Share Economy Die Idee des Teilens - ein großes Geschäft

Carsharing: Nie hatte die Ökonomie des Teilens größeren Einfluss als heute.

(Foto: AFP)

Die Ökonomie des Teilens ist nicht tot. Sie hat sich nur anders entwickelt als gedacht. Statt weniger Konsum und mehr Nachhaltigkeit, steht doch wieder genau das im Vordergrund: das Geldverdienen.

Von Pia Ratzesberger

Als vor kurzem die App "Why own it" eingestellt wurde, war das für manche wieder einmal der Beweis: Die Wirtschaft des Teilens funktioniert nicht. Mit Hilfe der App sollten die Deutschen sich gegenseitig all das leihen, was sie sonst kaufen würden: Bohrmaschine, Skiausrüstung, bereits gelesene Bücher - mehr leihen, weniger konsumieren. Das war zumindest der Plan. Allerdings wollten sich die Nutzer zwar gerne vieles von anderen leihen, umso weniger gerne wollten sie jedoch Dinge aus ihrem Besitz hergeben. Wegen des Scheiterns einer einzelnen App der gesamten Share Economy ihren Untergang zu prophezeien ist jedoch reichlich übertrieben. Denn nie hat die Ökonomie des Teilens größeren Einfluss gehabt als heute. Nur ist dabei von ihrer ursprünglichen Idee nicht mehr viel übrig.

Eigentlich versprach die Share Economy, als der Hype um sie vor etwa drei Jahren auch hierzulande begann, mehr Nachhaltigkeit und bewussten Konsum. Viele bescheinigten der Bewegung sogar das Potenzial, die gesamte Wirtschaftswelt zum Besseren zu verändern. Wenn mehr Menschen sich über Carsharing-Portale Autos teilten, gebe es weniger Abgase. Wenn mehr Menschen ihre Reste aus dem Kühlschrank verschenkten, würden weniger Lebensmittel verschwendet. Soweit die Theorie. Soweit die Utopie.

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Statt um weniger Konsum geht es doch nur ums Geld

Die Realität sieht anders aus: Aus der Idee des Teilens heraus ist ein großer Wirtschaftszweig entstanden, mit Portalen wie dem Carsharing-Anbieter Drive Now, der Übernachtungsplattform Airbnb oder dem Fahrdienst Uber. Zimmer werden nicht mehr vermietet, weil sie während des eigenen Urlaubs leerstehen. Sondern weil man damit gerade in den Großstädten das Zigfache seiner Miete verdienen kann. Ein Auto wird nicht nur zum Privattaxi, weil der Autobesitzer gerade ohnehin diesen Weg fährt und spontan jemanden mitnimmt. Sondern weil man damit ohne Taxilizenz einfach Geld machen kann. Wer nur aus hehren Zielen teilt, verliert. Portale, die keinen klaren finanziellen Vorteil bringen, halten sich nicht.

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Nun kann man fragen, was verwerflich daran sein soll, dass die neue Branche auf Gewinn aus ist. Dies liegt schließlich in der Natur des Wirtschaftens und sowohl Anbieter als auch Nutzer scheinen auf den ersten Blick zu profitieren: Erstere, weil sich ihnen neue, simple Verdienstmöglichkeiten eröffnen. Letztere, weil sie günstiger wohnen, fahren, einkaufen. Doch dabei wird schnell vergessen, dass diese Vorteile nicht umsonst sind. Sie gehen zu Lasten des Einzelnen, der bei vielen der Portale für Schadensfälle oder ausbleibende Leistungen nicht versichert ist - egal auf welcher Seite er steht. Sie gehen zu Lasten der Konkurrenz, weil die mit den niedrigen Marktpreisen plötzlich nicht mehr mithalten kann - eben weil sie beispielsweise Versicherungskosten decken muss, die bei anderen erst gar nicht anfallen. Weil sie Mindestlöhne oder Sozialleistungen zahlt, die in der Share Economy nichts gelten. Und entscheidend ist vor allem eines: Zwischen all den praktischen Möglichkeiten, sein Leben mit Hilfe des Teilens einfacher und billiger zu gestalten, ist der Grundgedanke der Share Economy völlig verloren gegangen. Geteilt wird nicht, um weniger zu konsumieren. Klar, denn welches Unternehmen will seine Kunden schon bitten, weniger Geld auszugeben? Nein, geteilt wird vielmehr, um auf der Angebotsseite mehr Geld zu machen - und auf der Nachfrageseite günstiger wegzukommen. Das Geld, das die Kunden dann sparen, können sie im Zweifelsfall für anderes ausgeben. Für die vielen anderen, schönen, neuen Dinge.