Kfz-Versicherung Spareffekte für Autofahrer

Preisbewusste Kunden können ihre Kfz-Prämien reduzieren, wenn sie Tarifmerkmale wie Schadenfreiheitsklasse oder Nutzeralter vergleichen.

Von Anne-Christin Gröger, Köln

Wer sein Auto in einer abschließbaren Einzelgarage abstellt, spart Versicherungsprämie. Wer eine Fahrkarte für den öffentlichen Nahverkehr besitzt, spart auch. Und wer sich mit einem der neuen Telematik-Tarife per Blackbox vom Versicherer überwachen lässt, kann ebenfalls ordentlich Prämien einsparen - wenn er vorsichtig fährt. Keine Frage, in der jährlichen Wechselschlacht lassen sich Autoversicherer allerhand einfallen, um mit Prämiennachlässen bei Kfz-Policen gegenüber der Konkurrenz zu punkten und Neukunden zu gewinnen. Allerdings bringen diese Rabatte nur kleine Spareffekte, sagt Versicherungsmathematiker Onnen Siems von der Kölner Beratungsgesellschaft Meyerthole Siems Kohlruss. Sinnvoller sei es deshalb, bei den sogenannten Tarifmerkmalen anzusetzen. Verbraucher sollten sich diese genau anschauen, sie haben noch bis zum 30. November die Möglichkeit, ihre Kfz-Versicherung zu wechseln.

Welche Tarifmerkmale sind in diesem Zusammenhang wichtig?

"Deutlich wirksamer als Rabattaktionen ist ein kluger Umgang mit den sogenannten Tarifmerkmalen", sagt Siems. "Wer bei der Kfz-Versicherung sparen will, ohne Leistung einzubüßen, sollte die Tarifmerkmale Schadenfreiheitsklasse, Nutzeralter oder Typklasse beachten."

Was ist die Schadenfreiheitsklasse?

Über die Schadenfreiheitsklasse (SF-Klasse) bewerten Versicherer in der Kfz-Haftpflicht- und Vollkaskoversicherung das Schadenrisiko. Ausschlaggebende Faktoren sind unfallfrei gefahrene Jahre und das Fahreralter. Fahranfänger zahlen dabei aufgrund ihrer geringen Erfahrung am Steuer besonders viel. Hier lohnt es sich, die Konditionen der Gesellschaften genau zu vergleichen, empfiehlt Siems. "Versicherer handhaben die Ersteinstufung von Fahranfängern unterschiedlich." Bei manchen Gesellschaften kommen junge Fahrer zunächst in die SF-Klasse 0, bei der die Prämien besonders hoch sind. Andere Versicherer stufen junge Leute gleich in die SF-Klasse 1 ein. "Der Preisunterschied zwischen beiden Stufen kann mehrere Hundert Euro in der Jahresprämie betragen", sagt Siems.

Wo können junge Fahrer noch sparen?

Eine Alternative für Fahranfänger kann es sein, die Autoversicherung über die Eltern laufen zu lassen. Der Direktversicherer Cosmos-Direkt rät dazu: Eltern von Führerschein-Neulingen können das Auto ihres Kindes als Zweitwagen anmelden. Dadurch bestehe die Möglichkeit, die nachteilige SF-Klasse zu umgehen. "Der Zweitwagen wird direkt mit SF-Klasse 0,5 eingestuft", heißt es bei dem Versicherer. Bis zu 20 Prozent ließen sich auf diese Weise im Vergleich zu einer separaten Kfz-Police sparen. Die Eltern sind also Fahrzeughalter, und das Kind wird lediglich als Fahrer eingetragen.

Welches Sparpotenzial bietet die Übertragung des Schadenfreiheitsrabattes?

"Die Prämie kann deutlich sinken, wenn Schadenfreiheitsrabatte übertragen werden", sagt Versicherungsmathematiker Siems. Eine Übertragung ist allerdings nur unter nahen Verwandten möglich. Das kann also beispielsweise in solchen Fällen sinnvoll sein, in denen sich die Großmutter aus Altersgründen nicht mehr ans Steuer setzen möchte, aber lange Jahre unfallfrei gefahren ist.

An welche Verwandten kann man den Rabatt übertragen?

Die meisten Versicherer lassen eine Übertragung von den Eltern auf die Kinder zu, manche auch von Großeltern auf Enkel. Kunden sollten bei ihrem Anbieter nachfragen. Allerdings können nur so viele schadenfreie Jahre übertragen werden, wie der neue Fahrer selbst hätte erreichen können. Wer seit sieben Jahren einen Führerschein besitzt, kann auch maximal sieben schadenfreie Jahre übernehmen. Die Rabatte gibt es nur in der Haftpflicht- und Vollkaskoversicherung, nicht in der Teilkasko. Das Vergleichsportal Verivox weist darauf hin, dass eine Übertragung nicht rückgängig gemacht werden kann.

Was hat es mit der Typklasse auf sich?

Die Typklasse des Wagens beeinflusst die Höhe der Versicherungsprämien. Die Versicherer stufen Autos mit viel PS und typische Anfängerautos höher ein. Auch Fahrzeuge, die statistisch gesehen häufig gestohlen oder in Unfälle verwickelt werden, bekommen eine hohe Typklasse. Deswegen lässt sich schon beim Erwerben des Fahrzeugs die künftige Versicherungsprämie beeinflussen. "Beim Autokauf kann es sinnvoll sein, sich für einen ähnlichen Neuwagen in einer billigeren Typklasse zu entscheiden", sagt er. "So kann eine Mercedes GLE-Klasse mit einer Vollkaskotypklasse 27 deutlich billiger zu versichern sein als ein vergleichbarer Range Rover mit Typklasse 34." Fahranfänger können beim Autokauf dadurch sparen, dass sie sich für einen Wagen mit niedriger Typklasse entscheiden.

Wie bekomme ich die Typklasse meines Wunschautos heraus?

Beim Klassenverzeichnis des Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft. Es ist online auf www.gdv.de verfügbar.

Was gilt für Policen für Oldtimer?

Sie sind günstiger zu haben als Verträge für Neuwagen. "Wer einen nostalgischen Wagen besitzt, fährt besonders umsichtig und nutzt das Fahrzeug meist nicht im Alltag", so Siems. Das honorieren auch die Versicherer.