Fleisch aus Biotinte Wenn das Schnitzel aus dem Drucker kommt

Steaks, Schnitzel und Lederschuhe: Einer amerikanischen Firma zufolge sollen diese Produkte schon bald aus dem 3D-Drucker kommen. Ein prominenter Unterstützer ist zumindest schon gefunden.

Von Sabrina Keßler

Schlachten gehört bald der Vergangenheit an - zumindest wenn es nach der US-Firma Modern Meadow geht. Das Unternehmen möchte eine Technik entwickeln, um Fleisch und Lederprodukte künftig aus Biotinte zu "drucken". Die Firma appelliert damit an das Gewissen des Kunden: Sie möchte "ethisch einwandfreie" Produkte herstellen, für die kein Tier mehr getötet wird oder in Massentierhaltung leiden muss.

Kommt unser Steak in Zukunft nicht mehr von der Kuh, sondern direkt aus dem Labor? Ein amerikanisches Unternehmen unternimmt erste Forschungsversuche, um Fleisch zu drucken.

(Foto: action press)

Die Technik hinter dem Forschungsprojekt klingt kurios: Mithilfe einer Biotinte aus verschiedenen Zelltypen soll essbares Fleisch und Leder gedruckt werden. Ein 3D-Drucker sorgt dabei dafür, dass das Gewebe eine feste Konsistenz erhält. Anschließend landet es in einem Bioreaktor, um dort zum fertigen Produkt zu reifen. In der ersten Entwicklungsphase will Modern Meadow ein essbares Fleischstück von zwei mal einem Zentimeter Größe und einer Dicke von 0,5 Millimetern produzieren. So steht es im Projektbericht, der dem US-Landwirtschaftsministerium offiziell vorliegt.

Gedrucktes Fleisch für ein besseres Klima

Die neue Technik soll nach Angaben des Unternehmens Fleisch wirtschaftlicher und umweltfreundlicher herstellen. "Die Verwendung von Ressourcen bei der Herstellung eines Hamburgers ist eine Umweltkatastrophe", sagte Mitbegründer Andras Forgacs dem Unternehmen Cnet.

Wie groß die Ressourcenverschwendung wirklich ist, zeigt eine Studie des Journal of Animal Science: Um einen Hamburger aus 125 Gramm Fleisch herzustellen, werden drei Kilo Getreide benötigt, 200 Liter Wasser, sieben Quadratmeter Land und mehr als 40 Kilogramm Kohlendioxid. Damit erzeugt die Herstellung eines Burgers genauso viel Treibhausgas, wie eine Autofahrt von etwa 200 Kilometern.

Das Drucken hingegen ermöglicht eine wesentlich bessere Ökobilanz als die konventionelle Aufzucht des Viehs: Nach Informationen des Guardians verbraucht die Herstellung von Laborfleisch 96 Prozent weniger Treibhausgase und 55 Prozent weniger Energie. Außerdem benötigt das Drucken gerade einmal vier Prozent Wasser im Vergleich zur herkömmlichen Fleischproduktion.

"Bioprinting" erhält prominente Unterstützung

Wie Cnet berichtet, kann das amerikanische Start-Up auf prominente Unterstützung setzen: Peter Thiel, US-amerikanischer Investor bei Facebook und Paypal, hat den Gründern zwischen 250.000 und 350.000 Dollar Forschungszuschüsse überwiesen. Die Finanzierung erfolgt im Rahmen des Programms "Breakout Labs", das ungewöhnliche Projekt junger Unternehmen unterstützt.

Ganz neu ist das Verfahren des "Bioprinting" allerdings nicht. Die Forgacs haben bereits 2007 eine Firma gegründet, die Gewebe für medizinische Zwecke herstellt - dazu zählen Medikamententests oder Transplantationen. Bis Anfang nächsten Jahres will Modern Meadow nun testen, inwieweit die Drucktechnik auch für die Nahrungsmittelproduktion eingesetzt werden kann. In der Hauptzentrale von Google werden immerhin schon "gedruckte" Nudeln verspeist, sagt ein Kantinenkoch des amerikanischen Unternehmens.