ProSiebenSat.1/Springer Ein Minister, der sich raushalten will

Er wolle nicht ausschließen, so Glos gestern, dass er bald über eine Ministererlaubnis nachdenken müsse. Er hoffe aber noch, "dass sich das alles bereinigt" - auf einer "unteren Ebene", wie eine Ministersprecherin konkretisierte.

Besonders der Fall Eon/Ruhrgas gibt zu denken. Vor dreieinhalb Jahren hatte das Wirtschaftsministerium die Übernahme den wichtigsten Gasversorger Ruhrgas durch den größten Stromversorger Eon gegen allen Rxpertenrat abgenickt. Der parteilose Minister Werner Müller, einst im Dienst von Eon-Vorgänger Veba, legte angesichts des öffentlichen Protests zwar die Entscheidung in die Hand seines Staatssekretärs Alfred Tacke (SPD) - an ein unabhängiges Verfahren glaubte dennoch kaum jemand.

"Ein Schelm, der Böses dabei denkt"

Heute sind Müller wie Tacke als Chefs bei der RAG und deren Tochter Steag untergekommen - jenes Unternehmens also, das als Verkäufer von Ruhrgas an Eon von dem Deal profitiert hatte. Honi soi qui mal y pense, steht auf dem englischen Hosenbandorden: ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Bis auf eine (DaimlerChrysler) sind alle Ministerfreigaben in Zeiten erfolgt, als den Kanzler die SPD stellte - eine Partei, der ohnehin ein laxeres Verhältnis zum freien Wettbewerb nachgesagt wird. Müller und Tacke passten sich gut ein. Beide haben ihr berufliches Glück gemacht, dem Amt und dem Instrument der Ministererlaubnis aber irreparablen Schaden zugefügt.

Herzliches Einvernehmen mit Friede Springer

Von Glos wiederum, der in Ludwig Erhards Fußstapfen treten möchte, sind Bilder des herzlichen Einvernehmens mit Döpfners Chefin Friede Springer überliefert, die wiederum zum engen Netzwerk der neuen Kanzlerin Angela Merkels gehört. Kein Wunder, dass Glos hofft, um eine Entscheidung herumzukommen.