Milliardenreserven Apple zahlt erstmals seit 1995 eine Dividende

Apple schwimmt im Geld: Fast 100 Milliarden Dollar hat der wertvollste Konzern der Welt auf der hohen Kante. Es ist mehr als Apple braucht, hat das Unternehmen nun entschieden - und schüttet erstmals seit vielen Jahren wieder Geld an seine Eigentümer aus. Trotzdem soll genug Geld für Innovationen bleiben, verspricht der Chef Tim Cook.

Die Kunden bejubeln jedes neue Apple-Produkt - jetzt haben auch die Eigentümer des Konzerns Grund zur Freude: Das Unternehmen zahlt eine Dividende, die erste seit 17 Jahren.

Damit bricht der Apple-Chef Tim Cook mit der Philosophie seines Vorgängers Steve Jobs. Unter ihm galt: keine Dividende, keine Ausschüttung an die Aktionäre. Mit den Geldreserven entwickelte er lieber Produkte, die den Markt aufmischten und durcheinanderwirbelten - wie das iPhone oder das iPad.

Trotz der Kosten für solche Innovationen hat Apple gigantische Reserven angehäuft, fast 100 Milliarden Dollar. "Das ist mehr, als wir brauchen", hatte Cook zuletzt gesagt. Das dachten sich auch die Aktionäre und erhöhten den Druck auf das Unternehmen, das Geld auszuzahlen.

Das wird nun geschehen. Der Konzern kündigte am Montag eine Quartalsdividende in Höhe von 2,65 Dollar je Aktie an. Die Ausschüttung soll erstmals im vierten Quartal des Finanzjahres 2012 erfolgen, das am 1. Juli beginnt. Insgesamt sollen binnen drei Jahren 45 Milliarden Dollar an die Aktionäre ausgeschüttet werden.

Die Anleger reagierten zunächst kühl: Der Kurs der Apple-Aktie verlor am Montag etwas von seinen frühen Gewinnen, nachdem Apple die Höhe der Dividende bekanntgegeben hatte. Kurz darauf zog das Papier allerdings wieder an.

Es bleibt ja auch nicht nur bei der Dividende: Apple will in den kommenden Jahren auch noch Aktien im Wert von insgesamt zehn Milliarden Dollar zurückkaufen. In der Regel lässt dies den Aktienkurs steigen, weil die Nachfrage nach dem Papier entsprechend nach oben geht.

Der Kurs der Firma kannte ohnehin zuletzt fast nur noch eine Richtung: aufwärts. Vergangene Woche durchbrach das Papier erstmals die Marke von 600 Dollar pro Aktie. Apple ist, gemessen am Börsenwert, 500 Milliarden Dollar schwer.

Der Konzern ist wie das iPad - de facto einzigartig in seiner Klasse

Ein Analyst von JP Morgan sagte deswegen vor kurzem: Apple gehört nicht mehr zur IT-Industrie, sondern ist eine eigene Branche, weil sonst Vergleiche zwischen den Sektoren komplett verzerrt werden. Apple ist größer als etwa alle Telekommunikationskonzerne im S&P-500-Index.

Apple ist also de facto wie das iPad geworden - eine eigene Klasse, außerhalb jeder Relation. Dass nun eine Dividende gezahlt wird, holt Apple ein wenig zurück in die Realität. Denn ordentliche Ausschüttungen sind bei vielen Konzernen üblich, die in einem gereiften Markt agieren und nicht mehr unermesslich wachsen werden - was sich oft auch in einem mehr oder weniger stagnierenden Aktienkurs zeigt.

Apple peilt an, etwa zehn Milliarden Dollar pro Jahr auszuzahlen. Das klingt viel, gemessen am Aktienkurs sind es jedoch zwei Prozent, was einer mäßigen Rendite entspricht. Microsoft und Intel etwa zahlen mehr.

Apple will innovativ bleiben

Apple wird nur die in den USA erwirtschafteten Reserven für die Dividende heranziehen, dabei liegt ein Großteil des Geldes im Ausland - es werden eben auf der ganzen Welt Apple-Produkte gekauft. Würde die Firma dieses Geld in die USA überführen, müsste sie darauf Steuern zahlen. Das will Apple vermeiden.

Doch die Dividende soll nicht das Einzige sein, was die Investoren positiv stimmen soll. In einer Telefonkonferenz für Investoren betonte Apple-Chef Cook, dass Apple weiter wachsen wolle: Der Konzern investiere, etwa im Vertrieb. 40 neue Läden sollen dieses Jahr entstehen. Der Smartphone-Markt sei außerdem weiterhin auf Expansionskurs. Die Investoren hakten auf der Telefonkonferenz nach, wie gut sich denn das neue iPad am ersten Wochenende verkauft habe - Cook sprach von einem "Rekordwochenende". Konkrete Zahlen nannte er nicht.

Die für Apple so charakteristische Innovationsfähigkeit soll unter dem Cash-Abfluss nicht leiden, sagte Cook. "Da werden keine Türen geschlossen." Die Pipeline für neue Produkte und Weiterentwicklungen sei voll, Reserven blieben dafür groß genug.

Linktipp: Die Begeisterung der Apple-Kunden für die Produkte aus dem Haus ist bekannt. Wie effektiv das Marketing gerade auch bei Weiterentwicklungen funktioniert, zeigen die Tech-Blogger von Gizmodo in einem Video. Sie gaben Kollegen ein iPad, ein vermeintlich neues. Die Kollegen liebten und priesen es. Dabei war es einfach das alte iPad.