Muss ein Schädiger nur dreist genug und der Schaden nur groß genug sein, damit der Staat das Desaster nobilitiert?
Wenn die Familie Huber schlecht wirtschaftet, kommt der Gerichtsvollzieher. Wenn die Firma Maier schlecht wirtschaftet, kommt der Konkursrichter.
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Wenn eine Großbank katastrophal wirtschaftet - dann kommen die Spitzenpolitiker mit dem Milliarden-Geldsack. Ist das die Belohnung für Zocker? Muss ein Schädiger nur dreist genug und der Schaden nur groß genug sein, damit der Staat das Desaster nobilitiert? Sind die Hilfsfonds Fässer ohne Boden? Wird das gute Geld dem schlechten hinterhergeworfen?
In die Nischen geflohen
Sind das dumme Fragen? Sie sind so wenig dumm wie die konsternierte Feststellung, dass der Kapitalismus gerade dabei ist, private Verluste zu sozialisieren. Die Bundeskanzlerin spürt, dass es in der Finanzkrise keine dummen Fragen gibt, sondern allenfalls dumme Antworten.
Dumm sind die politischen Antworten, die das Vertrauen der Bürger in das demokratische System noch weiter gefährden und zerstören. Deswegen agieren Angela Merkel und ihr Finanzminister Peer Steinbrück so vorsichtig.
In der globalen Finanzkrise geht es ja nicht nur um das Vertrauen in den Geldmarkt, die Banken und die Finanzstabilität. Es geht auch um das Vertrauen in die Souveränität und die Gestaltungskraft der Demokratie.
In den vergangenen Wochen sind auf den Finanzmärkten viele Milliarden Dollar und Euro verbrannt. Das ist schlimm genug. Noch viel schlimmer wäre es, wenn in dem Feuer auch noch das demokratische Grundvertrauen verbrennen würde. Es geht also nicht nur darum, gigantische Geldlöcher zu stopfen, sondern auch darum, dass aus der Krise des globalen Kapitalismus nicht eine globale Krise der Demokratie wird.
Die Dirigenten des internationalen Geldmarkts haben viel dafür getan, dass es so kommt. Sie haben erfolgreich versucht, die Politik demokratisch gewählter Regierungen ihrer Disziplin zu unterwerfen. Sie haben Regierungen genötigt, sie haben den Abbau von Kontrollen erzwungen - und sind gleichwohl mit eigens gegründeten Zweckgesellschaften in die Nischen der Welt geflohen, in denen sie ihre riskanten Geschäfte noch besser verstecken konnten.
Börsen - fünfte Macht im Staat
Die Großmanager des Geldmarkts taten so, als sei die Demokratie eine Spielwiese für Kleinbürger, und als hätten Wahlkämpfe und Wahlen nur eine Funktion ähnlich der, wie sie "Brot und Spiele" im alten Rom hatten - weil die wahren Wahlakte der Überzeugung der Großmanager nach auf dem Börsenmarkt stattfanden. Die Börsen als fünfte Macht im Staat: Das ist keine Übertreibung eines Globalisierungskritikers von Attac. Das ist die Beschreibung eines früheren Vorstandschefs der Deutschen Bank.
Rolf Breuer legte einst dar, warum sich Regierungen nach den Wünschen der Anleger richten müssten: "Die autonomen Entscheidungen, die Hunderttausende von Anlegern auf den Finanzmärkten treffen, werden im Gegensatz zu den Wahlentscheidungen nicht alle vier oder fünf Jahre, sondern täglich gefällt."
Die Interessen der Kapitalverwertung wurden der Demokratie untergeordnet mit der Behauptung, dass die Finanzmärkte sich viel mehr an Wohlstand und Wachstum orientieren als die Wähler.
Die demokratische Kontrolle der Regierungen durch die Bürger wurde so überflüssig, weil nach dieser Philosophie die freien Finanzmärkte die Politik wirkungsvoller kontrollieren konnten. Das war leider auch wahr. Genau das gehört zu den Ursachen der Finanzkrise.
Demokratie ist eine Gemeinschaft, die ihre Zukunft miteinander gestaltet. Die Dirigenten der Finanzmärkte haben sich aus diesem Miteinander ausgekoppelt. Kraft und Zukunft demokratischer Politik hängen nun davon ab, diese Entwicklung zu revidieren und Regularien für die Märkte durchzusetzen. Dies ist die eigentliche Aufgabe bei den Treffen der Politiker der Industrienationen.
Die gewaltigen Geldmittel, welche die Demokratien zur Stabilisierung der Finanzsysteme zur Verfügung stellen sollen, sind also an Kautelen zu knüpfen, die zur Stabilisierung der Demokratie beitragen und das Vertrauen in demokratische Gestaltungskraft herstellen. Der regulierte Finanzmarkt ist eine Satansmühle. Die Demokratien können dort nicht ihr Geld hineinwerfen und dann zuschauen, wie sie sich auf die alte Weise weiterdreht.
Das Urbild des Markplatzes kennt jeder: Er ist umrahmt von Kirche, Krankenhaus, Rathaus, Wirtshaus und Schule. Ohne diese regelnden Institutionen hätte es nie einen Marktplatz gegeben. Man kann dieses simple Bild auf den Markt von heute übertragen. Und dann kann man sich fragen, was auf diesem Markt wieder Vertrauen schafft. Da wären auch ein paar symbolträchtige Handlungen deutscher Großmanager nicht schlecht.
Der US-Milliardär Warren Buffett spendet und spendet. Solche Spendabilität ist in Deutschland nicht bekannt geworden. Auch die Kultur des Rücktritts ist in der hiesigen Wirtschaft wenig ausgebildet. Der Chef von Hypo Real Estate tut, als ob nichts wäre. In den USA hat der Chef des US-Versicherers AIG auf seine 22-Millionen-Abfindung verzichtet, als sein Sanierungsplan zusammenbrach. Er verzichtete, obwohl er erst drei Monate im Amt war und für die Krise nichts konnte. Deutsche Banker und Großmanager verzichten auf nichts. Ohne Verzicht wird ihnen Vertrauen nicht mehr zuwachsen. Sie stehen unter demokratischer Bewährungsaufsicht.
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(SZ vom 06.10.2008/hgn)
Harte Kritik des Bayern-Präsidenten
Wir Deutschen sind zwar im Allgemeinen als gründlich bekannt, aber eine Revolution "von unten" hat es bei uns in der Historie bisher noch nie weit gebracht. Weder die Bauernaufstände, noch die preußischen Reformen, noch die 1848er, noch der Spartakus-Aufstand... alle gescheitert. Und selbst H. itler musste sich halblegal an die Macht bringen, da er mit der Revolution gescheitert war.
Revolutionen haben in Deutschland ebenso wenig eine Chance, wie Massenstreiks. Dazu sind die Deutschen wohl zu ordnungsliebend! Und an sich schätze ich diese Eigenschaft meiner Mitbürgerinnen und Mitbürger sehr. Denn mal ehrlich - letztlich ist eine Revolution doch nichts anderes als die Ersetzung des einen Unrechts durch das nächste. Alle politischen Systeme scheitern früher oder später, weil jeder noch so große Idealismus irgendwann durch persönliche Voteilnahme und Egoismus unterbunden wird. Schon Aristoteles sprach da von einer Rotation der Systeme: Von der Tyrannei (damals ein gängiger Begriff für Alleinherrschaft und gar nicht so negativ belastet wie heute!), ging es bei unfähigen Tyrannen in eine Oligarchie über und wenn die Oligarchen auch nicht mehr klar kamen, kam das Volk und übernahme die Macht... bis irgendwann die Rufe nach einer starken Hand - nach einem neuen Tyrannen - wieder laut wurden. Wozu also das Ganze?
Dennoch wäre es momentan vielleicht wirklich an der Zeit etwas zu ändern. Mir ist allerdings die demokratische Variante lieber. Durch mein ganz persönliches Verhalten in Alltagssituationen kann ich einiges verändern, Leute beeinflusse, überzeugen, Vorbild sein. Und das kann jeder - ob groß oder klein! Im Übrigen steht es auch jedem frei, sich politisch zu engagieren, wenn ihm die bestehenden Politiker nicht gefallen - was nur allzu verständlich ist!
Ich sehe das wie mein Vorredner: Ich will keine Revolution - ich will Gerechtigkeit und Frieden.
gegen klare regeln in politik und wirtschaft wäre nun wirklich nichts einzuwenden. doch ihr vorschlag läuft tendenziell darauf hinaus den typ des berufspolitikers noch stärker zu festigen. dies halte ich in vielen bereichen für einen fehler. denn dann haben wir noch mehr lehrer u.ä. in der regierung. das problem ist die verknüpfung der interessen. also politiker die in ihrem leben auch schon mal etwas anderes gemacht haben als beamter zu sein: JA
verknüpfung des berufs mit dem politischen Amt: NEIN
Wir hatten früher die Soziale Marktwirtschaft. Seit das sozialistische Gegengewicht der westlichen Demokratien weggefallen ist, dachte man man bräuchte keine sozialen Grenzen mehr.
Dass man aber eine kapitalistische Lobbykratie, in der alle paar Jahre gewählt wird noch Demokratie bezeichnet finde ich fast schon unverschämt. Wenn ich mir ansehe, dass Schröder, Clement und all die anderen Politiker direkt von der Politik in die vorher begünstigte Wirtschaftzweige gehen, und die meisten Politiker so arm sind, dass sie sich ihr Taschengeld in der freien Wirschaft aufbessern müssen, so frage ich mich wo da noch die Mitbestimmung des Volkes ist.
Es wäre an der Zeit sich zu überlegen, ob es nicht doch besser wäre das Volk mitbestimmen zu lassen, und klare Regeln für Politik und Wirtschaft aufzustellen.
Eine Demokratie, in der nicht die Reichen sondern das Volk durch seine Voksvertreter mitbestimmen darf wäre mein Traum!
Wir haben staunend gelernt es reguliert sich alles von selber indem man den Markt machen lässt. Die Kritiker der freien Marktwirtschaft haben wir als Kommunisten, Soziallisten oder Spinner verteufelt. Die Warner als weltfremde Träumer in die Ecke gestellt.
Jahrelang haben wir,übrigens auf Kosten anderer, von den Segnungen der Marktwirtschaft gelebt, der Kommunismus und die damit verbundene Planwirtschaft, ist in den Orkus der Geschichte verschwunden. Nun ist Zahltag in der freien Marktwirtschaft, der Gerichtsvollzieher ist da. Die Hauseigentümer tun sich jetzt schwer den Gerichtsvollzieher in die Häuser zu lassen, indem sie vor dem Haus Abschlagszahlungen verteilen. Nur die Gesamtzahlung will man uns nicht nennen, weil dies das gesamte System in Frage stellen würde. Nun, wenn wir aber alle Schuldner sind, so haben wir auch zumindest ein Recht die Höhe der Gesamtschuld zu erfahren!
Es ist ein Systemfehler der freien Marktwirtschaft,ohne Frage, aber muss es von den Akteuren zu einem Systemfehler der Demokratie geführt werden?
wieder zurück zum kleinen Sparer. Moral Hazard der übelsten Sorte. Und die trauen sich noch, mit Schlips rumzurennen.
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