Jordan Belfort Der wahre Wolf der Wall Street

Leonardo DiCaprio in seiner Rolle als "Wolf of Wall Street". Alles sei exakt so gewesen, sagt der echte Belfort.

(Foto: Mary Cybulski/Universal)

Jordan Belfort ergaunerte sich Millionen. Dann musste er in den Knast. Seit Hollywood sein Leben verfilmt hat, ist er ein Star - und tourt um die Welt mit der Botschaft: "Money is wonderful."

Von Malte Conradi, Frankfurt

Als dem jungen Jordan Belfort ein komfortables Leben versprochen wird, steht er sofort auf - und geht. Denn er will mehr als ein komfortables Leben, viel mehr. Der junge Mann, der da in der Begrüßungsveranstaltung für angehende Zahnmediziner an der Uni Baltimore sitzt, will reich werden. Und zwar sofort.

Heute, 30 Jahre später, steht er auf der Bühne unter der prunkvollen Kuppel der Frankfurter Festhalle. Und als er diese Geschichte mehr brüllt als erzählt, flippen die Leute zum ersten Mal an diesem Abend aus. Für solche Geschichten lieben sie ihren Jordan - so nennen sie ihn, als sei er ein alter Freund. Schließlich haben sie alle dieses Ziel: reich werden. Nicht glücklich, nicht gelassen oder irgendwie ein besserer Mensch, sondern einfach nur reich wollen sie werden. Sonst kann man das ja nicht so offen zugeben, aber hier ist es okay. Auch der Jordan sagt es ja immer wieder: "Money is wonderful." Und als er seinen Zuhörern dann auch noch zuruft, es sei ganz einfach, reich zu werden, da hat er sie.

Schließlich ist er nicht irgendjemand, dieser Jordan Belfort, der da vorne in seinem gut geschnittenen schwarzen Anzug auf der Bühne steht. Nicht irgendeiner aus diesem Heer an Motivationstrainern, die mit ihren Vorträgen durchs Land reisen. Jordan Belfort, inzwischen 52, ist der Wolf. Sein exzessives Leben war die Vorlage für Martin Scorseses Blockbuster "The Wolf of Wall Street". Belfort wird darin von Leonardo DiCaprio gespielt, der Film ist der erfolgreichste in Scorseses sehr erfolgreicher Karriere. Nur Superlative bei Belfort.

Obszöne Orgie aus Geld, Drogen, Betrug und Größenwahn

Ob er wirklich jemals als Wolf bezeichnet wurde oder ob er sich den Titel selbst gegeben hat, ist nicht ganz klar. Aber es klingt gut, und als begnadeter Verkäufer weiß Belfort, wie wichtig so etwas ist. Natürlich nannte man ihn so, sagt Belfort. Genauso wie er beteuert, dass es so gewesen sei, wie der Film es zeigt, damals in den Neunzigern: eine obszöne Orgie aus Geld, Drogen, Betrug und Größenwahn.

Nachdem er vor einer Zukunft als Zahnarzt geflohen war, wurde er Fleischverkäufer zu Hause in New York. Mit einer Kühlbox zog er von Tür zu Tür. Gleich am ersten Tag pulverisierte er den Verkaufsrekord in der Firma. Nach ein paar Wochen machte er sich selbständig, nach einem Jahr hatte er ein Unternehmen mit 26 Lieferwagen. Eine typische Belfort-Story.

Dass er kurz darauf pleiteging, ist in seiner Erzählung nur der Auftakt zu einer noch besseren Geschichte. Denn was tut ein junger New Yorker ohne Ausbildung, der schnell reich werden will? Er geht an die Wall Street. Im Vorstellungsgespräch dreht er seinem Gesprächspartner eine Aktie an. Natürlich wäre er in der ehrwürdigen Brokerfirma bald ein erfolgreicher Händler geworden, vermutlich der beste an der Wall Street oder gleich der ganzen Welt. Doch sein erster Arbeitstag war der 19. Oktober 1987, der Schwarze Montag. Der Dow Jones krachte ein, Belforts neuer Arbeitgeber war pleite.

Also wieder ein Neuanfang, jetzt bei einer halbseidenen Truppe, die wertlose Aktien an ahnungslose Kleinverdiener verhökert. Wieder findet Belfort, dass er zu gut ist, um für andere zu arbeiten, und macht sich selbständig. Bald hat er, was er immer wollte: einen Palast in den Hamptons, Sportwagen, Yacht, Hubschrauber. Belfort nennt es "das Leben", als sei alles andere nichts als trauriges Dahinvegetieren.

Kein Wort über seine Opfer

Leider sei ihm die Sache dann etwas entglitten, Schritt um Schritt, und natürlich nie mit böser Absicht, beteuert Belfort heute, die rechte Hand auf dem Herzen. Aber all die Drogen und überhaupt, so machten es doch alle. Er könnte heute Milliardär sein, wenn er nur rechtschaffen geblieben wäre. Durch seine Fehler aber habe er alles verloren. So sieht Reue bei Belfort aus. Kein Wort über Hunderte Opfer, die durch ihn ihre Altersvorsorge verloren.

Etwa 1500 Anleger erleichterte er um etwa 200 Millionen Dollar. Mit aggressiven Verkaufsmethoden brachte er sie dazu, in wertlose Aktien zu investieren, die er zuvor selbst gekauft hatte. Kaum trieb das Geld seiner Kunden den Kurs nach oben, schlug Belfort die Papiere mit enormen Gewinnen los. Seinen Opfern blieben nur Verluste. Nichts daran war besonders klug ausgetüftelt, dasselbe hatten schon viele vor ihm gemacht. Belfort war wohl einfach schamloser als andere und hatte vor allem den größeren Willen, Geld zu verdienen.

Für 22 Monate landete Belfort im Knast, eine lächerliche Strafe auch für damalige Verhältnisse, als man in den USA noch etwas lässiger mit Finanzbetrügern umging. Belfort hat seine Partner verpfiffen, um schnell wieder in Freiheit zu sein. Um wieder zu verkaufen.