Kassenvergleich von Stiftung Warentest Privat wird's teuer

Private Krankenversicherung lohnt sich vor allem für Beamte.

(Foto: dpa-tmn)

Kostenfalle private Krankenversicherung? Zumindest für viele Versicherte im Alter - zu diesem Schluss kommt Stiftung Warentest. Die Beiträge könnten sich bis dahin verdreifachen. Nur für eine Gruppe scheint sich der Wechsel uneingeschränkt zu lohnen.

Von Daniela Kuhr, Berlin

Es ist eine klare Botschaft, die die Stiftung Warentest am Dienstag verbreitet: Eine private Krankenversicherung kann den Ruin bedeuten! Vom Eintritt mit 35 Jahren bis zur Rente mit 67 Jahren könnten sich die Beiträge locker verdreifachen, warnt Herrmann-Josef Tenhagen, Chefredakteur der von der Stiftung herausgegebenen Zeitschrift Finanztest.

Rentner müssten dann also Monat für Monat deutlich mehr als 1000 Euro für ihre Krankenversicherung zahlen. "In der Praxis bedeutet dies, dass Angestellte und Selbständige für den Ruhestand eine sechsstellige Summe zur Deckung ihrer Krankenversicherungskosten ansparen oder zur Verfügung haben müssen", mahnt Tenhagen.

Und obwohl nach solchen Aussagen bei den meisten das Interesse an einer privaten Krankenversicherung (PKV) verflogen sein dürfte, hat Finanztest sich dennoch die Mühe gemacht, die aktuellen Angebote miteinander zu vergleichen. Dabei sollten die Versicherungen folgende Mindestleistungen erbringen: Ein Zweibettzimmer mit Chefarztbehandlung - während die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) nur Mehrbettzimmer erstattet sowie die Behandlung durch den diensthabenden Krankenhausarzt.

Teuer heißt nicht gut

Zudem sollten Zahnbehandlungen zu 90 Prozent übernommen werden - während die GKV zwar 100 Prozent erstattet, aber beispielsweise nur die Kosten für Amalgamfüllungen, nicht jedoch für Kunststofffüllungen. Inlays und Zahnersatz sollten zu 65 Prozent erstattet werden - während die GKV hier lediglich Zuschüsse leistet. Und schließlich sollte eine ambulante Psychotherapie zu 70 Prozent für 50 Sitzungen im Jahr bezahlt werden - während die GKV in der Regel maximal 160 Sitzungen je Behandlung erstattet.

Das Ergebnis: Für Angestellte haben die Huk-Coburg sowie die Provinzial Hannover ein Angebot, das "sehr gut" abschnitt. Für Selbständige machte ebenfalls die Provinzial Hannover das beste Angebot. Und für Beamte schnitten Tarife der Huk Coburg sowie der Concordia am besten ab. Hinzu kamen 29 "gute" Angebote, 51 "befriedigende" und 14 "ausreichende". Nur "mangelhaft" bekamen Tarife der Central, Mannheimer, Münchener Verein sowie der UKV. Bei den Beamten schnitt zudem ein Tarif der Gothaer mit "mangelhaft" ab.

Die Höhe der Beiträge schwankte dabei beträchtlich. So muss der 35 Jahre alte Modellkunde bei einem Tarif der Provinzial Hannover monatlich 436 Euro zahlen bei einer jährlichen Selbstbeteiligung von 450 Euro - während ihn ein Tarif der UKV monatlich ganze 804 Euro kostet bei einer jährlichen Selbstbeteiligung von 320 Euro. Da jedoch der bloße Preis noch nichts darüber aussagt, ob ein Tarif gut oder schlecht ist, verglichen die Tester auch die jeweils angebotenen Leistungen. Dabei zeigte sich: Der günstige Tarif der Huk bot zudem mehr Leistung als der teure Tarif der UKV.

Weniger Sparpotential als früher

Früher sei vor allem der Wunsch, Geld zu sparen, ein Motiv gewesen, um in die private Krankenversicherung zu wechseln, stellen die Experten von Finanztest fest. Dieses Sparpotenzial sei jedoch "erheblich geschrumpft". Vor allem wegen der Gesundheitsreformen, aber auch wegen der Unisex-Tarife, die seit Ende 2012 Pflicht sind - und die die PKV für Männer deutlich teurer gemacht haben.

Nach Ansicht der Tester gibt es nur eine Berufsgruppe, für die sich die PKV regelmäßig eignet: die Beamten. Weil sich bei ihnen der Dienstherr über die Beihilfe an den Kosten beteiligt, können sie tatsächlich im Vergleich zur GKV deutlich Geld sparen. "Für sie ist die private Krankenversicherung uneingeschränkt zu empfehlen", stellt Tenhagen fest. Alle anderen sollten sich gut überlegen, ob sie sich das höhere Leistungsniveau der PKV im Alter "denn überhaupt noch leisten könnten".

Auch ein Wechsel in den Basistarif helfe nicht weiter, meinen die Experten. Dabei handelt es sich um einen Tarif, der etwa den Leistungen der GKV entspricht und nicht mehr kosten darf als der Höchstbeitrag in der GKV. Da sich dieser jedoch nach Meinung der Tester in den kommenden 30 Jahren ebenfalls verdreifachen werde, könne er dann gut 1800 Euro betragen. Daher raten sie dringend, schon jetzt monatlich einen dreistelligen Betrag in einen Sparvertrag zu überweisen. Andernfalls würden "Angestellte und Selbstständige sehenden Auges in ein Finanzierungsproblem" steuern, "das sich dann kaum noch lösen lässt".