Europäische Währungsunion EU-Kommission empfiehlt Lettland für den Euro

Lettlands Premierminister Valdis Dombrovskis und EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso im März 2013.

(Foto: dpa)

Zustimmung trotz Bedenken: EU-Kommission und EZB sprechen sich dafür aus, Lettland in die europäische Währungsunion aufzunehmen. Das baltische Land steht wirtschaftlich teils deutlich besser da als Frankreich - obwohl in den nächsten Jahren eine hohe Inflation zu erwarten ist.

Lettland darf im kommenden Jahr als 18. Land den Euro einführen. Sowohl die Europäische Kommission als auch die Europäische Zentralbank (EZB) gaben am Mittwoch in Brüssel die Empfehlung ab, das baltische Land zum 1. Januar 2014 in die europäische Währungsunion aufzunehmen. Der Staat erfülle alle Maastricht-Kriterien, schreibt die EZB in ihrem in Frankfurt veröffentlichten Konvergenzbericht.

Die EU-Finanzminister wollen am 9. Juli endgültig über die Aufnahme des rund zwei Millionen Einwohner zählenden Ostseelandes entscheiden, das 2008 noch in einer schweren finanziellen und wirtschaftlichen Krise steckte und dann umfassende Reformen einleitete. Lettland darf dann seine eigenen Euro-Münzen prägen und beispielsweise Vertreter in die Eurogruppe und den Rat der EZB entsenden.

EU-Währungskommissar Olli Rehn sagte: "Der Wunsch Lettlands zur Euro-Einführung ist ein Zeichen des Vertrauens in unsere gemeinsame Währung und ein weiterer Beweis dafür, dass diejenigen irrten, die den Zerfall der Eurozone vorhersagten." Zuvor hatte bereits die EZB Lettland die Reife für die Währungsunion attestiert - trotz einiger Bedenken.

Das 2004 in die EU eingetretene osteuropäische Land erfüllt deutlich die Voraussetzungen für eine Einführung des Euro: Das Defizit liegt beispielsweise den Erwartungen des Kommissionsberichts zufolge in diesem und dem kommenden Jahr bei 1,2 Prozent der Wirtschaftsleistung und somit deutlich unter dem EU-Grenzwert von 3,0 Prozent. Auch der Schuldendstand von knapp 41 Prozent der nationalen Wirtschaftskraft unterschritt Ende 2012 die EU-Obergrenze von 60 Prozent. Das kleine Land steht damit deutlich besser da als Euro-Schwergewichte wie Frankreich, Spanien und Italien.

Bedenken hat die Notenbank allerdings wegen des hohen Anteils ausländischer Spareinlagen, die auf den Konten lettischer Banken liegen - sie summieren sich der EZB zufolge auf etwa 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Diese seien ein "wichtiges Risiko für die Finanzstabilität" des Landes, erklärte die EZB.

Zudem hat die EZB ähnlich wie bereits bei dem zuletzt der Euro-Zone beigetretenen Estland Bedenken, dass Lettland auf mittlere Sicht nicht in der Lage ist, eine niedrige Teuerung zu halten. Wegen des Aufholprozesses zu den anderen Euro-Ländern seien in den kommenden Jahren steigende Inflationsraten zu befürchten. Im vergangenen Jahr lag die Teuerungsrate Lettlands bei 1,3 Prozent - einen geringeren Preisauftrieb hatte in Europa nur noch Schweden mit 0,8 Prozent.