Scharfe Töne aus Sachsen: Die Landesregierung wirft Infineon "Luftbuchungen" bei der Qimonda-Rettung vor - nun soll sogar Kanzlerin Merkel eingeschaltet werden.
Der Streit um die vorerst misslungene Rettung des Chipkonzerns Qimonda eskaliert. Nach Informationen aus Regierungskreisen wirft das Land Sachsen der Konzernmutter Infineon "Luftbuchungen" im Rettungskonzept von Infineon und Qimonda vor.
Infineon will die angeschlagene Tochter Qimonda nicht finanziell unterstützen - nun droht das Aus. (© Foto: ddp)
Anzeige
Die Regierung fühle sich von dem Münchner Konzern getäuscht. Hochrangige Politiker seien über das Infineon-Management um Vorstandschef Peter Bauer "äußerst verärgert". Das Verhandlungsgebaren von Europas zweitgrößtem Chipkonzern sei "unseriös", hieß es. Infineon habe mehrfach versucht, der Politik "die Pistole auf die Brust zu setzen".
Infineon wies die Vorwürfe "nachdrücklich" zurück. "Wir wissen nichts von angeblichen Luftbuchungen bei Qimonda", sagte ein Konzernsprecher. Der neue Geschäftsplan sei von Qimonda präsentiert und von den Unternehmensberatungen Pricewaterhouse Coopers (PWC) und Arthur D. Little geprüft worden.
Keinen Kommentar abgegeben
Qimonda wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Qimonda leidet unter dem rapiden Preisverfall für Speicherchips. Ohne finanzielle Hilfen droht dem Konzern in Kürze die Pleite. Sachsen ist an einer Rettung interessiert, weil die Qimonda-Fabrik in Dresden gut 3000 Menschen beschäftigt und damit der größte Arbeitgeber in Dresden ist.
Am Mittwoch war die sächsische Landesregierung mit einem Hilfsangebot auf taube Ohren bei der Konzernmutter von Qimonda gestoßen. Infineon hatte eine von Sachsen geforderte Finanzspritze von 150 Millionen Euro abgelehnt und damit das Rettungspaket vorerst platzen lassen. Die sächsische Landesregierung will sich damit offenbar nicht abfinden. Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) rief die Infineon-Führung erneut dazu auf, sich stärker für die Tochter zu engagieren und in den Gesprächen einzulenken.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Hilfsmöglichkeiten des Bundes ausgelotet werden sollen.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
- Thema
- Unternehmen RSS
- Qimonda Zukunft am seidenen Faden 17.12.2008
- Kein Geld von Infineon Rettungspaket für Qimonda geplatzt 16.12.2008
- Dresden: Chipindustrie Staatsgeld für Qimonda 16.12.2008
- Interview: Beiersdorf-Chef Quaas "Die Haut ist doch überall gleich" 17.05.2010
- Luxuskonzerne Italienischer Chic für China 15.05.2010
- Wirtschaft kompakt Verseuchter Käse: Ermittlungen gegen Lidl 15.05.2010
- Wirtschaft kompakt Megaflieger verhagelt Airbus die Bilanz 14.05.2010
Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB
Wenn man sich als Regierung hinstellt und hinausposaunt, dass sie jetzt einen tollen Rettungsschirm aufspannen und allen gestrauchelten Großkapitalisten das Geld ohne Verbindlichkeiten in den Ar*** blasen, dann würde ich mich als Infineon auch schön zurücklehnen und keinen Finger rühren.
Soll doch das Gemeinwesen auf Anordnung unserer Regierenden die Zeche zahlen, es geht ja um ein schnuckeliges Prestigprojekt im armen Osten.
In Deutschland wird hierzu eine öffentliche Schlammschlacht gemacht. In Korea und Taiwan wird still und effizient gehandelt und Qimondas Wettbewerber vom Staat unterstützt:
Taiwans Regierung hat angekündigt, der heimischen Chipindustrie (Nanya, Powerchip, ProMOS) unter die Arme greifen zu wollen. Dort laufen derzeit Verhandlungen.
Die südkoreanische Regierung hat auch schon Zuwendungen für Hynix (Zweitstärkster am Speichermarkt) versprochen, falls die Aktionäre dem weltweit zweitgrößten Speicherchiphersteller doch nicht wie vereinbart eine Finanzspritze gewähren.
Hynix wurde 2000 schon einmal von der südkoreanischen Regierung durch Finanzspritze und zeitweilige Kontrollübernahme vor dem Aus gerettet.
Genauso hat die koreanische Regierung 1999 den jetzigen Marktführer Samsung gerettet.
Einen notleidenden Halbleiterhersteller vorübergehend aus der Patsche zu helfen, ist weltweit üblich. Daher sollte dies auch in Deutschland möglich sein, und zwar ohne öffentliche Diskussion und gegenseitige Vorwürfe.
Wieviele Steuermillionen hat denn der Freistaat in die Ansiedelung von Infineon reingeblasen? Wieviel in BMW oder DHL in Leipzig? Das erweist sich nun als genauso verbrannt wie die Luftbuchungen "Zeppelin" oder Eurospeedway in Brandenburg. Da ging also der Aufbau Ost hin und nun in den Ofen der "crunches". Warum evaluiert man nicht die Arbeit der Wirtschaftsförderer und schmeisst sie einfach raus und schickt ihnen noch eine Beteiligung an den Kosten für "verbranntes" Geld hinterher.
Allmählich wird es zunehmend unerträglicher, dass massenhaft die Logik selbsternannter Direktoren technischer Museen in Umlauf sich befindet. Mal ist jenes Relikt aus vergangenen Zeiten zu retten, dann wieder ein anderes. Sogar die Regierungschefin soll aktiv werden, geht es darum, altes Gelumpe für die nächsten Jahrzehnte zu konservieren. Begriffe wie "Cluster" werden darüber hinaus bemüht, um Modernismus zu betreiben und damit die Überkommenheit nicht allzu augenfällig wird.
Paging