Verbrennungsmotor, Computer - und jetzt das Solarthermie-Projekt: Große Ideen werden in Deutschland geboren, doch häufig ensteht daraus zu wenig.
Es ist bislang kaum mehr als eine Idee, aber viele Menschen mag sie in dieser Woche elektrisiert haben: Deutsche Konzerne wollen sich verbünden, um die Sonne über Afrikas Wüste in großem Stil zur Energieversorgung Europas zu nutzen. Noch stehen den Plänen gewaltige Hindernisse entgegen, die weniger technischer als vielmehr politischer und finanzieller Natur sind. Doch die Idee hat Kraft. Es gilt, diese Kraft zu entfalten.
Deutsche Konzerne wollen mit einem gigantischen Solarprojekt Strom in Afrika produzieren - nur ein Beispiel für die deutsche Innovationskraft. (© Foto: dpa)
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Das Projekt - geboren in der größten Wirtschaftskrise seit den 1930er Jahren - hat deshalb so viele aufhorchen lassen, weil in den vergangenen Wochen manch einer müde geworden war vom ständigen Blick auf die Schauplätze des gegenwärtigen Desasters. Wie retten wir Opel? Wie überleben Karstadt und Quelle? Wer ist schuld an der Misere? Und wie werden die Schuldigen bestraft? Das prägt die öffentliche Debatte und den beginnenden Wahlkampf.
Das sind für viele Menschen existentielle Fragen, weil von den Antworten ihre Arbeitsplätze, ihre Einkommen und damit zu einem gewissen Grad ihr Selbstwertgefühl abhängen. Eine ebenso existentielle Frage wird jedoch viel zu leise diskutiert: Womit soll die deutsche Wirtschaft in Zukunft wachsen? Das geplante Solarthermie-Projekt gibt darauf den Schimmer einer Antwort, der viele weitere folgen müssen.
Deutsche Forscher und Firmen haben schon viele Ideen, Erfindungen und Entwicklungen geliefert, die in weiten Teilen der Welt den Grundstock für Wohlstand gelegt haben. Der Verbrennungsmotor stammt aus Deutschland, der Computer, die Glühbirne ebenso wie die Antibabypille, die Chipkarte und der MP3-Player. Zwar haben die Nazis einst viel Forschergeist nach Übersee vertrieben. Doch auch heute wieder sind deutsche Unternehmen in etlichen Bereichen weltweit führend, zum Beispiel, wenn es um Klimaschutz-Technologien geht.
Bedrückend ist allerdings, wie wenig Deutschland aus diesen Stärken gemacht hat. Seit Jahrzehnten wächst die deutsche Wirtschaft selbst in Zeiten des Aufschwungs deutlich schwächer als die in anderen hochentwickelten Industrieländern, und sie erholt sich sehr viel langsamer von Krisen. Selbst der Bundesverband der Deutschen Industrie, der sich gern der Stärken seiner Mitglieder rühmt, klagt über einen "Pfad der Mittelmäßigkeit" und mahnt: "Immer mehr von dem Gleichen markiert nicht den Inhalt dessen, was hier unter Wachstum verstanden werden soll." Anders ausgedrückt: Immer mehr Opel, immer mehr Karstadt, das rettet Einzelne und vielleicht ein paar Wählerstimmen - Deutschland rettet es auf Dauer nicht.
Damit deutsche Firmen auch in Zukunftsmärkten eine Spitzenposition erobern können, muss sich einiges ändern: in der Politik, in den Unternehmen, in Schulen und Universitäten, aber auch im Umgang der Menschen mit Risiken. Die Politik kann Innovationen nicht verordnen, aber sie kann sie beschleunigen. Sie kann neue Technologien und Lebensformen fördern, zum Beispiel im Umweltschutz, in der Energiegewinnung, in der Gesundheitswirtschaft, bei der Breitband-Versorgung oder in der Agrartechnologie. Sie kann Standards setzen und die Firmen so zu Fortschritten zwingen. Sie kann Gründern helfen, Modellprojekte, etwa beim ökologischen Städtebau, unterstützen und in Bildung investieren. Sie hätte ein Konjunkturprogramm auflegen können, das Deutschland umweltbewusst und sozial verträglich modernisiert, statt eine Wunschzettel-Politik zu verfolgen, die mit einer Auto-Flaute im nächsten Jahr und mit Bauruinen nach dem Muster des Spaßbad-Booms der 90er Jahre enden dürfte.
Unternehmen und Wissenschaftler wiederum sollten stärker kooperieren. Erfindungen müssen schneller zu Produkten werden, und diese Produkte müssen bezahlbar sein und vermarktet werden. Das klappt nicht, wenn jede Firma, jeder Wissenschaftler mit dem Ziel der Perfektion vor sich hin forscht, wie es in Deutschland üblich ist. Natürlich werden sich Konkurrenten ihre Strategien nicht gegenseitig vorlegen, aber von Kunden, Lieferanten und aus anderen Branchen gibt es viele Anregungen, mit denen sich Innovationen vorantreiben ließen. Unternehmen müssen dafür Strukturen schaffen und sich entsprechende Mitarbeiter holen. Universitäten sollten sich der Wirtschaft öffnen und den Forschergeist ihrer Studenten fördern.
Deutschland fehlt aber auch eine innovative Risiko-Kultur. Denn ohne Risiken gibt es keinen Fortschritt. Es muss eine Kultur entstehen, die Gründer belohnt, die Scheitern als Lernerfahrung anerkennt. Eine Kultur, in der sich die Menschen darum bemühen, Risiken in den Griff zu bekommen, statt vor ihnen die Augen zu verschließen und Neues nur mit Ängsten zu begleiten - seien es Mobilfunkmasten, Gen- oder Biotechnologie.
Es geht nicht, jeder Entwicklung blind hinterherzulaufen und Risiken zu ignorieren. Die Finanzkrise mit ihren komplexen Produkten voller versteckter Fallen hat gezeigt, wohin dies führen kann. Ziel müssen solche Innovationen sein, deren Risiken verstanden werden und zu beherrschen sind. Nur so wird die Wirtschaft vernünftig wachsen und einen Wohlstand ermöglichen, der die Ressourcen schont.
- Solarprojekt Desertec Hoffen auf die Wüste 16.06.2009
- Sonnenstrom aus Afrika Projektname "Desertec" 16.06.2009
- Solarstrom aus der Wüste Lasst die Sonne rein 16.06.2009
- Innovationsindikator Deutsche Tiefdruckgebiete 11.11.2008
- Staatssekretär Schauerte im Gespräch "Wir schaffen ein einheitliches Dach" 25.06.2008
(SZ vom 19.06.2009/tob)
Gysi gegen Lafontaine
Kennt noch jemand den Trabold-Filter(ich glaube der Erfinder heisst so), mit dem man den
Verbrauch von Motorenöl bei PKW drastisch senken kann, so dass man die etwas höheren
Einbaukosten nach relativ kurzer Zeit wieder hereingeholt hat.
Eine Grossproduktion dieser Innovation ist hat es nie gegeben. Weshalb wohl?
Ein Ölsee drohte Deutschland.
Ich kenne noch eine andere Geschichte aus diesem Bereich, die allerdings in der DDR spielte. Zwei Arbeiter erfanden eine Messeinrichtung, mit der man am laufenden Motor
jederzeit eine Kontrolle über den Verschmutzungsgrad des Schmieröls hatte. War eigent-
lich für die DDR wie gemacht, Sparsamkeit war immer angesagt. Wurde leider nur in kleiner
Stückzahl von den Entwicklern und mit geklautem Material(sie wurden nicht bestraft, mussten aber den Schaden bezahlen).
Ich bin überzeugt, dass nur zwei Dinge die entscheidenden Hindernisse im Umgang mit
Innovationen sind, nämlich
1. hohe Kosten und wenig Aussicht auf schnellstmögliche Amortisation und
2.sinkende Einnahmen in einem anderen Wirtschaftszweig.
Wenn man mal von solchen Monsterprojekten absieht, dann scheint mir ein großes Problem zu sein, die drei Gruppen, die man für eine Innovation braucht, zusammenzubringen: Erfinder, Unternehmer und Finanzierer.
Man findet problemlos jede Menge Unternehmen, die sich als wahnsinnig innovativ darstellen. Aber woher weiß man, wo man die MENSCHEN findet, die nicht nur reden, sondern dann auch mal handeln? Innovationen sind nicht in erster Linie an Patente gebunden (die mögen sich bei der Entwicklung ergeben, ohne dadurch ausschlaggebend zu sein).
Was Deutschland meines Erachtens braucht, ist ein qualifizierter Kontaktmarktplatz. so was wie Xing, nur eben spezialisiert und brauchbar. Dort bewerten Unternehmer die Ideen der Erfinder, die Erfinder den Umgang der Unternehmen UND der jeweiligen Mitarbeiter mit ihren Ideen, die Unternehmen die Geldgeber (sofern sie welche brauchen), die Geldgeber die Qualität der Businesspläne (die die Unternehmen alleine oder gemeinsam mit dem Erfinder erstellen ).
Der Marktplatz erledigt den formalen Kram (NDA; Vorselektion bei denjenigen, die zu häufig kontaktiert werden). Dadurch, dass eine Öffentlichkeit geschaffen wird, haben alle ein Interesse daran, sich vorbildlich zu verhalten - anders als heute, da es schlicht egal ist. Ein Unternehmen, das innovativer werden möchte, wüsste dann auch ganz genau, was dafür zu tun ist.
Das hätte den sehr guten Nebeneffekt, dass man auch diejenigen Erfinder zu fassen bekäme, dir nur eine gute Idee haben (also nicht sehr professionell damit umgehen).
Falls jemand möchte: Ich habe das schon etwas ausführlicher geplant. Müsste nicht mal hübsch sein, die Leute kämen wegen des Nutzens. Braucht die SZ vielleicht noch ein rentables Onlineangebot? ;-)
""Die ganze Welt baut neue Kraftwerke, und wir kaufen dann später den Strom (oder wie sonst soll C02-Reduktion und Versorgungssicherheit gewährleistet werden?). ""
Siemens hatte die Chance gehabt, mit AREVA welweit die Nr1 in der Atom-Technik zu sein, aber Siemens wollte immer mehr und immer mehr von gemeinsamen Kuchen.
Durch den Bruch mit AREVA darf Siemens 8 Jahre lang seine gemeisame Technik mit AREVA nicht verwenden und verkaufen , so steht es im Vertrag.
AREVA als weltweit führend in der Atom-Technik , wird sich seinen neuen Partner in Japan hollen .
Siemens konnte nicht mehr verlangen, wenn in seinen Heimatland der bau von Atomanlagen verboten sind , aber gleichzeitig in Partnerland grosse geschäfte machen .
Das ganze riecht nach Vertrauensbruch und Verrat, das rächt sich jetzt.
A.Q
PS: vieleicht klapts ja mit denn Russen
Die Standortstaaten haben aus der Geschichte der Opec-Länder gelernt. Sie werden kein Stück Land für derartige Großprojekte verpachten. Sie wissen, sie haben das wertvollste, und das ist der Standort. Knowhow benötigen sie nicht unbedingt um jeden Preis von den Europäern, das können sie auch woanders her beziehen. Ein Sonnenstrommarkt, wird ähnlichen Gesetzen folgen, wie der heutige Öl- und Gasmarkt auch.
"Glauben die Verfechter etwa, die Sonnenschein-Länder würden nach Verstaatlichung ihrer Ölindustrien und nach Besiegelung des Kolonialismus sich ein derartiges Projekt aufschwatzen lassen, ohne dass sie selbst die Oberhoheit und Verfügungsgewalt über "Desertec" besitzen? "
Wieso sollten sie auch? Die Zeiten in denen die Industrieländer die Ressourcen der Entwicklungsländer nutzen und die Gewinne privatisieren, sind vorbei.
Natürlich muss es hier eine partnerschaftliche Lösung geben, aber das scheint ja irgendwie nicht in ihre Weltanschauung zu passen, in der man diesen Ländern etwas aufschwatzt und sie danach um den Gewinn besch.
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