Offene Worte beim Hersteller von Schnurlos-Telefonen Gigaset braucht Geld

Noch ist der Festnetzanschluss keine Rarität, doch zunehmend setzen Leute ausschließlich auf ihr Handy. Das macht Gigaset, dem Münchner Hersteller von Schnurlos-Telefonen, zu schaffen.

Von Björn Finke

Der Einstieg eines reichen Konzerns, die Ausgabe einer Wandelanleihe, eine Kapitalerhöhung oder eine Ausweitung der Kreditlinie bei den Banken - der Schnurlostelefon-Hersteller Gigaset aus München braucht Geld, und der Vorstand der börsennotierten Firma verhandelt gerade mit unterschiedlichen Gesprächspartnern darüber, wie er dieses auftreiben kann. Denn schon in den umsatzschwachen Sommermonaten könnte ansonsten nicht genug Bares in der Kasse sein, um die Ausgaben zu decken. Dies berichtete das Management bei der Vorstellung der Jahresbilanz.

Finanzvorstand Alexander Blum zeigte sich jedoch unbesorgt: "Es existiert noch ein ganzes Repertoire ungenutzter Möglichkeiten, um an Liquidität zu kommen." So sei er zuversichtlich, dass die Banken ihre Kreditlinie von bislang 35 Millionen Euro aufstocken würden. Die frühere Siemens-Sparte setzte 2012 mit 420 Millionen Euro 8,5 Prozent weniger um als im Vorjahr und machte Verlust. Auch 2013 werde der Umsatz im "hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen" Prozentbereich sinken, sagte Firmenchef Charles Fränkl. Zumindest vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen soll aber ein Gewinn stehen.

Gigaset leidet darunter, dass immer mehr Handybesitzer auf den Festnetzanschluss verzichten. Neue Produkte - etwa Sensoren zur Überwachung der Wohnung - sollen die Wende bringen: 2014 will Fränkl wieder mehr umsetzen.

Wie mühsam der Weg zu neuen Produkten war, hatte er erst vor wenigen Tagen im Gespräch mit dieser Zeitung erläutert (SZ vom 25.3.): " Gigaset hatte verlernt, ganz Neues zu wagen", sagte da Fränkl. Anfangs habe es alle zwei Wochen gekracht. Mitarbeiter hätten gesagt: "Das wird nie funktionieren." Doch es habe funktioniert. "Früher hat Gigaset drei Jahre gebraucht, um ein neues Telefon zu entwickeln. Nun haben wir in einem Jahr eine ganz neue Produktkategorie entwickelt", sagte Fränkl.