Schlecker-Insolvenz Im Taxi zum Gericht, im Porsche nach Hause

Ex-Drogeriekönig Anton Schlecker mit seiner Tochter Meike Schlecker in einer Tiefgarage neben einem Porsche Cayenne.

(Foto: Sascha Baumann/Bild)

Von Wirtschaftsprozessen bleiben oft nur die Bilder in Erinnerung. Familie Schlecker könnte es jetzt ganz ähnlich ergehen - aufgrund eines heimlichen Auto-Wechsels.

Von Stefan Mayr, Stephan Radomsky, Annette Ramelsberger und Uwe Ritzer

"Es ist nichts mehr da", hat die Schlecker-Familie behauptet, als ihre Firma pleiteging. Aber ein wenig war dann doch noch da, nur nicht dort, wo es hätte sein sollen: in der Firma. Deshalb müssen die Kinder Lars und Meike Schlecker ins Gefängnis, Papa Anton bekam im Prozess um den Bankrott seiner Drogeriemarktkette eine Bewährungsstrafe. Aber was ist wirklich noch da?

Diese Frage stellte sich am Montag auch nach dem Urteil des Landgerichts Stuttgart: Die drei Verurteilten fuhren anschließend in einem normalen Taxi davon. Für mehr, so musste man die Fotos verstehen, reicht es also nicht mehr. Doch am nächsten Morgen in der Bild tauchte noch ein anderes Bild auf: Anton Schlecker sitzt am Steuer eines schwarzen Porsche Cayenne GTS, auf dem Beifahrersitz seine Tochter Meike. In der Tiefgarage eines Fünf-Sterne-Hotels hatten sie kurzerhand den Wagen gewechselt und brausten nun in einem Auto davon, welches laut Preisliste neu mehr als 90 000 Euro kostet.

Das Urteil im Schlecker-Prozess ist ungerecht

Der Hauptangeklagte Anton Schlecker kommt mit einer Bewährungsstrafe davon. Offenbar konnte sich der frühere Drogerie-König vor zwei Wochen freikaufen. Kommentar von Stefan Mayr mehr ...

Die Aufnahme hinterließ einen völlig anderen Eindruck: Es ist doch noch was da. Zumindest für die Fahrt in einem Luxuswagen, den die meisten Deutschen sich nicht leisten können (und die Schlecker-Frauen, die ihren Job verloren haben, schon gar nicht), reicht es also bei Anton Schlecker und seiner Familie. Und das, obwohl der einstige Drogeriekönig seit seiner Insolvenz als Einzelkaufmann 2012 eigentlich kein Vermögen mehr besitzen darf.

Fotos sagen in Wirtschaftsprozessen oft mehr aus als tausend Worte, sie bleiben länger in Erinnerung als der oft komplizierte Inhalt des Verfahrens. Denn was in solchen Verfahren verhandelt wird, ist der breiten Öffentlichkeit oft nicht verständlich. Es geht um komplizierte Fragen des Aktien- oder Insolvenzrechts, um Bilanzen, Abschreibungen oder Wertberichtigungen.

Vor dem Stuttgarter Gerichtsgebäude fuhr Anton Schlecker stets mit dem Taxi vor und auch wieder weg.

(Foto: REUTERS)

Manche Wirtschaftsgrößen überlegen sich vor Prozessbeginn deshalb gründlich, was sie anziehen, wie sie sich geben, was sie sagen und was nicht. Mindestens genauso wichtig ist die An- und Abfahrt: Wie kann man den lauernden Fotografen entgehen? Spätestens seit dem Victory-Zeichen des ehemaligen Deutsche-Bank-Chefs Josef Ackermann vor dem Landgericht Düsseldorf ist klar, welche Wirkung ein Foto schlimmstenfalls entfalten kann. Das Victory-Zeichen von Ackermann bleibt auf ewig im kollektiven Gedächtnis haften.

Im Rolls-Royce Ghost vorfahren? Oder doch besser zu Fuß?

Marcus Eberhardt alias Marcus von Anhalt scherte das im September 2016 wenig. Als der Mann, der auch als "Prinz Protz" bekannt war, zum Steuerprozess am Landgericht Augsburg erschien, fuhr er mit seinem weiß-schwarzen Rolls-Royce Ghost vor. Der gelernte Metzger aus Pforzheim parkte seien Wagen mitten auf dem Gehweg, direkt vor dem Haupteingang des Gerichtsgebäudes. Das war wohlkalkuliert: Er lebt von der Publicity als böser Bub.

Das Kontrastprogramm gab Georg Funke, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Bank Hypo Real Estate, vor dem Strafjustizzentrum in München. Er kam zu seinem Untreue-Prozess in Begleitung seiner zwei Anwälte stets zu Fuß. Dunkelgrauer Anzug und weißes Hemd, Krawatte in gedeckten Farben und akkurater Seitenscheitel, unauffälliger hätte das nur noch ein Sparkassen-Filialleiter von der Schwäbischen Alb hingekriegt. Die Kanzlei seines Anwalts ist nur zwei Hausnummern vom Gericht entfernt. Das Verfahren gegen Funke wurde dann im September 2017 gegen 18 000 Euro Geldauflage eingestellt. Wegen des bescheidenen Auftritts? Wohl kaum. Geschadet hat es ganz gewiss nicht.