Freenet-Chef Vilanek "Dieses ganze Gefasel von Teambuilding"

Christoph Vilanek hat ein Faible für schnelle Autos und auffälige Uhren - die müssen aber nicht zwangsläufig echt sein.

(Foto: Robert Haas)
  • Der Chef von Deutschlands größtem virtuellen Netzbetreiber Freenet hält Teambuilding für "Gefasel" und sich selber für einen Machtmenschen.
  • Mit seiner direkten Art hat der gebürtige Österreicher eine unkonventionelle Karriere gemacht über die er offen redet.
  • Das gesamte Interview können Sie mit SZplus hier lesen.
Interview von Varinia Bernau und Angelika Slavik

Machtmensch mit Abneigung gegen Teambuilding

Wer in Deutschland an der Spitze eines börsennotierten Unternehmens steht, der spricht selten Klartext. Und wenn er es dann doch wagt, wenn er die Angst vor der flapsigen Formulierung vergisst, dann korrigiert er sich spätestens im Nachhinein, bei der Freigabe der Zitate.

Christoph Vilanek, der Chef von Freenet, ist da anders.

"Dieses ganze Gefasel von Teambuilding" zum Beispiel passt seiner Ansicht nach nicht mehr in die Zeit. "Wir überfordern die Menschen maßlos damit, einzuschätzen, welche Auswirkung eine fachlich richtige Entscheidung in einem Bereich auf alle anderen Bereiche hat", sagt er im Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Auch den nahbaren Spitzenmanager hält er für einen Mythos. Ein Unternehmen müsse man autokratisch führen - so wie er. In manchen Momenten ist er dann auch mal Machtmensch, wie der 47-Jährige unumwunden einräumt. So viel Offenheit ist selten.

Als Unbekannter in der Mobilfunkbranche gestartet

Als Vilanek, geboren in Innsbruck, vor sechs Jahren seinen Posten als Chef von Freenet antrat, kursierte unter Analysten der Spruch "Who the heck is Vilanek?" Der Mann hatte bei einem Verlag angefangen, arbeitete dann bei einem schwedischen Onlinemodehändler, der mit dem Platzen der Dot.com-Blase pleiteging, und heuerte schließlich bei der Unternehmensberatung McKinsey an. Aber in der Mobilfunkbranche war er ein Unbekannter.

Inzwischen führt er mit Freenet den größten virtuellen Netzbetreiber: Unter Marken wie Mobilcom Debitel oder Klarmobil verkauft das Unternehmen die Kapazitäten im Netz von Telekom, Vodafone oder Telefónica, die diese nicht selbst an die Kunden bringen können. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei mehr als drei Milliarden Euro.

Vilanek sagt, dass er mit dieser Verantwortung, die er seit sechs Jahren hat, demütig umgehe. So wie seiner Ansicht nach die meisten Spitzenmanager in Deutschland. Aber er räumt auch ein: "Ich kenne keinen, der nicht irgendeine Marotte hat, die man als wenig bodenständig interpretieren könnte." Bei Vilanek ist es übrigens eine Faszination für schnelle Autos. Und für auffällige Armbanduhren. Ausgerechnet. Dabei hält er doch gar nichts von Statussymbolen. Sagt er zumindest.

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