Kampf um Marktanteile nach Schlecker-Pleite Rossmann setzt Lieferanten unter Druck

Die Schlecker-Insolvenz verschiebt die Macht im Drogeriemarkt. Die ehemaligen Kunden des Ex-Marktführers suchen bei der Konkurrenz vor allem günstige Produkte. Rossmann will seinen Lieferanten daher nun Preisnachlässe aufzwingen.

Eine Mitarbeiterin in einer Rossmann-Filiale bei Hannover sortiert Waren in ein Regal (Archivbild). Nach der Schlecker-Pleite setzen die Konkurrenten nun verstärkt auf günstige Eigenmarken.

(Foto: dapd)

Der deutsche Drogeriemarkt ist in Bewegung. Seit der Schlecker-Pleite versuchen die Konkurrenten sich jeweils ein möglichst großes Stück vom Markt zu sichern. Etwa vier Milliarden Euro Umsatz hatte Schlecker vor der Insolvenz gemacht - diese Käufer gehen jetzt in neue Drogeriemärkte. Die haben nach dem Verschwinden von Schlecker eine bessere Marktposition gegenüber den Lieferanten.

Rossmann, der zur Nummer zwei in Deutschland aufgestiegen ist, versucht nun Druck auf seine Lieferanten auszüben. Das Unternehmen will die Einkaufspreise um bis zu zehn Prozent senken. Das geht aus einem Brief von Rossmann an die Hersteller hervor, über den das Handelsblatt berichtet.

Die Reaktion bei den Adressaten des Schreibens ist geteilt. Einige zeigten sich entsetzt: Weitere Senkungen würden die Existenz mancher Hersteller bedrohen, sagte ein Lieferant dem Handelsblatt. Schon im vergangenen Jahr seien zusätzliche Kosten entstanden, nachdem Rossmann eine verbindliche Qualitätskontrolle eingeführt habe. Gemeinsam mit anderen Herstellern wolle man sich nun gegen die Forderung wehren.

Andere Lieferanten sehen den Vorstoß der Drogeriemarktkette hingegen weniger kritisch."Wir verhandeln hart mit Rossmann, aber immer fair", zitiert die Zeitung einen Produzenten.

Rossmann glaubt offenbar, ehemalige Schlecker-Kunden vor allem mit günstigen Angeboten aus dem eigenen Haus ködern zu können. Die kennen bislang nur die weniger attraktiven Produkte der Schlecker-Eigenmarke AS, sagte ein Marktforscher dem Handelsblatt. Sie seien nun an qualitativ hochwertigen, aber vor allem günstigen Eigenmarken der Konkurrenz interessiert, erklärte der Experte.

Deshalb setzt auch Marktführer dm verstärkt auf eigene Produkte. Preisnachlässe verlangt das Unternehmen nach eigenen Angaben nicht von seinen Lieferanten. "Auch über dm kursieren Anekdoten über Verhandlungen, bei denen Schmerzgrenze kein abstrakter Begriff blieb", notierte allerdings vor kurzem das Wirtschaftsmagazin brand eins.

Die Schlecker-Pleite hat dm zu starkem Umsatzwachstum verholfen: Das Unternehmen hat seinen Jahresumsatz um 11,3 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro gesteigert. "Teilweise lagen die Zuwächse bei 20 Prozent", sagte dm-Chef Erich Harsch bei der Bilanzpressekonferenz. Auf dem deutschen Markt erreichte dm im abgelaufenen Geschäftsjahr 2011/2012 ein Wachstumsplus von 14 Prozent und erwirtschaftete einen Umsatz auf 5,1 Milliarden Euro. Über den Gewinn macht das Unternehmen traditionell keine Angaben.