Kampf gegen Missbrauch von Testergebnissen Stiftung Warentest führt Lizenzgebühr für Gütesiegel ein

Bisher war es ein echtes Schnäppchen, doch in Zukunft wird das Test-Siegel der Stiftung Warentest richtig teuer: 7000 bis 15.000 Euro muss künftig an die Verbraucherorganisation zahlen, wer mit deren Kennzeichnung werben will. Die Stiftung will damit gegen den Missbrauch ihrer Testurteile vorgehen. Denn oft genug werden die Kunden getäuscht.

Von Antonie Rietzschel

"Sehr gut" oder "Gut" - das Urteil der Stiftung Warentest ist für die Hersteller von elektrischen Zahnbürsten oder Haarshampoos aber auch für Anbieter von Sprachkursen beste Reklame. Deswegen pappen sie das Siegel der Verbraucherorganisation in jede Anzeige und in jeden Fernsehspot, der das getestete Produkt umwirbt. Bisher bezahlten die Hersteller lediglich eine Bearbeitungsgebühr von 500 Euro und durften anschließend die Kennzeichnung jahrelang benutzen.

Doch damit soll jetzt Schluss sein. Denn wer ab 1. Juli Produkte mit dem Siegel bewirbt, muss jedes Jahr Lizenzgebühren zahlen. Das berichtete zunächst das Handelsblatt. Eine Sprecherin von Stiftung Warentest bestätigte dies gegenüber Süddeutsche.de. So werden bei Zeitungs- oder Onlinewerbung 7.000 Euro fällig, wer im Fernsehen oder Kino Spots zeigt, muss 15.000 Euro zahlen.

Mit der neuen Regelung wolle man den Missbrauch des Siegels verhindern, sagte die Sprecherin von Stiftung Warentest. "Einige Hersteller haben mit dem Siegel für Produkte geworben, die überhaupt nicht getestet worden waren. Andere benutzten es für neue Produktversionen". Teilweise würde mit Testergebnissen geworben, die aus den 90er Jahren stammen.

Mit der Vergabe der Lizenz hat die Verbraucherorganisation das gemeinnützige Unternehmen Ral beauftragt, die auch das Umweltzeichen "Blauer Engel" erteilt. Dessen Mitarbeiter sollen künftig darauf achten wer das Siegel wie einsetzt. Die Lizenz ist lediglich für zwei Jahre gültig. Jedes Jahr will die Stiftung Warentest außerdem Nachtests durchführen, wobei die Produkte daraufhin überprüft werden, ob sie noch dieselben Standards aufweisen. Wenn nicht, können sie das Siegel wieder verlieren.

Dass die Lizenzgebühr auch eine zusätzliche Einnahmequelle für die Verbraucherorganisation bieten könnte, streitet die Sprecherin nicht ab. "Wir können nicht einschätzen, wie viel Geld wir mit den Lizenzen wirklich verdienen", sagte sie. Der größte Teil würde dafür benutzt, die Produkte regelmäßig zu testen und die Werbung zu kontrollieren.