcher Definition? Gerade bei Linken und Gruenen habe ich schon ein elitaeres und Moechtegernavantgardistisches Gehabe erleben duerfen, dass die Ehrlichkeit snobistischer FDP Klientel geradezu wohltuend ist.
Gleichheit fuer alle zu fordern ist eines, danach zu handeln was anderes, Orwell duerfte bei seinen Schweinen auch eher nicht kapitalistische Bonzen im Blick gehabt haben.
Natürlich ist mir klar, dass es genug aufgeblasene, versnobte Leute gibt, dass es allerdings so zahlreiche sind, dass sich so eine Agentur damit trägt, das verwundert schon ein wenig.
O.k., nachfolgendes ist vielleicht ein wenig arg vereinfacht gedacht, aber ich versuche mir halt vorzustellen, wo diese Klientel letztlich weltanschaulich, politisch einzuordnen wäre:
Für "Elite" schließen sich definitionsgemäß Anhänger linker Parteien aus, sprich SPD, Grünen sowie Links-Partei-Wählerklientel wird damit nix zu tun haben wollen.
(was im Übrigen schon einen gewaltigen Anteil der Akademiker-Klasse ausmacht)
Zur Kleinbürger-Attitüde der C-Parteien-Wählerklientel könnte es allerdings passen, es mit Hochschulabschluß "geschafft" zu haben;
am ehesten allerdings vermute ich den klassischen FDP-Freund als Elite Sponsor-rücksichtslos, oberflächlich, liberal im egoistischen Sinne und ausschliesslich materiellen Werten zugewandt...-schmierige Emporkömmlinge und Weibchen, die diese Männlein bewundern.,
Ich fake nicht. Ich lebe meinen lifestyle und meine aktuelle Freundin ist hübsch und 21. Aber vielleicht reden wir auch aneinander vorbei, soll passieren =) Schönen Abend
"Mir geht es überhaupt nicht um Häme sondern darum, dass speziell diese Agentur mit ihrem Elite und Akademiker-Schmarrn längst überwunden geglaubtes Klassen- und Standesdenken an den Tag legt."
Sie haben geglaubt, das wäre überwunden? Meiner Meinung nach ist und war Klassen- und Standesdenken jederzeit präsent und ist wohl eher wieder ganz stark im Kommen zur Zeit.
"Es gibt keine "Elite", und es muß sich auch niemand einreden elitär oder besser zu sein als jemand anders-alle Menschen sind gleich, unabhängig von deren Herkunft, formaler Bildung und Einkommen!"
Das sehen wir "normale Menschen" so. Die "Elite" oder die, die sich dafür halten oder der festen Überzeugung sind, bald dazu zu gehören, sehen das völlig anders.
Und an die richtet sich eben das Angebot von Elitepartner.
"Es mag zynisch sein, aber wenn es eine "Elite" gibt, dann gibt es wohl auch "Untermenschen", nicht?"
Klar. Die heißen nur anders. Unsere Gesellschaft kennt sowohl "Elite", als auch die anderen: Steuerzahler, Konsumenten, Human Capital usw., Plebs halt.
...so eine online-Partnerschaftsbörse wäre doch ein prima Medium, um rauszufinden, wer von uns beiden recht hat. Wir faken einfach noch ein bißchen weiter:
wir versehen die Juristin und einen Dressman Typ Richard Gere als Pendant alternativ jweils einmal mit der Bildunterschrift "Mach. Mir. Ein. Kind. Und bitte nicht erst in zehn Jahren." und einmal mit "Ich. Will. S.x". Was schätzen Sie denn, wer mehr Traffic hat?
:-)))))))))))))))))))))
Paging