Manipulation des Libor-Zinssatzes Ermittlungen gegen drei europäische Großbanken

Der Skandal um die Manipulation des Leitzinssatzes Libor weitet sich aus: Einem Agenturbericht zufolge konzentrieren sich die Ermittler neben der britischen Barclays jetzt auf zwei weitere europäische Großbanken. Offenbar waren die Händler gut vernetzt. Die deutsche Finanzaufsicht will nun schärfer kontrollieren.

Im Skandal um die Manipulation des wichtigen Zinsssatzes Libor kommen immer mehr Details ans Licht. Im Kern der Ermittlungen stehen offenbar Händler von drei europäischen Großbanken, wie aus verschiedenen Dokumenten, die die Nachrichtenagentur Reuters einsehen konnte, hervorgeht.

Es kristallisierte sich demnach heraus, dass neben Barclays auch die britische Royal Bank of Scotland sowie die Schweizer UBS eine zentrale Rolle in dem Skandal spielten. Bislang konzentrierte sich die Aufmerksamkeit hauptsächlich auf die britische Barclays, die als erstes Geldhaus ein Fehlverhalten einräumte. Mit den Aufsichtsbehörden aus Großbritannien und den USA einigte sich die Bank auf eine Strafzahlung von knapp einer halben Milliarde Dollar.

Bei den Ermittlungen geht es um den internationalen Referenz-Zinssatz Libor, den insgesamt mehr als ein Dutzend Banken in den Jahren 2005 bis 2009 zu ihrem eigenen Vorteil manipuliert haben sollen. Weltweit gehen Regulierer derzeit der Frage nach, ob einzelne Händlerringe hinter den Tricksereien stehen oder ob die Führungsebene in den jeweiligen Banken in die Vorgänge eingeweiht war.

Auch die Deutsche Bank ist von den Ermittlungen betroffen. Das Pendant zum Libor in der Euro-Zone, der Euribor, ist nach Erkenntnissen der EU-Kommission wahrscheinlich auch manipuliert worden.

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin plant daher einem Bericht des Spiegel zufolge, deutsche Banken künftig schärfer zu kontrollieren. Demnach mussten acht Kreditinstitute bereits ihre Berechnung des Euribor offenlegen. Die Deutsche Bank will die BaFin in Zukunft mit drei oder vier Referaten beaufsichtigen.

Die drei Banken, die nach Reuters-Angaben im Mittelpunkt der internationalen Ermittlungen stehen, beschäftigten mehr als ein Dutzend Händler, die Referenz-Zinssätze in Dollar, Euro oder Yen beeinflussen wollten. Da einige dieser Händler für mehrere in den Skandal involvierte Banken gearbeitet haben, entstand offenbar ein Netzwerk, mit dem sich die Manipulationen mit jedem Arbeitsplatzwechsel weiter manifestierten.

Einer dieser Händler arbeitete beispielsweise von März 2006 bis Oktober 2009 bei Barclays. Derzeit hat er eine ähnliche Position bei UBS in den USA inne. Und zwei Händler bei der Royal Bank of Scotland sollen einem UBS-Kollegen bei der Manipulation des Zinssatzes Libor in Yen geholfen haben. Keiner der in den Papieren genannten Händler war für eine Stellungnahme zu erreichen. Auch die Banken wollten sich nicht dazu äußern.

Zu den Dokumenten, die Reuters einsehen konnte, gehörten Gerichtsunterlagen der kanadischen Regulierungsbehörden, Unterlagen zum Vergleich von Barclays mit dem Justizministerium und Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien sowie eine Privatklage eines früheren Angestellten der Royal Bank of Scotland in Singapur.

Anfang der Woche verlautete aus Justizkreisen, dass Ermittler in Europa und den USA vor den ersten Festnahmen von Händlern stehen. Die Anklagen würden vorbereitet.