Einkommen Jeder fünfte Deutsche kann sich keinen Urlaub leisten

Rimini an der Adriaküste: Jeder fünfte Deutsche findet, ein derartiger Urlaub übersteigt sein Budget.

(Foto: dpa/dpaweb)

Wofür reicht das Gehalt? Für viele Deutsche sind Reisen nicht finanzierbar, zeigt eine neue Auswertung des Statistischen Bundesamts. Auch beim Essen müssen viele verzichten.

Mehr als 30 Prozent der Deutschen schätzen ihre Finanzen so ein, dass sie unerwartet anfallende Kosten nicht stemmen können. Das geht aus einer Befragung des Statistischen Bundesamts in privaten Haushalten in Deutschland für das Jahr 2012 hervor.

Als "unerwartete Ausgaben" galten dabei zum Beispiel Reparaturen oder höhere Anschaffungen (von mindestens 940 Euro). Auf eine einwöchige Urlaubsreise verzichteten mangels Geld mehr als 20 Prozent der Bevölkerung. Als Urlaubsziel galt in der Befragung jeder Ort, der "woanders als zu Hause" ist.

Die Statistiker fragten auch danach, wie sich das Einkommen auf die Ernährung auswirkt. Etwa acht Prozent der Bevölkerung sehen sich nicht in der Lage, sich mindestens jeden zweiten Tag eine Mahlzeit mit Fleisch, Geflügel oder Fisch oder eine entsprechendes vegetarisches Essen zu leisten.

Die Auswertung zeigt nicht, wie viel Geld den Menschen tatsächlich zur Verfügung stand. Im Zentrum steht die Selbsteinschätzung der Menschen. Auf diese Methode greifen Wissenschaftler beispielsweise auch für das Sozio-oekonomische Panel zurück, das Armut und Reichtum in Deutschland misst.

Im Vergleich zu 2008 berichten allerdings weniger Menschen davon, sich Dinge nicht leisten zu können. Vier Jahre vor der aktuellen Umfrage konnte sich noch jeder vierte Deutsche keinen einwöchigen Urlaub leisten.*

In der Gruppe von Menschen, die von Armut bedroht sind, sind die Zahlen dramatischer. Nach der Definition der EU gilt eine Person als armutsgefährdet, wenn sie über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung verfügt. 2011 lag der Grenzwert für eine allein lebende Person hierzulande bei 980 Euro im Monat, 13 Millionen Einwohner waren demnach armutsgefährdet.

Fast drei Viertel der Armutsgefährdeten in Deutschland konnten unerwartete Ausgaben nicht bewältigen, für mehr als die Hälfte war eine einwöchige Urlaubsreise undenkbar und etwa ein Viertel von ihnen musste aus finanziellen Gründen häufiger auf vollwertige Mahlzeiten verzichten.

Deutschland besser als EU-Durchschnitt

Die Statistiker haben 2012 Daten über Einkommen und Lebensbedingungen in allen EU-Ländern erhoben. Im Vergleich steht Deutschland gut da. Im EU-Durchschnitt stufen 40 Prozent der Menschen unvorhergesehene Ausgaben sowie Urlaubreisen als nicht finanzierbar ein. Elf Prozent können sich nicht mindestens jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit mit Fleisch, Fisch oder einer vegetarischen Alternative leisten.

Für rund 70 Prozent der Armutsgefährdeten in der EU sind Urlaub oder größere Anschaffungen nicht finanzierbar. Abstriche bei der Ernährung machten etwa 20 Prozent.

*Anmerkung der Redaktion: Absatz zum Vergleich mit 2008 und Infografik um 11:08 Uhr ergänzt.