Solarprojekt Desertec Hoffen auf die Wüste

Begeisterung über den Solar-Vorstoß deutscher Konzerne: Bundesregierung und Greenpeace unterstützen das Projekt - sogar auf dem G-8-Gipfel soll es Thema werden.

Von M. Balser und Th. Fromm

Die Bundesregierung unterstützt die Initiative führender deutscher Konzerne zum Bau großer Solarkraftwerke in afrikanischen Wüsten. Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) erklärte in Berlin, "die Errichtung solcher Kraftwerke in Verbindung mit einem Stromverbund im Mittelmeerraum liegt im europäischen Interesse". In Afrika und den Ländern des Mittleren Ostens gebe es ein enormes Potential an erneuerbaren Energien. "Das kann mittels solarthermischer Kraftwerke erschlossen werden."

Das Vorhaben sei "sehr ambitioniert" und bedürfe erheblicher finanzieller Anstrengungen, erklärte der Minister weiter. Die entscheidenden Weichen zur Gründung eines Stromverbundes müssten auf europäischer Ebene beziehungsweise im Rahmen der Union für das Mittelmeer gestellt werden. Dies gelte für die technischen und die rechtlichen Rahmenbedingungen mit Blick auf die Durchleitung des Stroms. "Deshalb treiben wir die Entwicklung und Umsetzung des Solarplans im Rahmen der Union für das Mittelmeer voran", erklärte Gabriel.

Thema für G-8-Gipfel

Die Umweltorganisation Greenpeace forderte am Dienstag in Hamburg, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) müsse die Solarinitiative deutscher Konzerne auf dem nächsten G-8-Gipfel in Italien auf internationaler Ebene vorantreiben. "Die Politik in Brüssel und Berlin ist gefordert", sagte Andree Böhling. "Die Initiative ist eine der klügsten Antworten auf die globalen Umwelt- und Wirtschaftsprobleme unserer Zeit", so Böhling. Ein wichtiger Teil der deutschen Wirtschaft scheine bereit für eine umfassende Nutzung erneuerbarer Energien. Nun müsse die Politik über eine Anschubfinanzierung nachdenken und Grundlagen wie eine Einspeisevergütung für Wüstenstrom schaffen.

Die Pläne der Wirtschaft könnten bedeutende Auswirkungen im Kampf gegen den Klimawandel haben, erklärte Greenpeace. Laut einer Studie der Umwelt-Organisation könnte der Bau großer Solarkraftwerke bis 2050 den Ausstoß 4,7 Milliarden Tonnen klimaschädlichen Kohlendioxids verhindern. Das entspricht dem sechsfachen Ausstoß Deutschlands in einem Jahr.

Für die Politik wird bei Gründung der Initiative im Juli nach Informationen der Süddeutschen Zeitung unter anderem Günter Gloser, Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt, mit am Tisch in München sitzen. Er setzt bei der Umsetzung des Projekts allerdings vor allem auf Privatinitiative: "Ein solches Projekt kann durch den Staat allein nicht gesteuert werden", sagte er der SZ. "Daher ist in erster Linie das Engagement privater Investoren gefordert." Gloser rechnet damit, dass sich auch eine Reihe arabischer Staaten dem Projekt anschließen wird. "Auch Nordafrika profitiert in hohem Maße von den Infrastrukturprojekten in der Wüste", sagt er. "Daher ist es wichtig, dass wir hier Norden und Süden zusammenbringen."

Hohe Kosten

Bei der Deutschen Bank und auch bei Siemens bestätigte man die Teilnahme an dem Treffen im Juli. "Es hat bereits im Vorfeld eine Reihe von Gesprächen gegeben", sagte ein Sprecher der Deutschen Bank. "Wir halten das Projekt für sehr interessant." Allerdings sei Desertec "sehr komplex, was seine technische Umsetzung und seine Finanzierung" betreffe. Daher werde es "erst einmal darum gehen, hier die richtigen Strukturen zu schaffen", so der Sprecher. In Finanzkreisen hieß es, die von der Münchener Rück angepeilte Investitionssumme von 400 Milliarden Euro sei nur mit Hilfe eines größeren Bankenpools zu stemmen. Auf die Frankfurter könne nun die Aufgabe zukommen, mit Geldgebern wie Banken und Fonds die weiteren Finanzierungsschritte zu organisieren.

Das Projekt sei vielversprechend, müsse aber viele politische und kulturelle Grenzen überwinden, sagte Martin Heming, Chef des Solarunternehmens Schott Solar, der Süddeutschen Zeitung. Der Konzern gilt als einer der möglichen Lieferanten der Solartechnik und als eines der führenden Solarunternehmen weltweit. Nach Angaben Hemings wird auch Schott Solar zu den Gründern der Initiative gehören.

Auch beim Technologiekonzern Siemens zeigte man sich am Dienstag offen für das Projekt. Die Gespräche fänden Mitte Juli statt, allerdings seien die Eckpfeiler des geplanten Projekts noch nicht entschieden und müssten nun diskutiert werden. "Siemens allein kann die entsprechenden Kraftwerke nicht ohne Komponentenzulieferungen bauen", räumte ein Sprecher ein. Daher gebe es noch Klärungsbedarf. Bislang liefern die Münchner lediglich Dampfturbinen für solarthermische Anlagen. Eine wichtige Rolle jedoch könne der Konzern beim Bau von Stromübertragungsnetzen spielen, hieß es.