Siemens: Pierer soll zahlen Ein Symbol, mehr nicht

Am Ende des Korruptionsskandals bei Siemens will der Konzern Millionen fordern - die Betroffenen wie den langjährigen Konzernchef Heinrich von Pierer macht das nicht arm.

Ein Kommentar von Klaus Ott

Heinrich von Pierer wird bestimmt nicht verarmen, falls er die sechs Millionen Euro zahlt, die Siemens als Schadenersatz für den Korruptionsskandal von ihm fordert. Der frühere Konzernchef, der mehr als ein Jahrzehnt an der Spitze von Siemens stand und gut verdiente, käme billig weg. Einige seiner Ex-Kollegen sollen sogar noch günstiger davonkommen. Sie müssten nach den Plänen des Konzerns gerade mal das aufbringen, was sie früher in einem Jahr im Vorstand kassiert haben. Der Schadenersatz, den Siemens von Pierer und Co. verlangt, hat also eher symbolischen Charakter.

Offenbar schrecken die Kapitalvertreter im Aufsichtsrat, die vom Stahlmanager Gerhard Cromme und von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann angeführt werden, vor harten Maßnahmen zurück. Justiz und Aktionäre legen bei Vorständen heutzutage strengere Maßstäbe an als noch vor fünf, zehn oder zwanzig Jahren. Auch bei anderen Unternehmen könnten Topmanager in Bedrängnis kommen. Nähmen Cromme und Ackermann den früheren Siemens-Vorständen einen großen Teil ihres Vermögens weg, dann wäre das der Maßstab für spätere Fälle ähnlicher Art in Industrie und Wirtschaft. Angesichts der Tarife, die jetzt geplant sind, muss auch künftig kein Topmanager um seine Villa oder seine Yacht fürchten.

Vielleicht ist Siemens aber auch überfordert mit der Bewältigung des weltweiten Systems von schwarzen Kassen und Schmiergeldzahlungen. Die neue Konzernspitze muss sich gerade in diesen Zeiten mit allen Kräften um das Geschäft kümmern. Die Arbeitsplätze zu sichern hat absoluten Vorrang. Jahrelange Prozesse gegen Pierer, der jede Schuld von sich weist, oder gegen andere Exvorstände könnten da womöglich stören. Insbesondere jetzt, da das Unternehmen die Verfahren mit den Behörden in Deutschland und den USA hinter sich gebracht und Vertrauen zurückgewonnen hat.

Dass Siemens die frühere Führung generell geschont hätte, davon kann ohnehin keine Rede sein. Der Aufsichtsrat hat intern ermitteln lassen und die weitreichenden Erkenntnisse über Pierer und Co. an die Ermittlungsbehörden weitergereicht. Nun ist es die Aufgabe des Staates, den Korruptionsfall so weit wie möglich aufzuklären, die nötigen Konsequenzen zu ziehen und so das zu vollenden, was unerschrockene Staatsanwältinnen begonnen haben. Es wäre nur gerecht, wenn die tatsächlich Verantwortlichen vor Gericht zur Rechenschaft gezogen würden.