Siemens holt zu einem bislang einmaligen juristischen Schlag aus: Elf frühere Zentralvorstände einschließlich der Ex-Konzernchefs von Pierer und Kleinfeld sollen wegen der Affären um weltweite Schmiergeldzahlungen und die verdeckte Finanzierung der AUB Schadenersatz zahlen.
Der Aufsichtsrat von Siemens beschloss am Dienstag, hart gegen das frühere Top-Management vorzugehen. Wegen "Verletzung der Organisations- und Aufsichtspflichten" sollen zehn Ex-Vorstände für die hohen Schäden haften, die durch den Korruptionsfall entstanden sind.
Bild vergrößern
Siemens fordert von ehemaligen Vorständen Schadenersatz. (© Foto: dpa)
Anzeige
Die Schmiergeldaffäre dürfte Siemens am Ende weit mehr als eine Milliarde Euro kosten. Die für das Top-Management abgeschlossene Haftpflichtversicherung greift aber nur bis zu 250 Millionen Euro. Außerdem ist fraglich, ob das von der Allianz angeführte Assekuranz-Konsortium einspringt. Bei grober Fahrlässigkeit oder Vorsatz greift die Versicherung voraussichtlich nicht. Im Korruptionsfall könnte grobe Fahrlässigkeit vorliegen.
Die Ansprüche, die Siemens in der Schmiergeldaffäre geltend machen will, richten sich gegen die Ex-Konzernchefs Heinrich von Pierer und Klaus Kleinfeld, den früheren Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger, Ex-Personalvorstand Jürgen Radomski sowie die Ex-Zentralvorstände Thomas Ganswindt, Edward Krubasik, Rudi Lamprecht, Uriel Sharef, Klaus Wucherer und Johannes Feldmayer.
Darüber hinaus verlangt Siemens von Feldmayer und dem früheren Zentralvorstand Günter Wilhelm auch in der AUB-Affäre Schadenersatz.
In einem internen Prüfbericht steht nach Informationen der Süddeutschen Zeitung, es bestünden gute Aussichten, im Fall der Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger (AUB) rund 20 Millionen Euro zu bekommen. Siemens hatte die Betriebsräte-Organisation AUB heimlich unterstützt, um ein arbeitgeberfreundliches Gegengewicht zur IG Metall zu schaffen.
- Thema
- Unternehmen RSS
- Schadenersatz vom Ex-Vorstand Siemens will 20 Millionen 29.07.2008
- Siemens-Prozess Milde für Mut zur Offenheit 29.07.2008
- Siemens-Prozess Der treue Untreue 28.07.2008
- Interview: Beiersdorf-Chef Quaas "Die Haut ist doch überall gleich" 17.05.2010
- Luxuskonzerne Italienischer Chic für China 15.05.2010
- Wirtschaft kompakt Verseuchter Käse: Ermittlungen gegen Lidl 15.05.2010
- Wirtschaft kompakt Megaflieger verhagelt Airbus die Bilanz 14.05.2010
(sueddeutsche.de/mel)
Mubarak-Prozess in Ägypten
In Bayern - und hier ist nun einmal der Schauplatz dieser Affäre - findet im Herbst die Landtagswahl statt.
Da die Bevölkerung diese Handlungsweisen nicht mehr nur als Kavaliersdelikte betrachtet, bleibt nichts anderes übrig, als Anklage zu erheben. Hier besteht öffentliches Interesse!
Wer ist dem Staatsanwalt vorgeschaltet?
Selbst wenn Staatsanwalt Winkler - da offensichtlich ist, dass hier Straftaten bestehen, diesen Weg beschreiten will, werden am Ende eventuell nur milde Strafen im Fall der Korruption herauskommen.
Nur im Fall der AUB-Prozesse werden die Strafen etwas härter ausfallen.
Eventuell werden, da Wilhelm nicht alleine als Bösewicht dastehen will, die eigentlichen Drahtzieher im Hintergrund für die Installation der AUB veröffentlicht werden. Und dann wird offensichtlich, was schon lange als Verschwörungstheorie betitelt wurde: Die gemeinsame Sache der damaligen höchsten Politik und Wirtschaft gegen die Arbeitnehmervertreter!
Die Unsitte der SZ, binnen weniger Stunden zu ein und demselben Thema verschiedene Threads zu öffnen, zwingt mich einen "untergegengenen" Kommentar zu den Siemens-Schadensersatzklagen hier nochmals zu wiederholen:
Nur keine Aufregung! Keiner der Siemens-Topmanager, die jetzt berechtigterweise zur Kasse zwecks Regress gebeten werden, wird den Großteil dieser hübschen Sümmchen aus eigener Tasche bezahlen müssen.
Wozu hatte man schließlich die teure "Vermögenseigenschaden-Versicherung", für die der Konzern die happigen Prämien bezahlte? Den Löwenanteil des Schadens werden die entsprechend "zum Zug gekommenen" Versicherungsgesellschaften bezahlen, während die Versicherten sehr schonend behandelt werden und lediglich einen "Anstands"-Eigenanteil berappen müssen.
Die Versicherungen holen sich ihre "Schadensleistungen" wieder von der "Münchner Rückversicherung", womit wieder alles in der Familie bleibt.
München, Deine Wirtschaft....
Hoffentlich muss Kleinfeld nicht seine schöne ROLEX verkaufen um die Forderungen erfüllen zu können.
Aber vielleicht würde es ihm nicht wehtun, peinlich war sie ihm ja schon immer, weshalb sie aus seinem PR-Foto rausretuschiert wurde.
Liebe SZ,
warum erfahren wir hier immer nur die Häfte der Geschichte ?
Wo Schmiergelder geflossen sind, gibt es ja auch Leute, die die Gelder angenommen haben. Und das sind häufig Politiker oder Entscheider in öffentlichen Unternehmen, die Infrastrukturprojekte in Auftrag geben.
Warum hört man von diesen Leuten so wenig ? Es wäre doch angebracht, auch hier Schadenersatzforderungen zu stellen.
Da kommen BWLer von der Uni, werden gleich irgendwo in wichtige Positionen gestellt, fliegen schnell mit Privatjet und denken Sie sind was. Daran liegt das. Es wird nicht erst ein Maßstab gelehrt, sondern nur "Cleverness", die den Leuten dann aber die Seele ruiniert
Paging