Geschmierte Rüstungsdeals mit deutschen Firmen Verdächtige in Athen festgenommen

Zwischen griechischen Werften und deutschen Unternehmen sind Millionen-Schmiergelder für U-Boote geflossen. Die griechische Justiz greift durch und nimmt zwei weitere Verdächtige fest. Doch die Thyssen-Krupp AG wird die fraglichen Deals wohl auch selbst untersuchen.

Von Klaus Ott und Tasos Telloglou

Sotiris E. war früher für die Hellenic Shipyards (HSY) in Athen verantwortlich, eine der größten Werften am Mittelmeer, und hat dort gut verdient. Zu gut, nach Ansicht der griechischen Justiz. Jetzt ist der ehemalige Werft-Manager im Gefängnis, wegen Schmiergeldverdacht bei Rüstungsaufträgen in Milliardenhöhe für deutsche Unternehmen, die U-Boote geliefert und modernisiert haben.

Sotiris E. hat knapp 20 Millionen Euro kassiert, mit denen diese Deals angekurbelt worden sein sollen. Der Ex-HSY-Mann bestreitet die Vorwürfe. Es habe sich um legale Vergütungen gehandelt. Der zweite Festgenommene ist ein Vertrauter des früheren Verteidigungsministers Akis Tsochatzopoulos, der wegen Korruption und Geldwäsche bei den U-Boot-Deals und anderen Rüstungseinkäufen zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden ist. Der Vertraute soll bei den U-Boot-Deals mitkassiert haben, immerhin 3,5 Millionen Euro.

Dass Schmiergeld floss, ist bereits aktenkundig

Die HSY war Teil zweier U-Boot-Geschäfte mit deutschen Werften in den Jahren 2000 und 2002, die der Essener Handelskonzern Ferrostaal vermittelte. Die Howaldtswerke Deutsche Werft (HDW) in Kiel und andere Unternehmen bekamen den Auftrag für den Bau und die Modernisierung von insgesamt sieben U-Booten. Dass dabei Schmiergeld floss, ist bereits aktenkundig.

Das Landgericht München verurteilte Ende 2011 zwei frühere Ferrostaal-Manager wegen Bestechung griechischer Amtsträger zu Bewährungsstrafen. Ferrostaal musste wegen der U-Boot-Korruption und anderer Delikte 149 Millionen Euro zahlen. Mittendrin: Die HSY, die 2002 von Griechenland an HDW verkauft wurde, war Teil des Geschäfts.

HDW musste die Werft übernehmen, um den Zuschlag für die U-Boote zu erhalten. Damit der Deal klappte, soll HSY-Manager Sotiris E. bestochen worden sein. HDW wiederum ging 2005 in den Besitz des Industriekonzerns Thyssen-Krupp über, dessen Marine-Sparte weltweit U-Boote verkauft. Lange Zeit wickelte Ferrostaal für HDW und andere deutsche Werften diese Geschäfte ab.

Thyssen-Krupp wird wohl auch selbst ermitteln

Die in Essen ansässige Thyssen-Krupp AG dürfte die neuen Vorwürfe auch selbst untersuchen. Seit der frühere Siemens-Manager Heinrich Hiesinger vor drei Jahren den Vorstandsvorsitz übernommen hat, klärt der Konzern seine Verwicklung in Korruptions- und Kartellfälle wesentlich konsequenter auf als früher.

Bei den U-Boot-Deals ist da noch viel zu tun. Die Athener Staatsanwälte haben die Spur des mutmaßlichen Schmiergelds weiter verfolgt und sind dabei auf Sotiris E. gestoßen. Der bekam nach Erkenntnissen der Ermitttler die knapp 20 Millionen Euro von HDW und aus dem Umfeld von Ferrostaal, das meiste davon über Briefkastenfirmen. Dieser Weg sei von HDW gewählt worden, "aus steuerrechtlichen Gründen", sagte Sotiris E. bei einer Vernehmung am Freitag. Es sei alles legal gewesen.

Die Athener Staatsanwaltschaft glaubte das nicht und steckte Sotiris E. ins Gefängnis.