Deutschlands Banken verzichten auf die angebotene staatliche Unterstützung. Das ist ein großer Fehler.
Erst zwei Wochen ist es her, da schwor sich die internationale Staatengemeinschaft auf ein gemeinsames Vorgehen gegen die Finanzkrise ein. In Washington verabschiedeten sieben angeschlagene Industrienationen, die sich noch immer als die "Großen Sieben" (G7) bezeichnen, einen Fünfpunkteplan zur Stabilisierung der Banken.
In Frankfurt diskutieren die deutschen Banker, ob es eine Schande ist, wenn eine Bank Hilfe in Anspruch nimmt (© Foto: dpa)
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Sie fassten sogar den kühnen, wenn auch vagen Plan, der Finanzwelt einen globalen Ordnungsrahmen zu geben. In Paris konkretisierten die Regierungschefs der Euro-Länder den Washingtoner Plan.
Schon heute aber steht der Erfolg dieser einzigartigen Rettungsaktion in Frage. Zwar ist es dank der Beschlüsse von Washington und Paris zunächst gelungen, den Puls der Investoren zu senken, Kunden und Gläubigern die Angst vor weiteren Bankpleiten zu nehmen.
Rezessions-Sehnsucht
Doch zwei Entwicklungen sind bedenklich: Erstens hat sich binnen Tagen die Sorge von den Banken auf die reale, Güter und Dienstleistungen produzierende Wirtschaft verlagert. Zweitens zeigt sich, dass die Staaten sehr unterschiedlich mit den Beschlüssen von Washington und Paris umgehen, was den Wettbewerb gefährlich verzerren kann. Beide Entwicklungen bergen Gefahren für Deutschland: Die Bundesrepublik kann zum großen Verlierer der Bankenkrise werden - die jetzt eine Wirtschaftskrise ist.
Die Anleger scheinen geradezu von der Rezessions-Sehnsucht gepackt. Noch bis in das Frühjahr hatten sie naiv daran geglaubt, die Probleme der Banken würden die Realwirtschaft kaum berühren. Jetzt verfestigt sich der Glaube an einen langen Abschwung.
Der Begriff "Angst" wird aber nicht von ungefähr auch im englischen Sprachraum verwendet: Die Deutschen neigen nun mal besonders dazu, pessimistisch in die Zukunft zu blicken.
Berechtigt ist die deutsche Angst insofern, als die größte Exportnation der Welt besonders stark von einem globalen Abschwung betroffen wäre, so wie Daimler, Siemens und Co. in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich von der Globalisierung profitierten.
Gestärkt in die Krise
Dennoch ist die aktuelle Börsenhysterie überzogen. Schließlich sind in den vergangenen Wochen nicht nur die Aktienkurse, sondern auch die Preise vieler Rohstoffe und vor allem der Euro stark gefallen.
Das entlastet die Unternehmen auf der Kostenseite und hilft ihnen, ihre Produkte zu günstigeren Wechselkursen im Ausland zu veräußern. Außerdem sind die deutschen Unternehmen weitaus stärker als noch im Abschwung der Jahre 2001 bis 2003.
Gravierender ist eine zweite Entwicklung. Auch sie hat mit dem typisch deutschen Pessimismus zu tun. In den USA, Großbritannien, Frankreich und anderen Ländern sind bereits etliche Milliarden Euro Kapital an Banken verteilt worden - auch an solche, die nicht notleidend sind.
Dagegen diskutieren die deutschen Banker darüber, ob es eine Schande ist, wenn eine Bank Hilfe in Anspruch nimmt. Andere Länder scheinen den neuen globalen Konsens, dass der Staat eine aktive Rolle in der Wirtschaft spielen muss, als Chance zu sehen.
In hohem Tempo haben die Regierungen in Paris, Washington und London von Defensive auf Offensive umgeschaltet. Sie machen ihre Institute durch rasche, unbürokratische Hilfe handlungsfähig.
Frankreichs BNP Paribas beispielsweise nimmt 2,5 Milliarden Euro. Die staatliche Hilfe verleiht ihr die nötige Kraft, sich große Teile von Belgiens gefallenem Riesen Fortis zu greifen. Auch Briten und Amerikaner formen mit staatlicher Hilfe neue Bankkonzerne.
Langfristig verschaffen die Regierungen ihren Geldgiganten unter dem Deckmantel der Krisenhilfe enorme Wettbewerbsvorteile: Den staatlich kapitalisierten Banken winken bessere Ratings, Größenvorteile und günstigere Finanzierungsbedingungen.
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Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
Dass Ackermann den Begriff der "Scham" in die Debatte warf, bedeutet noch lang nicht, wie die SZ naiv vermutet, dass es auch wirklich darum geht.
Die Bundesregierung hat die Krise großartig genutzt, um mit der Gehaltsobergrenze zugleich der ungenierten Rafferei in den Teppichetagen einen Riegel vorzuschieben - sehr zum Ärger dort.
Ackermanns publik gemachtes "Schämen" bedeutet nichts anderes, als dass er sich mit der Deutschen Bank ganz hinten in die Schlage anstellen gedenkt, im Wissen, dass die vor ihm Anstehenden mit ihrer Mittelaufnahme den Interbankenmarkt wieder in Schwung bringen werden, so dass der Letzte in der Schlange die Staatshilfe nicht mehr braucht und ergo auch die Bezahlung der Vorstände plus Börsenbuben nicht mehr verkleinern muss.
Sein Problem: die anderen wissen das und wollen ebenfalls als letzte in der Schlange stehen. So könnte man den Willen zur Inanspruchnahme der Staatshilfe auch zum Lackmustest stilisieren, ob die Bank oder doch die eigenen Bezüge wichtiger sind.
Als steuerzahlender Normalbürger frage ich mich immer wieder, was das Gerede von DEUTSCHEN Banken und anderen Aktiengesellschaften eigentlich soll?
Wann ist den eine Bank DEUTSCH? Wenn sie DEUTSCHE Bank heißt? Wenn sie von einem Schweizer in Grund und Boden gewirtschaftet wird? Wenn die Mehrheit der Anteilseigner Nichtdeutsche sind? Wenn Tochterunternehmen in Irland die deutsche Bankenaufsicht umgehen und anschließend die Verluste ihre Spekulationen in Amerika wieder nach Deutschland tragen?
Gleiches gilt für aktienkapitalisierte Konzerne.
Wodurch unterscheidet sich ein deutscher Konzern von einem nichtdeutschen?
Was will man uns eigentlich weißmachen? JEDER aktienkapitalisierte Konzern denkt immer zuerst an die Rendite der Anteilseigner; nicht an Arbeitsplätze in Deutschland, nicht an Sicherung des Wirtschaftsstandortes Deutschland, nicht an die Alimentation des deutschen Staates - ja nicht einmal an die Wahrung des mit deutscher Qualität verbundenen Namens - wenn es sich vermeiden lässt, zahlt er auch keine deutschen Steuern.
Also wer sich nicht regulieren lassen will, der soll dann eben pleite gehen. Die Lücke wird schnell von (anderen) profitorientierten Unternehmen geschlossen werden.
Es wäre doch keine Marktwirtschaft ohne Wettbewerb, wenn nicht gerade im Untergang noch ein Wettbewerb eingeläutet werden würde, dazu bedarf es nur der frechen und überheblichen Aufforderung. Der wurde durch die Forderung nach der staatlichen Hilfe und einer daraufhin erfolgten mehr als zynischen Bemerkung, man würde sich der staatlichen Hilfe schämen ebenso sinnvoll eingeläutet, wie die virtuelle Gier- und Geierblaserei des Geld- Kapital- und Finazmarktes. Eine derart herabwürdigende Hervorhebung anzuzeigen zeugt von maßloser gesellschaftlich-wirtschaftlichen Verantwortungslosigkeit und Inkompetenz. Hier wird bald zu untersuchen sein, wer hat wem was zugeschachert hat, damit man listig mit Arg auf andere zeigen kann.
Damit das ganze Geld auch in die Taschen derer gewirtschaftet werden kann - und auch dort landet - wird alles wieder in der Verantwortung derer gegeben, die es verursacht haben. Kein Bankvorstand oder Bankdirektorium wird Gehalts- und Bonieinbußen haben. Im Gegenteil, die Kriese wurde mit Gewinn an die Allgemeinheit verkauft, dass wird man sich entgelten lassen. Die hauptamtliche Ehrenverwalterin der Nobel-DDR wird schon dafür sorgen, dass es gerecht verteilt wird.