Konzern-Jubiläum 100 Jahre BMW - und jetzt?

Als Autos noch nicht nach Zahlen sortiert wurden, sondern richtige Namen hatten: Die BMW Isetta, gebaut zwischen 1955 und 1962.

Flugzeugmotoren, Motorräder, dann Autos: BMW feiert 100. Geburtstag. Just jetzt stehen die Münchner vor der nächsten Auto-Revolution.

Von Thomas Fromm

Es geht in diesem Geschäft um große Veränderungen. Sie beginnen oft im Kleinen, aber irgendwann können sie auch einen 100 Jahre alten Konzern auf den Kopf stellen. Dass sich BMW gerade verändert, erkennt man manchmal an Details. An alltäglichen Szenen, zum Beispiel dieser hier: Jemand bringt ein paar Flaschen Mineralwasser an den Tisch, und Tony Douglas sagt leise: "Cool." Damit fängt die Sache schon an. In der alten Industrie-Welt sagen Manager: "Oh, vielen Dank für das Wasser."

Heute aber sagt man: Cool.

Tony Douglas ist ein BMW-Manager, aber er arbeitet nicht in diesem Vierzylinder-Hochhaus am Münchner Olympiapark, sondern in Garching, einem Gewerbegebiet am Stadtrand. Der Schotte trägt Jeans und lila Hemd und er will am nächsten Tag nach London fahren, um mit Politikern über Verkehr in der Mega-City zu reden. Früher hat er für ein britisches Telekommunikationsunternehmen gearbeitet. Jetzt sucht er die Zukunft von BMW.

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Die Zukunft ist digital

Die, sagt Douglas, besteht nicht nur aus Autos. Sie kann auch klein und digital sein wie Smartphone-Apps, die Namen haben wie Life360, JustPark.com, Moovit oder Zirx.

Wenn Douglas und seine Leute ausschwärmen, läuft das Geschäft so: Die BMWler schauen sich Hunderte Start-ups an. Einige von ihnen finden sie dann so interessant, dass sie ein paar Millionen Euro in sie investieren. Und diese neuen Firmen werden dann ein kleiner Teil von BMW. Aber irgendwie wird auch BMW Teil dieser neuen Welt. "Na klar verändern wir damit das Unternehmen BMW", sagt Douglas. "Wenn es nicht so wäre, bräuchten wir das hier ja nicht zu machen."

BMW verändert sich. Nur: wie? Was wird aus dem Unternehmen? Eine IT-Firma? Eine Handy-Bude? Ein Autobauer mit angeschlossener App-Sparte?

Es gibt immer weniger Menschen, die ein eigenes Auto wollen

"Ich möchte in der Autoindustrie nicht das erleben, was beim Bergbau oder beim Stahl passiert ist", sagt Manfred Schoch, seit fast 30 Jahren Betriebsratschef von BMW. Deshalb, sagt er, werde sich "die Wertschöpfungskette in den nächsten Jahren stark verändern". Das heißt mit anderen Worten: BMW soll zwar auch weiterhin mit Autos Geld verdienen. Aber eben nicht nur. Auch mit Moovit oder Zirx, oder mit dem Car-Sharing-Dienst Drive now, einem Gemeinschaftsunternehmen von BMW und Sixt.

Es sind wieder einmal Zeiten, in denen BMW hineinhorchen muss in die Welt, um zu begreifen, was die Menschen da draußen eigentlich wollen. Klar ist nur, was viele irgendwann nicht mehr wollen: sich alle paar Jahre eine neue Limousine kaufen.

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Okay, es gibt noch Leute, die ein Auto besitzen wollen. Andere wollen aber nur fahren und sich lieber ein Auto teilen. Anderen ist es wichtig, dass sie gar nicht mehr selbst fahren müssen. Sie möchten, dass ihr Auto sie fährt, damit sie Zeit haben, Mails zu beantworten. Und wieder andere wollen, dass ihr Auto für sie das Parkplatzmanagement übernimmt und gegen 18.30 Uhr drei Pizzen mit Salami organisiert und klärt, ob es noch Karten für die Oper gibt.

Das ist ziemlich viel Arbeit für so ein Auto. Aber wenn man als Hersteller überleben will, muss man an alles denken. "In den nächsten zehn Jahren wird sich entscheiden, wie die nächsten 100 Jahre sein werden", sagt Tony Douglas.

Die nächsten 100 Jahre müssen gut geplant werden, deshalb will man am 7. März, wenn der Konzern seinen 100. Geburtstag feiert, nicht nur die vergangenen 100 Jahre hochleben lassen. Denn es wabert durch die Konzernetagen dieses diffuse Unbehagen: Die Zeiten sind schnelllebig, und wer jetzt nicht handelt, könnte den Anschluss verpassen.