Klagen gegen Wulff-Freund Groenewold Gebt uns das Geld zurück!

Bekannt geworden ist der Film-Unternehmer David Groenewold als Freund von Bundespräsident Christian Wulff. 2900 Privatinvestoren haben Groenewold rund 100 Millionen Euro für Filmfonds anvertraut. Er soll sie nicht immer richtig informiert haben, nun klagen Investoren. Wulff machte sich für solche Fonds stark - und erwähnte vor Publikum die Anlage seines Intimus.

Von Markus Zydra, Frankfurt

Christian Wulff, damals noch Ministerpräsident, war restlos begeistert. Der Film "Das Wunder von Lengede" zeige, dass "wir in Niedersachsen gute Erfahrungen mit dem Fonds ,German Film Productions' gemacht haben". Diesen Satz soll Wulff nach Berichten des NDR am 7. Juli 2005 auf einem Empfang anlässlich des Deutschen Filmpreises in Berlin gesagt haben. Es war wohl eine mutige Aussage.

Der Mann hinter der Firma German Film Productions (GFP) ist der Geschäftsmann David Groenewold. Das Land Niedersachsen gab dem Filmunternehmer zwei Jahre später eine Landesbürgschaft in Höhe von vier Millionen Euro. Ebenfalls 2007 bezahlte Groenewold dem heutigen Bundespräsidenten einen Luxus-Kurzurlaub auf Sylt, die Kosten hat Wulff nach eigenen Angaben sofort in bar zurückerstattet. All diese Verbindungen haben in den vergangenen Wochen den Namen Groenewold einem größeren Publikum bekannt gemacht.

Vorher war er ein eher schillernder Unternehmer der Filmbranche, ein Hansdampf, der Anlegern Angebote machte.

So hat Groenewold bei 2900 Privatinvestoren rund 100 Millionen Euro für seine drei Filmfonds GFP I - III eingesammelt. Prominente Werke konnten so finanziert werden, etwa "Elementarteilchen" und "Neues vom Wixxer". Dennoch haben die beiden letzten Fonds bislang kein Geld ausgeschüttet - es droht vielmehr ein hoher Verlust.

Einige Sparer haben Groenewold deshalb nach Informationen der Süddeutschen Zeitung verklagt. Bereits 2009 ist die erste Klage eingereicht worden. Die Anleger wollen Geld zurück, fühlen sich geneppt. Am 29. Februar soll der erste Fall vor dem Landgericht Berlin verhandelt werden. Es geht dabei um einen Schadenersatz in Höhe von 18 750 Euro. Die Betroffenen, vermögende Personen, haben Summen bis zu 100 000 Euro investiert. Für die Kläger tritt Anwalt Stefan Herbasch von der Münchner Kanzlei Mattil auf.

David Groenewold hat im Prospekt für den GFP-Fonds II verschwiegen, dass er und Familienmitglieder über andere Firmen finanziell von den Fonds profitiert haben", erklärt Klägeranwalt Herbasch. Es gehe um die Firmen Promedium, IFL und UTG, denen nach Ansicht der Kläger Aufträge zugeschustert worden sind. Die Einnahmen daraus für Groenewold und seine Familienmitglieder hätten sich auf über 15 Prozent der Eigenkapitaleinlagen der Sparer belaufen, etwa 7,5 Millionen Euro.

Groenewolds Anwalt weist Vorwürfe zurück: "Die Verträge mit der IFL waren zum Zeitpunkt der Prospekterstellung noch nicht geschlossen", sagt Bernhard Koplin, Partner der Kanzlei Severin in Berlin. Zudem hätten die Gesellschafter später selbst dem Abschluss der Verträge mit der IFL und UTG mehrheitlich zugestimmt.

Groenewold wurde im Jahr 2010 vom Landgericht Berlin zu Schadenersatz verurteilt. Als Teilhaber der Promedium Asset Management - die nichts mit dem Filmfonds zu tun hat - empfahl er einer Schauspielerin, einen siebenstelligen Betrag in diese Vermögensverwaltung zu stecken. Weil das Geld plötzlich weg war, klagte sie gegen Groenewold, der angeblich versprochen hatte, für die Verluste geradezustehen. Das Urteil wurde nicht rechtskräftig, es kam zu einer Einigung. Groenewold fühlte sich damals von dem zu Gefängnis verurteilten Promedium-Geschäftsführer hintergangen - und stellte Strafanzeige.

Offenbar ein schwieriges Gewerbe. Als der Christdemokrat Wulff damals nach NDR-Angaben vor mehr als 170 Gästen aus der Filmwirtschaft sprach, machte er Werbung für das Metier. Er würde es begrüßen, "wenn es eine Regelung gäbe, die Investoren Anreize bietet, um Privatkapital zielgerichtet in deutsche Produktionen zu lenken", sagte er. Dann erwähnte Wulff die GFP.

Ein ungünstiger Zeitpunkt - wenige Monate später sollte der Gesetzgeber die Steuervorteile für solche Fondsprodukte abschaffen. Und darum war es ja bei Film- und Medienfonds gegangen: Steuern zu sparen. Mit dem Profit der Filmfonds aber haperte es oft. Gelder flossen in die falschen Projekte, Hollywood sprach vom "stupid German money", vom "dummen Geld" der Deutschen. Die machten sich ein Späßchen daraus, dem Fiskus ein Schnippchen zu schlagen und wurden zum Opfer des Filmmarkts.

Und Christian Wulff sprach dazu.