Mögliche kriminelle Praktiken Royal Bank of Scotland drohen Ermittlungen

Die britische Bank RBS soll Kunden in die Überschuldung getrieben und sich anschließend deren Immobilien unter den Nagel gerissen haben. Nun geht das Betrugsdezernat dem Fall nach.

Es waren schwere Vorwürfe, die die Sunday Times vor einigen Tagen in einem Artikel gegen die bereits krisen- und skandalgeschüttelte Royal Bank of Scotland (RBS) erhob: Das Geldinstitut habe Unternehmen, die Kredite bei der Bank hatten, bewusst in die Überschuldung getrieben, um anschließend günstig an deren Immobilien zu gelangen, schrieb die Zeitung. Die RBS wehrte sich gegen die Vorwürfe, muss nun aber mit Ermittlungen rechnen.

Wie die Financial Times berichtet, hat das britische Betrugsdezernat bereits ehemalige Mitarbeiter der Unternehmen befragt, die mit der Abteilung für Risikokredite, der Global Restructing Group, zu tun hatten. Demnach will das Dezernat damit einschätzen, ob die Bank kriminell gehandelt hat. Allerdings handle es sich um erste Untersuchungen, umfassende Ermittlungen gebe es noch nicht, heißt es in der FT.

Der Fall setzt auch Großbritanniens Finanzminister George Osbourne unter Druck. Seine Bankenreform geht vielen nicht weit genug. Ehemalige, hochrangige Tory-Politiker fordern, dass Banken und ihre Chefs, die gegen Regeln verstoßen, viel schärfer bestraft werden als bisher.

Die RBS wurde wegen der Finanzkrise zu etwa 80 Prozent verstaatlicht und ist bereits tief in Skandale verstrickt: Banker des Instituts manipulierten den Referenz-Zinssatz Libor und möglicherweise auch Devisenkurse. Außerdem soll die Bank Kreditkunden bei Kreditausfallversicherungen falsch beraten haben. Für die Libor-Manipulation musste die RBS bereits 455 Millionen Euro Buße zahlen.