Schönheitsoperationen 5600 Euro für Brüste

Ein perfektes Äußeres scheint mithilfe der Schönheitschirurgie einfach erreichbar zu sein. Doch die Eingriffe sind teuer und bergen gesundheitliche Risiken.

(Foto: Nir Elias/Reuters)

Schönheitsoperationen sind heutzutage keine Seltenheit mehr. Allein in Deutschland ließen im Jahr 2013 mehr als 340 000 Menschen chirurgische Eingriffe aus ästhetischen Gründen an sich vornehmen. Am häufigstens sind Brustoperationen.

Von Teresa Stiens

"Wer schön sein will, muss leiden", lautet ein altes Sprichwort. Nirgends ist es zutreffender als in der Schönheitschirurgie. Während heutzutage die Narkose den Patienten die schlimmsten Schmerzen nimmt, wurde früher ganz ohne professionelle Betäubung operiert. Schon im sechsten Jahrhundert vor Christus nahm der indische Arzt Sushruta Eingriffe an seinen Patienten vor, die vorrangig der Ästhetik dienten. Seine Kunden waren damals vor allem Ganoven, denen als Bestrafung die Nase oder ein Ohr abgeschnitten worden war. Sushruta übertrug Haut von anderen Körperstellen in das Gesicht, um so die fehlenden Gliedmaßen wiederherzustellen - und das alles vor der Erfindung der Anästhesie. Auch der italienische Arzt Gaspare Tagliacozzi operierte im 16. Jahrhundert noch ohne Narkosemittel, als er Nasen rekonstruierte, die als Nebenwirkung der Krankheit Syphilis eingefallen waren.

Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Allgemeinanästhesie entwickelt, die es den Ärzten ermöglichte, ihren Patienten die Schmerzen während der Operation zu nehmen. So konnten auch Eingriffe gesellschaftsfähig werden, die nicht der Rekonstruktion, sondern der reinen Verschönerung dienten. Im 20. Jahrhundert erlebte die Schönheitschirurgie einen regelrechten Boom. Krumme Nasen, große Ohren und kleine Lippen waren fortan keine gottgegebenen Makel mehr, sondern Fehler, die sich beheben lassen, wenn man nur genug Geld auf den Tisch legt.

In den USA legten sich im Jahr 2013 14 Millionen Menschen um der Schönheit willen unters Messer. Dort ist es auch keine Seltenheit mehr, wenn Mädchen zu ihrem 16. Geburtstag eine Brustvergrößerung geschenkt bekommen. In Deutschland wollte die Politik Schönheitsoperationen von Minderjährigen einen Riegel vorschieben. Denn die Operationen bergen auch gesundheitliche Risiken. Der Vorstoß scheiterte aber - aus verfassungsrechtlichen Gründen.

In den meisten Fällen müssen Patienten die Schönheitsoperationen selbst bezahlen. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten nur dann, wenn nachweislich ein psychischer Leidensdruck vorliegt. Wenn das nicht der Fall ist, muss der Eingriff aus eigener Tasche bezahlt werden - und das kostet. Während Augenlidkorrekturen schon für durchschnittlich knapp 2000 Euro zu haben sind, kosten Brustimplantate im Durchschnitt 5600 Euro. Für alle, die mit ihrem Äußeren unzufrieden sind, aber das Geld nicht auf Anhieb zur Hand haben, gibt es Bezahlmodelle. Ratenzahlung für das neue Gesicht oder das abgesaugte Fett sind bei vielen Chirurgen gängig, damit sich auch weniger betuchte Kunden den Eingriff leisten können.

In Deutschland ließen 2013 343 000 Menschen chirurgische Eingriffe aus ästhetischen Gründen vornehmen. Die beliebteste Operation war mit 18,3 Prozent die Brustvergrößerung, gefolgt von der Lidstraffung mit 15,5 Prozent. Ob die Operationen wirklich schöner machen, ist Ansichtssache. Immerhin gibt es heutzutage Narkosemittel, so dass die Menschen um der Schönheit willen nicht mehr ganz so stark leiden müssen.