Der Mut wächst: Übernahmen von Unternehmen sind wieder möglich. In der Krise werden noch gute Geschäfte gemacht - doch schon bald könnten wieder Übertreibungen drohen.
Es geht wieder was, im Geschäft mit Fusionen und Übernahmen. Weil Hoffnung auf ein Ende der Rezession keimt und die Aktienkurse sich erholen, werden auch Firmenkäufer wieder mutiger.
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Fusionen und Übernahmen gehören zum marktwirtschaftlichen Prozess: Sie können Pleiten verhindern und Wachstumschancen eröffnen. (© Foto: SZ)
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Der Angriff des amerikanischen Lebensmittelkonzerns Kraft auf den britischen Süßwarenspezialisten Cadbury ist dafür nur das sichtbarste Zeichen. Die Deutsche Telekom ist im Begriff, ihre britische Mobilfunktochter zu verkaufen; Thyssen-Krupp schöpft Hoffnung, endlich ihr Geschäft mit Industriedienstleistungen abstoßen zu können; und selbst Finanzinvestoren kommen allmählich aus ihren Löchern, wie der Einstieg von BC Partners bei den deutschen Labordienstleistern Synlab und Futurelab zeigt.
Es ist einerseits eine gute Nachricht, wenn auf dem Markt für Firmen die Eiszeit endet. Wenn etwa eine verlustreiche Sparte einen ganzen Konzern in den Abgrund zu reißen droht, kann der Verkauf an neue Eigentümer dem kranken Bereich neue Perspektiven eröffnen und die Mutter von Lasten befreien. Fehlt in Familienunternehmen ein Nachfolger, kann oft nur der Verkauf an Konkurrenten oder Investoren sicherstellen, dass die Firma fortgeführt wird.
Hat sich ein Unternehmen strategisch verzettelt, bringt eine Übernahme von außen womöglich frischen Wind. Fusionen und Übernahmen gehören zum marktwirtschaftlichen Prozess, können Pleiten verhindern und Wachstumschancen eröffnen. Als Finanzkrise und Rezession die Märkte lähmten, war dieser Lösungsweg für viele Unternehmen versperrt.
Andererseits haben Fusionen und Übernahmen gerade auf dem Höhepunkt des Booms in den Jahren 2006 und 2007 viel Schaden angerichtet. Finanzinvestoren bürdeten den Firmen, die sie kauften, enorme Schulden auf, unter denen jetzt manch ein Unternehmen zusammenzubrechen droht.
Auch Industriekonzerne stürzten sich in abenteuerliche Zukäufe, die sie mit Krediten finanzierten. Schaeffler und Porsche sind abschreckende Beispiele dafür, wohin es führen kann, wenn Manager ihre eigenen Möglichkeiten überschätzen. Beide leben nach den Angriffen auf Continental und VW nur noch von Gnaden der Banken, Porsche wird seine Unabhängigkeit verlieren.
Von solchen Exzessen ist das Geschäft mit Firmenkäufen heute weit entfernt. Finanzinvestoren fehlt das Geld, auch die meisten Unternehmen müssen ihre Mittel zusammenhalten und viele Banken gewähren kaum noch Übernahmekredite. Es ist kein Zufall, dass vor allem Rohstoff- und Energiekonzerne, Pharmaunternehmen sowie Konsumgüterhersteller Übernahmen wagen. Ihr Geschäft war in der Krise relativ stabil.
Daneben gab es vor allem Notverkäufe in der Finanz- und Autobranche, meist staatlich unterstützt und gelenkt. Die Übernahmepreise sind heute niedriger, bezahlt wird meist bar oder mit Aktien, per Kredit lassen sich Zukäufe nicht mehr stemmen. Das dürfte noch einige Zeit so bleiben und vor allem Finanzinvestoren treffen. Nur Beteiligungsfirmen, die bereit sind, viel eigenes Geld in die Hand zu nehmen, werden vorerst eine Chance bekommen.
Es wäre zu schön, hätten Firmenkäufer die Lehren aus dem Crash von 2008 gezogen und gingen bei Übernahmen dauerhaft behutsamer vor. Doch in dem Maße, wie Banken wieder mehr Geld für Zukäufe bereitstellen und die Aktienkurse steigen, wird auch der Risikohunger der Firmenchefs wieder wachsen und ihre Disziplin nachlassen. Die besten Deals aber werden in der Krise gemacht. Also jetzt.
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(SZ vom 08.09.2009/hgn)
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Das war schon immer so, nirgends mehr als in der Lebensmittel- und Pharma-Industrie. Firmenübernahmen sind zudem ein positives Zeichen, dass die Kredite längst wieder fließen, zumindest in den USA, denn die Firma Kraft hatte offenbar keine Mühe, sich für Cadbury mal eben 8 Milliarden zu borgen. Pfizer und Merck übernehmen soeben Schering und Wyatt. Auch viele andere US-Firmen sitzen derzeit auf riesigen, noch nicht investierten Barvermögen, um jetzt damit auf Schnäppchenjagd zu gehen. General Electric sitzt beispielsweise auf 50 Milliarden in bar.
Während der Krise hätte man die Großen kaufen sollen, als sie spottbillig waren. Jetzt hingegen sind es die Kleineren wie Cadbury, deren Preise bei Firmenübernahmen rapide ansteigen.
Firmenübernahmen bieten Firmen in Schwierigkeiten neue Chancen. In den Boom-Jahren 2006, 2007 wurde mit Firmenübernahmen viel Unheil angerichtet.
In der Krise sind Firmenübernahmen oft im Fiasko geendet, da die Eigenkapitaldecke zu niedrig. Heute besteht diese Gefahr nicht mehr, weil die Banken nicht so großzügig finanzieren. Das kann aber in Zukunft wieder zum Problem werden.
Fazit: Firmenübernahmen können zuweilen erfolgreich sein, oft aber ein Fiasko. Immer gut sind Firmenübernahmen für Investmentbanken, Vertragsjuristen und Finanzdienstleister.
Bei der Belegschaft sieht es meistens schlecht aus, irgend wer muss ja die Gewinne und Provisionen erwirtschaften.
Werter User WM2000 und Supa Franzerl
Ihre Kommentare beinhalten sehr viel Wahrheit.
Vergessen wir nicht, "Im Kapital" von K.Marx wird darauf hingewiesen, dass der
Eigentümer von Produktionsmitteln (Aktionäre und sonstige ) immer bestrebt sind
Maximalprofit zu erreichen. Zur Erinnerung: Ehrhardt hat dieses erkannt und
daher die soziale Marktwirtschaft gefordert. Leider verlassen wir, besonders gefördert
durch neoliberalen Einfluß ( insbesonders durch die FDP ) diesen Weg ,der für das gesellschaftliche Zusammenleben äusserst wichtig wäre.
Hoffentlich ist der "Mischel" etwas schlauer geworden und lässt sich nicht hinters
Licht führen.
Die nächsten überdrehten Übernahmepläne werden mit Sicherheit schon geschmiedet. Die Hauptmotivation ist häufig schlicht und einfach das Ego der Firmenlenker, die damit unbedingt ihren Platz im "Manager-Olymp" erobern wollen. Gefördert wird dies durch die schreibende Zunft, die solche Hazardeure erst über den Klee lobt, bis die selbst gemachte Katastrophe in ihrer vollen Tragweite offensichtlich wird.
Jaja...Mit toten lässt sich gut Politik machen. Die geben keine Widerworte. Wir sind ja auch alle Erhardt. Wenn er das wüsste, würde er sich im Grabe umdrehen. Die Zeit ist im Fluss
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