Tag der Arbeit, Tag der Abrechnung: Gerade mal jeder fünfte Erwerbstätige ist Mitglied einer Gewerkschaft - dabei sind die Arbeitnehmervertretungen die am meisten unter Wert gehandelten Organisationen überhaupt.
Manchmal verschickt jemand eine Botschaft und merkt nicht, was er eigentlich mitteilt. Die Mail, von der hier die Rede sein soll, ging an mehrere Filialleiter einer großen privaten Bank. Der Verfasser, ein Vorgesetzter aus dem mittleren Management, befasste sich damit, dass die Berater die Verkaufsvorgaben nicht erfüllt haben, weder bei Kredit- noch bei Versicherungsverträgen. "Verwunderlich, dass wir immer noch sechs Filialen unter 100 Prozent haben", fängt dieser Chef also an. Und fügt hinzu: "Zu bemerken ist auch, dass keine Filiale bisher die 200 Prozent erreicht hat."
Schneller, höher, weiter - im übertragenen Sinn: Früher sollten Angestellte ihre Arbeit zu 100 Prozent schaffen, jetzt müssen es 200 Prozent sein, demnächst wahrscheinlich 300. Das Foto zeigt einen Bauarbeiter in Berlin. (© Foto: ddp)
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Es ist dies ein Satz, der nicht bloß die Verrücktheiten irgendeines Managers skizziert. Auch ist er nicht allein für die Bankenbranche exemplarisch, obwohl er natürlich die allgemeine Meinung gerade über diese Branche hinreißend zu illustrieren scheint. Im Grunde aber handelt es sich um einen Satz, der das ganze Elend des Kapitalismus zusammenfasst, zumindest dessen hässliche und verhängnisvolle Seite.
Es geht in diesem Wirtschaftsregime schon lange nicht mehr darum, Bedürfnisse zu befriedigen und Wohlstand zu gewährleisten. Deutschland gehört zu jenen Gegenden der Welt, in denen der Kapitalismus dies in den vergangenen hundert Jahren erreicht hat, allerdings um den Preis, dass der Planet fast geplündert ist.
Das Bedrückende am Kapitalismus besteht doch darin, dass er sich längst nicht mehr als Mittel, sondern als Zweck begreift. Der frühere Verfassungsrichter Ernst-Wolfgang Böckenförde nennt ihn ein "Handlungssystem", ein System, das mittlerweile jedes menschliche Handeln bestimmt und das kein Maß mehr kennt - sondern nur auf die unbegrenzte Ausdehnung seiner selbst gerichtet ist.
Es ist ein System, das Menschen nicht mehr als Personen in ihrer Ganzheit sieht. Nur noch deren Funktionen nimmt es wahr. Früher sollten sie ihre Arbeit zu 100 Prozent schaffen, jetzt müssen es 200 Prozent sein, demnächst wahrscheinlich 300, und immer so weiter. "Wir gehen vor!", ist nun das Motto, mit dem der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) zu seinen Maikundgebungen ruft. Es hört sich trotzig und auch ein bisschen hilflos an.
Gewerkschaften gelten nicht wirklich als chic. Egal wie die Marktplätze an diesem Samstag gefüllt sein mögen: Die allermeisten Menschen dürften die Teilnahme an der Maikundgebung ungefähr so ernsthaft erwägen wie den Gedanken, am Buß- und Bettag büßen und beten zu gehen. Schön finden die Leute den 1. Mai, weil er überall ein Feiertag ist, anders als dieser protestantische Mittwoch im November.
6,3 Millionen Menschen gehören einer der acht DGB-Gewerkschaften an, insgesamt sind es rund acht Millionen, die sich in Deutschland einer Arbeitnehmer-Organisation angeschlossen haben. Das sind einerseits weitaus mehr, als alle Bundestagsparteien zusammengenommen haben; andererseits bedeutet die Zahl: Gerade mal jeder fünfte Erwerbstätige gehört einer Gewerkschaft an. Manche treten nicht ein, weil sie auch so von all den Tarifverträgen profitieren. Andere haben über diese Frage noch nie nachgedacht, wiederum andere erhalten für ihre Arbeit so wenig Geld, dass sie sich selbst den Verdi-Beitrag nicht leisten können, und dann wiederum gibt es Menschen, denen ist das Lebensgefühl, das Gewerkschafter gelegentlich ausstrahlen, zu fremd.
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Danke, dass Sie mich nochmals komplett zitiert haben.
Ich fahre Fahrrad, Bahn und betreibe Car-Sharing. Meine größte Leistung bisher: die Abkehr vom Auto. Kann ich nur empfehlen.
Selbst mit dem Tretroller würde ich heute auf der Autobahn meist schneller vorankommen. Hier wird ein fatales Prinzip von Wachstum ohne Ende langsam, aber immer deutlicher sicht- bzw. erfahrbar.
Die Zahl der abhängig Beschäftigten nimmt ab. Deshalb muss die Gewerkschaft sich der immer mehr zunehmenden Selbständigen annehmen und ihnen Raum geben, Stichwort Prekariat.
Man muss sich fragen, warum wir alle nicht genug KRIEGen können, warum Menschen maßlos werden in ihrer Gier. Kapitalismus ist nichts anderes als eine Antwort auf unsere größten Unsicherheiten und letzten Endes die Angst vor dem Tod.
Kapitalismus ist staatlich gewollter Wahnsinn, der uns immer deutlicher ins Bewusstsein bzw. sonstwohin tritt.
Wirtschaften hat nur ein Ziel heute: es muss verhindern können, dass Menschen auf dieser Erde verhungern müssen, während andere vor gefrässigem Satt- und Sichersein verfettet sterben.
Gewerkschaften müssen den von Huber anvisierten Blick bzw. diese Vision haben, sie müssen Unternehmer wieder zu ihren menschlichen Kernkompetenzen verdonnern, ja, sie müssen diese übersättigten, gottgleichen Allmachtsphantasten von ihren Perversionen befreien.
Gewerkschaften müssen allen Menschen verdeutliche, dass sie Arbeit-geber und nicht Arbeit-nehmer sind.
Der Mensch hat Vorrang ? Dafuer wurden die Gewerkschaften einst gegruendet und was ist aus ihnen geworden ? Ich habe zumindest gute Erfahrungen mit der Gewerkschaft gemacht, wenn mir etwas nich gefiel,sagte ich es ganz deutlich.Ohne sie wuerde die Arbeitswelt wie Sklaventum aussehen. Es stimmt auch in den Gewrkschaften wird zuviel Parteipolitik gemacht,dass ist die grosse Schwaeche dieser Organisationen. Etwas mehr Abstand zur Politik und eine kritische Haltung zu Politikern wuerde die Position der Gewrkschaft staerken helfen.Auch der rueckgang der gewerkschaftlichen Arbeitnehmer ist bedauerlich,hier verschenken sie ihre Macht. Nun die Gewerkschaften haben sich auf die heutige Berufswelt nicht richtig eingestellt,oder vorbereitet. Die Halbtagskraefte,die Angestellten und das untere Management wird aussen vor gelassen,hier gibt es noch viel zu tun. Nun einige besserverdienende haben mit Marxistischen oder linken Gewrkschaftern keine Verstaendigungsmoeglichkeit,dass sind verschiedene Welten,da laeuft nichts. Fazit,wenn es wieder Aufwaerz gehen soll,muss die Gewerkschaft ihre Parteipolitik einstellen und sich auf die Belange und Beduerfnisse ihrer Mitglieder konzentrieren.
Hauptsache Herdentrieb.
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