Pilotenstreik Lufthansa streicht knapp tausend Flüge

Nichts geht mehr: Die Pilotenvereinigung Cockpit ruft zu Spontanstreiks auf und die Lufthansa muss 990 Flüge streichen. Tausende Passagiere sind betroffen.

Wegen des Streiks von Piloten hat die Deutsche Lufthansa für Dienstag und Mittwoch insgesamt 990 Flüge gestrichen. Dabei handele es sich um innerdeutsche und innereuropäische Verbindungen mit kleineren Flugzeugen der beiden Gesellschaften Cityline und Eurowings, wie das Unternehmen mitteilte.

Unternehmen Pilotenstreik

Passagiere warten am Flughafen Düsseldorf.

(Foto: Foto: ddp)

Betroffen sein dürften davon mehrere 10.000 Passagiere, die soweit möglich auf andere Maschinen oder auf die Bahn umgebucht werden sollten. Gemessen am gesamten Europaverkehr des Lufthansa-Konzerns fällt damit rund ein Drittel der Flüge bis Mittwoch 24 Uhr aus.

Zwei Stunden später war der Streik da

Die Gewerkschaft Cockpit hatte die Piloten der beiden Lufthansa-Töchter am Dienstag kurzfristig zu eineinhalbtägigen Warnstreiks aufgerufen und begründete dies mit den gescheiterten Tarifverhandlungen. Cockpit will unter anderem eine bessere Vergütung durchsetzen. Die Lufthansa reagierte mit Unverständnis. Sie habe in den vergangenen Tagen ein verbessertes Angebot vorgelegt, der 36-Stunden-Streik sei deswegen ungerechtfertigt, sagte ein Sprecher.

Die Warnstreiks begannen nur zweieinhalb Stunden nach der Ankündigung am Dienstag um 12.00 Uhr. Von den Arbeitsniederlegungen sind laut Cockpit alle deutschen Flughäfen betroffen, die von Eurowings und Cityline angeflogen werden - darunter Frankfurt am Main, München, Düsseldorf und Berlin-Tegel.

Die Zubringerflüge fallen aus

Die Lufthansa versprach den betroffenen Flugpassagieren, die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten. "Bei Flugausfällen können unsere Gäste ihre Tickets einfach an den Check-In-Schaltern in Gutscheine für Fahrten mit der Deutschen Bahn eintauschen", sagte der Sprecher. Zudem werde die Lufthansa versuchen, einen großen Teil der Eurowings- und Cityline-Passagiere auf Flüge der Lufthansa Classic umzubuchen.

Dies sei unter Umständen jedoch nur eingeschränkt möglich. Während die Lufthansa Classic die Hauptflugstrecken in Deutschland, Europa und weltweit bedient, wickeln Eurowings und Cityline vor allem Zubringerflüge zu den großen Lufthansa-Flughäfen ab und bieten Verbindungen auf Nebenstrecken in Deutschland und Europa an.

Cockpit erklärte, die Warnstreiks seien das "letzte Mittel", um im Tarifkonflikt Druck auf die Arbeitgeber auszuüben. Die Lufthansa habe bislang kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt. Deswegen habe Cockpit die Tarifverhandlungen im Mai für gescheitert erklärt.

Die Gewerkschaft hatte nach dem Abbruch der Tarifverhandlungen eine Urabstimmung über unbefristete Streiks eingeleitet, bei der sich 99 Prozent der Mitglieder für Arbeitsniederlegungen aussprachen. Daraufhin waren die Piloten bei Eurowings und Cityline erst vor rund zwei Wochen für 24 Stunden in den Ausstand getreten. Die Lufthansa musste weit mehr als 500 Flüge streichen.

Kein Verständnis für die Streiks

Bei der Lufthansa gebe es angesichts des verbesserten Verhandlungsangebotes keinerlei Verständnis für die neuerlichen Arbeitsniederlegungen, sagte der Unternehmenssprecher. Der Konzern habe Cockpit zuletzt eine Lohnerhöhung von insgesamt 5,5 Prozent für die Cityline-Piloten bei einer Laufzeit von 18 Monaten angeboten.

Zudem sollten die Cityline-Flugkapitäne eine Einmalzahlung von 7000 Euro erhalten, die Co-Piloten eine Zahlung von 5000 Euro. "Wir haben kein Verständnis dafür, dass dies keine Grundlage für eine Fortsetzung der Tarifgespräche sein soll", sagte der Sprecher.

Es sei dem Konzern aber nicht möglich, die Bezüge der Cityline-Piloten auf das Niveau der Muttergesellschaft Lufthansa Classic anzuheben, sagte der Sprecher weiter: "Beide Tochtergesellschaften sind nur wirtschaftlich zu betreiben, wenn das Lohnniveau niedriger ist als bei der Lufthansa." Durch überzogene Lohnforderung gefährde Cockpit die Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit der beiden Töchter.