Banker und Manager am Pranger: Die Spitzenkräfte der deutschen Wirtschaft müssen massiv Kritik einstecken - das ist unfair und unklug.
In den vornehmen Vororten von New York fürchten Wall-Street-Banker um ihre Sicherheit. Der Volkszorn staut sich auf gegen die Gauner, die diese Weltfinanzkrise angerichtet haben, die blitzschnell zu einer Weltwirtschaftskrise geworden ist und sich vielleicht noch in eine Weltwährungskrise steigert. In Deutschland müssen die Mitarbeiter der großen Bankkonzerne und der Landesbanken, der Hypo Real Estate und der Finanzinvestoren noch nicht mit Tätlichkeiten rechnen. Aber die verbale Gewalt an den Stammtischen und in den Talkshows wächst.
Manager in der Kritik: Die verbalen Angriffe nehmen zu. (© Foto: dpa)
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Die Banker, die Manager, die Unternehmer schlechthin gelten als Totengräber des Systems, und die öffentliche Verachtung streut mindestens unabsichtlich bis ins mittlere oder sogar untere Management. Betroffene können schon froh sein, wenn sie nicht zu Verbrechern ("Bangstern") erklärt werden, sondern nur zu Dummköpfen. In diesen Chor stimmen mittlerweile fast alle ein, selbst der Bundespräsident Horst Köhler, der ehemals ein führendes Mitglied der Finanzwelt war und jetzt mitunter den Eindruck erweckt, als habe er die Verirrungen des Turbo-Kapitalismus früh erkannt und bekämpft - nur eben leider vergebens. Die heftige Kritik ist unmäßig, vielfach unfair, und sie ist gefährlich.
Unfair, weil viele der in der Wirtschaft Tätigen ganz sicher keine Schuld an der Entwicklung haben. Nicht einmal alle Banker, und übrigens auch nicht alle Vorstände, sind mitverantwortlich für die Entgleisungen des Kreditgeschäfts, deren Folgen uns derzeit quälen.
In den Vereinigten Staaten hat jetzt ein Spezialist der ehemals weltgrößten Versicherung AIG, die durch artfremde waghalsige Spekulationen in den Abgrund gestürzt ist, seinem Frust freien Lauf gelassen und sich in einem offenen Brief über öffentliches Mobbing beklagt. Partout will der Mann, der im "seriösen" Bereich der Versicherung gearbeitet hat, seine Boni nicht zurückzahlen (sondern spenden), die er zusammen mit vielen anderen trotz Krise noch erhalten hat und um die es heftigsten öffentlichen Streit gibt. Er habe sich dieses Geld verdient, beharrt er trotzig, weil er geholfen habe, die Versicherung vor dem Schlimmsten zu bewahren, in hektischen 14, 16 Stunden langen Arbeitstagen. Auch in Deutschland gibt es viele Mitarbeiter von Banken, Autokonzernen, Maschinenbauern, die keine Fehler gemacht, sondern beigetragen haben, dass die Lage nicht noch schlimmer wurde als ohnehin.
Deshalb ist die jetzt allgemein übliche Verdammung sämtlicher Bonus-Zahlungen kurzsichtig. Für gute Arbeit sollte es weiterhin Zusatzhonorar geben, für schlechte allerdings muss es Abstriche geben. So schwierig es ist, diese Unterscheidung rechtlich zu fassen, so schwierig ist offenbar eine differenzierte Diskussion insgesamt. Ohne die Erfahrung und den Leistungswillen vieler der jetzt pauschal Angegriffenen wird sich die deutsche Wirtschaft nach Ende der Krise nicht wieder aufrichten.
- Wirtschaft in der Krise Die französische Revolution 25.03.2009
- USA: Obama und AIG Es geht doch - Bonibanker zahlen Geld zurück 24.03.2009
- AIG: Streit um Millionenboni Aufstand der Pleite-Manager 26.03.2009
- AIG: Bonizahlungen am Pranger Manager geben klein bei 19.03.2009
- Leistungsanreize Boni und Mali 17.02.2009
(SZ vom 27.03.2009/mel)
Demonstrationen in Hamburg
"Kritik ist unfair und unklug?"
Nein, es ist gerecht und notwendig. Nach Bibel, Strafgesetzbuch und moralischen Maßstäben ist sogar mehr als nur "Kritik" notwendig: Aus dem Tempel jagen, vor Gericht stellen, öffentliche Verachtung, all dies wäre angemessen.
Sie haben es auf den Punkt gebracht. Viel mehr ist da eigentlich nicht hinzuzufügen.
Vielleicht nur noch das Sprichwort von den Krähen und deren Augen.
da effizient, rechtlich einwandfrei, für die gerade richtigen desaströs und für den Rest durchaus erträglich wäre die Lösung, die die sogenannten "Verantwortlichen" scheuen, wie der Teufel das Weihwasser:
Die betroffenen Banken in Konkurs gehen lassen. Mit Lehmann ist das Kind schon in Brunnen gefallen, jetzt braucht keiner mehr ein Netz darüber zu spannen.
Folgen:
a) Die Konkursmasse kann der Staat immer noch übernehmen, die Geschäfte am Laufen halten und die Institute später wieder privatisieren.
b) Keiner der nadelstreifentragenden Sozial- und Wirtschaftsverbrecher hätte noch irgendwelche Ansprüche auf Leistungen.
c) Man kann die gesamte Führungsriege schmerzlos entmachten.
d) Schattengesellschaften können einfach abgewickelt werden.
e) Allen wäre klar, daß das der aktuellen Situation vorangegangene Fehlverhalten kein Kavaliersdelikt war, sondern ein Kapitalverbrechen (im direkten Sinne und nicht im Sinne des Wortspiels eines früheren Spiegelartikels).
Gegenstimmen werden nun schreien das sei alles Quatsch und würde das System kollabieren lassen. Diese Irrköpfe haben noch nicht kapiert, daß dieses System der freien und unregulierten Geldwirtschaft bereits kollabiert ist. Die Realwirtschaft kriegt bereits kein Geld mehr, Bürgschaften hin oder her. Der Interbankengeldmarkt ist tot und aus. Sonst wären diese horrenden Bürgschaften nicht nötig. Und daß Goldman Sachs erst über 10 Milliarden Dollar vom Statt annimmt um nun 1,7 Milliarden "Gewinn" auszuweisen spricht für sich selbst. Ich lese da eher mindestens 8,3 Milliarden Verlust.
Das ist doch alles zum K...
PS: Der damalige amerikanische Finanzminister hat ja, wie Gerüchte besagen, Lehman aus niederen persönlichen Bewegründen kollabieren lassen. Es heißt, er war früher Manager eines Lehman Konkurrenten und wollte diesem damit einen ebensolchen vom Hals schaffen. Wie heißt dieser Konkurrent wohl? Richtig - G.S.
Zitat: "Unfair, weil viele der in der Wirtschaft Tätigen ganz sicher keine Schuld an der Entwicklung haben. Nicht einmal alle Banker, und übrigens auch nicht alle Vorstände, sind mitverantwortlich für die Entgleisungen des Kreditgeschäfts, deren Folgen uns derzeit quälen."
Ganz sicher nicht? Der Leser möchte sich mal folgende Frage beantworten: Welches Rädchen im Getriebe eines Uhrwerks ist dafür verantwortlich, daß die Zeit korrekt angezeigt werden kann? Antwort: Jedes. Jedes noch so kleines Rädchen.
Fakt ist, daß es keinen interessiert hat, was wie das Wirtschaftssystem sich entwickelt. Es war lediglich von Interesse, welche Erfolge man für das eigene Unternehmen erzielt hat. Das war der Maßstab aller - Angefangen bei den Vorständen bis hin zum kleinen Angestellten. Geschäftemacherei wurden über jegliche Moral gestellt. Wer behauptet, im Bankwesen mitgeholfen zu haben, die Krise zu schaffen, ist ein naiver Dummkopf oder ein verlogener Hund - je nach Wissensstand.
... wagt sich mittlerweile nicht mehr auf die Strasse, heißt er doch heute Facility MANAGER, dabei macht der Mann einen wirklich tollen Job!
Daran sieht man, dass der Titel "Manager" in der letzen Zeit eine inflatorische Entwicklung erlebt hat.
Zum Teil wurden frühere Sachbearbeiter-Posten mit Manager-Titel künstlich aufgewertet... Wozu? Frage ich mich? Damit die Gehälter erhöht werden konnten, weil zu Zeiten immer flacher werdenden Hierarchien leitende Funktionen immer rarer werden?
;-)
scw
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