Pannenhilfe des ADAC Die "Gelben Engel" fühlen sich ausgebeutet

Das Pannenhilfenetz des ADAC ist das größte in Deutschland, die Arbeit erledigen selbständige Unternehmen.

(Foto: dpa)
  • Der ADAC will die Bedingungen neu regeln, unter denen private Abschleppfirmen im Namen des Autoclubs arbeiten.
  • Ein Vertragsentwurf sieht höhere Fixkosten und mehr Kontrolle vor - und verbietet den Firmen jegliche Kritik am ADAC.
  • Die "Gelben Engel" sprechen von einem Knebelvertrag. Viele von ihnen fürchten um ihre Existenz.
Von Uwe Ritzer

Am Anfang des Gespräches habe ihnen der Mann vom ADAC noch geschmeichelt, erzählt die Seniorchefin. Gerade die kleinen Partner seien dem Automobilklub ganz besonders wichtig, und so. Dann aber sei die Stimmung schnell gekippt. Nämlich, als er gehört habe, dass die Schuberts mit ihrem kleinen Abschleppdienst in der tiefsten Provinz künftig nicht mehr jeden Tag rund um die Uhr für den ADAC Fahrzeuge bergen und abschleppen können, sondern nur noch tagsüber. Entweder ganz oder gar nicht, habe der Gebietsvertreter des ADAC sie vor die Wahl gestellt, sagt die Seniorchefin. Kurz darauf waren die Schuberts nach 35 Jahren keine "Gelben Engel" mehr.

So nennt der ADAC seine Pannenhelfer in den knallgelben Fahrzeugen, die 3,9 Millionen Mal pro Jahr ausrücken. Gut 40 Prozent der Einsätze fahren etwa 700 sogenannte SDI-Partner, allesamt Privatunternehmer wie die Schuberts. Ohne sie würde das größte Pannenhilfesystem Deutschlands zusammenbrechen.

"Gelbe Engel" hießen aber auch die Preise für Automarken, deretwegen der ADAC vor drei Jahren in Verruf geriet. Ein leitender Mitarbeiter hatte eine Preiskategorie jahrelang manipuliert. In der Folge kam noch mehr Fragwürdiges ans Licht und der ADAC beschloss, sich zu reformieren. Seit 1. Januar 2017 sind die Vereinsarbeit für Mitglieder und das schnöde Geschäft organisatorisch getrennt. Eines aber scheint noch größer zu sein als vor der Krise: der Ärger vieler Abschleppfirmen.

Wie der ADAC versucht, sich selbst zu retten

Der Autoclub will mit allen Mitteln ein eingetragener Verein bleiben. Präsident Markl hatte eigentlich einen Plan - doch den will sein Vorgänger jetzt durchkreuzen. Von Uwe Ritzer mehr ...

Bis zu 5000 Euro Strafe für eine öffentliche Beschwerde über den ADAC

Sie fühlen sich vom ADAC mehr denn je geknebelt, ausgebeutet und unfair behandelt. Schon 2014 schrieben sie deswegen einen neunseitigen Brief an die ADAC-Granden; er sei wirkungslos verpufft, sagen Abschleppunternehmer. Nun ist es ein Vertragsentwurf, der Protest provoziert. Er regelt die Bedingungen neu, unter denen die Unternehmer im Namen des ADAC Autofahrern helfen.

Der bis Ende 2016 als ADAC-Geschäftsführer zuständige Mahbod Asgari sagt, es gehe nur um "einheitliche Standards und Regeln für alle", weil manche Partner alte, andere neuere Verträge hätten. Kritiker sehen die Sache jedoch wie ein langjähriger ADAC-Abschlepper aus Süddeutschland: "Wenn der Vertrag so umgesetzt wird, fahren viele unserer Betriebe mit Vollgas an die Wand. Denn was da drin steht, ist für uns wirtschaftlich existenzgefährdend."

Der Unternehmer will seinen Namen nicht in der Zeitung lesen; auch die Schuberts heißen in Wirklichkeit anders. Es herrscht Angst vor dem langen Arm des ADAC, der in der deutschen Pannenhilfe noch immer die größte Macht hat. Der Vertragsentwurf, an dem sich die Gemüter entzünden, ist als "vertraulich - nur für den persönlichen Gebrauch" deklariert. In Paragraf 19 will der ADAC, der eigentlich mehr Transparenz versprochen hat, künftig den Abschleppunternehmern Kritik verbieten. Wer sich öffentlich über den ADAC beschwert, dem drohen dann bis zu 5000 Euro Strafe.