Industrie "Wer sagt, dass wir die Nummer zwei bleiben?"

Linde-Chef Wolfgang Büchele.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Linde-Chef Wolfgang Büchele will das Unternehmen wieder an die Spitze bringen. Von einem Führungsstreit will er nichts wissen.

Von Caspar Busse und Karl-Heinz Büschemann

Die Weltkonjunktur lahmt. Wolfgang Büchele, Chef des Münchner Dax-Konzerns Linde, glaubt dennoch, dass sein Unternehmen die Gewinnziele erreichen wird. "Ich erwarte nicht, dass wir in absehbarer Zeit wieder eine Gewinnprognose nach unten korrigieren müssen, obwohl derzeit weltweit die Wachstumserwartungen schon wieder reduziert werden. Wir haben Vorsicht walten lassen", sagt Büchele im Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Büchele ist seit zwei Jahren im Amt und musste in dieser Zeit bereits zweimal die Gewinnprognosen nach unten korrigieren. Die Aktie hatte danach sehr gelitten. Büchele übt Selbstkritik: "Wir hätten die Kurskorrektur sicher besser vorbereiten und damit präziser kommunizieren können." Zudem betont Büchele, dass Linde möglichst schnell wieder der weltweit größte Gaseanbieter werden will. "Es ist unser klares Ziel, wieder Marktführer zu werden, und das ist in absehbarer Zeit erreichbar." Der Abstand zwischen Linde und dem Konkurrrenten Air Liquide sei nicht so groß. Die Franzosen übernehmen derzeit den amerikanischen Konkurrenten Airgas und werden damit Linde überholen.

Keine Konfrontation mit Reitzle

Es sei schade, dass Linde nicht mehr der Größte sei. "Aber wer sagt, dass wir auf Dauer die Nummer zwei bleiben? Wettbewerb beflügelt", sagt Büchele. Weitere große Übernahmen plane er aber nicht. "Wir müssen aber mehr und enger mit Start-ups zusammenarbeiten, um uns auf den kommenden Wandel vorzubereiten und diesen selbst zu gestalten", sagt er. Die Zeiten, in denen man alles selbst machen könne, seien vorbei. Linde brauche Anregungen von außen.

Büchele äußerte sich auch zur bevorstehenden Rückkehr seines Vorgängers Wolfgang Reitzle, der an diesem Dienstag in den Aufsichtsrat gewählt werden und dann den Vorsitz übernehmen soll. "Da gibt es doch gar keinen Zweifel, ganz klar, das Unternehmen lenke ich", betonte er. Es gebe auch keine Konfrontation mit Reitzle, der als Kritiker von Büchele gilt. Büchele sagt: "Ich treffe mich mit Herrn Reitzle übrigens zur Diskussion, und nicht zum Rapport."

"Ganz klar, das Unternehmen lenke ich"

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