Minijobs, befristete Beschäftigungen, Teilzeitstellen: In immer mehr Fällen bedeutet Arbeit nicht, dass die Angestellten davon auch leben können - Tendenz steigend. Die Gewerkschaften machen nun Jagd auf Dumping-Sünder.
Wer arbeitet, der muss auch davon leben können - diese Aussage gilt in Deutschland schon längst nicht mehr. Im Gegenteil: Immer mehr Beschäftigte sind trotz ihres Jobs von Armut bedroht. Wie das Statistische Bundesamt berichtet, waren im vergangenen Jahr 6,2 Prozent der Erwerbstätigen armutsgefährdet - 1998 waren es noch 4,6 Prozent.
Die Zahl der Teilzeit- oder Minijobs hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. (© Foto: AP)
Anzeige
Der Grund: Immer mehr Menschen gehen keiner "klassischen Beschäftigung" nach, sondern sind als Minijobber, Zeitarbeiter oder befristet Beschäftigte tätig. Sie verdienen meistens deutlich weniger und haben ein deutlich höheres Armutsrisiko - für einige Selbstständige, insbesondere jüngere Menschen, gilt dasselbe.
In den vergangenen zehn Jahren ist der Anteil klassischer Beschäftigung deutlich zurückgegangen. Dagegen ist der Anteil derjenigen mit Teilzeitjob, Zeitarbeit, geringfügig oder befristeter Beschäftigung seit 1998 um 6,0 Prozentpunkte auf stolze 22,2 Prozent im vergangenen Jahr gestiegen.
Den Gewerkschaften sind diese Jobs ein Dorn im Auge. Einer Studie der IG Metall zufolge nutzen deutsche Unternehmen vor allem Leiharbeit zunehmend als Mittel zur Steigerung ihrer Gewinne. Während die Zeitarbeit in der Vergangenheit vorwiegend zum Ausgleich von Personalausfall oder bei Auftragsspitzen genutzt wurde, werde sie mittlerweile zunehmend "als Instrument einer kurzfristigen Absicherung der Kapitalrendite oder der Profitabilität" zweckentfremdet, bemängelt die IG Metall.
Gewerkschaften auf der Jagd nach Dumping-Sündern
Unternehmen würden Leiharbeit mittlerweile gezielt als Instrument ihrer Beschäftigungspolitik einsetzen. Die Wirtschaftskrise werde dazu führen, dass Unternehmen diesen gezielten Einsatz noch ausweiten.
Ganz anders sieht das natürlich der Bundesverband Zeitarbeit. Die Organisation hat die Studie massiv kritisiert und forderte die IG Metall auf, ihr "Bild von einer modernen Arbeitswelt grundlegend zu überdenken".
Die Gewerkschaft kämpfe "Schlachten von vorgestern", erklärte Verbands-Hauptgeschäftsführer Ludger Hinsen. Statt Zeitarbeit zu verteufeln, sollten Gewerkschaften gemeinsam mit den Arbeitgebern "die Bedürfnisse der Beschäftigten nach sozialer Sicherheit mit dem Wunsch nach flexibler Lebensplanung verbinden".
Insgesamt sind von all jenen Menschen, die in prekären Arbeitsverhältnissen stehen, 14,3 Prozent von Armut bedroht, bei Selbstständigen ohne Mitarbeiter sind es 10,4 Prozent. Bei Normalbeschäftigten liege die Quote seit 1998 dagegen weitgehend unverändert bei 3,2 Prozent. Besonders groß war das Risiko, in die Armut abzurutschen, bei geringfügig Beschäftigten. Knapp ein Viertel war trotz weiterer Einkommen im Haushalt und staatlicher Unterstützung armutsgefährdet.
Genau dagegen wollen die Gewerkschaften Verdi und Nahrung-Genuss- Gaststätten (NGG) jetzt vorgehen. Die Arbeitnehmervertreter ziehen gegen Dumpinglohn-Arbeitgeber zu Felde, dafür wollen sie zunächst eine Bestandsaufnahme machen.
Beschäftigte sollen Dumpinglöhne per Telefon melden. Nach bisheriger Erkenntnis der Gewerkschaften sind mehr als 32.000 Erwerbstätige trotz ihrer Arbeit auf staatliche Zuschüsse angewiesen. Die "Aufstocker" könnten von ihrer Arbeit nicht leben, weil sie mit Niedriglöhnen von 5,50 Euro oder weniger zurechtkommen sollen. Die Gewerkschaften treten für einen gesetzlichen Mindestlohn von 7,50 Euro pro Stunde ein.
Mehr Frauen bekommen Niedriglohn
Der Vizepräsident des Statistischen Bundesamtes, Peter Weigl, wies jedoch darauf hin, dass niedrige Löhne nicht zwingend zu einem Armutsrisiko führen müssen. Wichtig seien auch die sozialen Umstände - also, ob die Arbeitnehmer alleinstehend sind oder ob mehrere Erwerbseinkommen in einem Haushalt leben.
Tatsache ist aber, dass sogenannte atypische Beschäftigte 2006 mit durchschnittlich 11,98 Euro deutlich weniger pro Stunde verdienten als voll sozialversicherungspflichtige Normalbeschäftigte. Diese erhielten im Schnitt 18,04 Euro. Jeder zweite der atypischen Beschäftigten bekam sogar einen Bruttostundenlohn unterhalb der Niedriglohngrenze von 9,85 Euro.
Am stärksten waren 2006 die Mini-Jobber mit 81,2 Prozent von Niedriglöhnen betroffen, bei Zeitarbeitern waren es 67,2 Prozent, bei befristet Beschäftigten 36,0 Prozent und bei Teilzeitbeschäftigten knapp ein Fünftel.
Und: Deutlich mehr Frauen (27,2 Prozent) als Männer (14,3 Prozent) beziehen Niedriglohn. Ein Grund dafür ist, dass sie häufiger in Teilzeitjobs oder anderen atypischen Beschäftigungen arbeiten.
Wie viel ist uns die Umwelt wirklich wert? Eine Suche nach dem Preis der Natur. Jetzt lesen ...
- Thema
- Leiharbeiter RSS
- Gesetzlicher Mindestlohn Den Graben verkleinern 12.07.2009
- Der Niedriglohnsektor wächst Billige Arbeit 09.07.2009
- Zahl der Geringverdiener steigt Jeder Fünfte muss von Niedriglohn leben 09.07.2009
- Geringverdiener in Not Niedriglohn-Weltmeister 05.12.2008
- Leiharbeit Keine Beschäftigung zweiter Klasse 07.05.2010
- Bericht der Bundesregierung Vom Elend der Leiharbeit 14.01.2010
- Zeitarbeit Geheuert, gefeuert 02.09.2009
(sueddeutsche.de/AP/dpa/tob/pak)
Umstrittenes Anti-Piraterie-Abkommen
Deutschland braucht - wie die meisten europäischen Staaten - einen Mindestlohn. Leider wird der mit schwarz/gelb nicht kommen.
Was sollen denn diese Zweizeiler in denen Sie schreiben alle anderen wären doof, Analphabeten haben keine Ahnung von Wirtschaft und überhaupt selbst schuld.
Das ganze natürlich völlig ohne irgendwelche Argumente, wenn Sie schon sowas schreiben müssen Sie das zumindest untermauern.
Sonst sind Sie in meinen Augen nichts als armselige Trolle die keine weitere Beachtung verdienen.
...wenn man Arbeitsleistung mit Steuern bis zum Geht-nicht-Mehr ausquetscht, aber den Machern, die bis zum Abwinken absahnen, die oft auch nur Geld hin und her schieben, nicht selten sogar dadurch Betriebe in Not bringen oder überhaupt umbringen, die weiters (oft sogar bei guter Gewinnlage) dem Staat jede Menge Frühpensionisten und Arbeitslose zur Versorgung übergeben, alle möglichen Vergünstigungen und Steuererleichterungen gewährt.
Es ist bereits hinreichend oft vorgerechnet worden, dass sogar nur eine kleine Steuer auf das meistens völlig unproduktive, ja oft sogar wirtschaftsfeindliche "Geldhinundherschieben" die größten Finanzprobleme der meisten Staaten lösen könnte.
wenn wie in Irland oder Schweden Sozialversicherungsbeiträge zusammen mit der Steuer erhoben werden. Vor allem muss endlich das Existenzminimum abgabenfrei werden.
In Deutschland sind erst mal 20% des Lohns weg, egal ob die eigene Existenz gesichert ist oder nicht (=Existenzminimum überschritten). Mit einer höheren, ggf. sogar einheitlichen Steuer von 40-50% auf jeden das Existenzminimum überschreitenden Euro würde der Niedriglohnsektor gewaltig profitieren, auch wenn 15% Eingangssteuersatz auf dem Papier viel besser klingen.
Beispiel: 12/h Brutto, 160h/Monat sind 1920 Brutto. In Steuerklasse III sind das aktuell 1503 Netto. Würde das Existenzminimum nebst Werbungskostenpauschale von etwa 8500 je Erwachsenem und Jahr (= monatlich ca. 1400) abgabenfrei sein und der Rest von 520 zu 45% besteuert (aktueller Spitzensteuersatz), dann blieben ca. 1680 Netto über. Die 180 könnte der Beispielhaushalt sicher gut gebrauchen.
Eine "Flat Tax" ist nicht notwendigerweise unfair, vor allem wenn absolut alle Einnahmen dieser Tax unterworfen wären und alle zur Erzielung dieser Einnahmen erforderlichen Ausgaben absetzbar sind. Das bedeutet, alle Kapitaleinkünfte wie Lohn zu 45% versteuert, aber nur der Teil, der die Inflation übersteigt.
Dazu gehört für mich ebenso ein Steuerfreibetrag für Leute, die in München oder anderen teuren Regionen leben. Es kann nicht sein, dass Sozialtransferempfänger (berechtigt) Zuschläge bekommen weil Sie dort leben, aber Arbeitnehmer diese unvermeidlichen Mehrkosten nicht geltend machen können. Durch diese unterschiedlichen Berechnungsweisen des Existenzminimums bei der Steuer sowie dem Sozialgesetzbuch schafft der Staat eine Grauzone von Erwerbstätigen, bei denen sich Arbeit für den Arbeitnehmer effektiv nicht lohnt. Und _das_ ist ganz sicher unfair und damit demotivierend.
du erkennst Ironie echt nicht wenn man sie dir wo rein schiebt...
1. Die Niederlande sind gewiss kein Exot wie Luxemburg. 16 Mio Einwohner rechtfertigen einen Vergleich der Systeme; Ich hätte nun gedacht, das die Bevölkerungsdichte höher ist, aber egal da vollkommen gleichgültig für einen Systemvergleich
2. In Ihrem schwankungsanfälligen Maschinenbau haben wir die Billigjobs Probleme im übrigen nicht in der Form, da hier die Gewerkschaften noch relativ stark sind. Komisch oder? Wie kann man mit starken Gewerkschaften zur besten Maschinenbau, Auto- und Chemie NAtion der Welt werden?
3. Billig Jobs gibts übrigens vorwiegend im Dienstleistungsbereich. Außerdem gehören die Niederlanden zu den größten Exporteuren landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Landwirtschaft ist doch grundsätzlich auch ne Branche für Billigjobs...Erntehelfer und so....oder nicht??
"Ebenso haben die Niederlande bereits einen sehr ausgedehnten Dienstleistungssektor und stehen nicht wie die BRD erst an der Schwelle dazu."
loool....lernen sie in Anteilen zu denken. Unser Dienstleistungsanteil wird durch die starke Industrie geschmälert. "Wir stehen an der Schwelle zur DL Gesellschaft"...looool
"Ich bin da lieber Privatversichert und kann über den Rest meines Geldes verfügen wie ich will... "
Ok. Mal nen paar Zahlen. In den USA müssen sie für Ihre Gesundheit privat mal eben so 6100$ im Jahr aufwenden. Hier in good old germany bezahlen sie im Schnitt 3000-3500$. Was wollen Sie??
Und nun schluss...mit Verlaub Sie haben wirklich von nichts ne Ahnung.....
Paging