Umstrittenes Pflanzenschutzmittel EU verlängert Glyphosat-Zulassung um fünf Jahre

  • Die EU-Staaten haben sich mehrheitlich für eine weitere Zulassung des umstrittenen Herbizids Glyphosat ausgesprochen.
  • Wissenschaftliche Studien kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen, ob Glyphosat krebserregend sein könnte oder nicht.

Die EU-Staaten haben die Zulassung des umstrittenen Herbizids Glyphosat für weitere fünf Jahre gebilligt. Das teilte die EU-Kommission mit, nachdem ein Ausschuss über einen entsprechenden Vorschlag der Behörde abgestimmt hatte. 18 der 28 EU-Länder votierten nach Angaben der Kommission für eine Verlängerung, darunter auch Deutschland.

Umweltministerin Hendricks kritisierte die deutsche Zustimmung als Vertrauensbruch. Sie habe noch am Montag gegenüber Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) erklärt, sie sei "mit einer Verlängerung der Zulassung von Glyphosat weiterhin nicht einverstanden". Dennoch habe ein Vertreter des Landwirtschaftsministeriums für eine Verlängerung gestimmt.

Die EU-Staaten hatten sich zuvor lange nicht auf eine Entscheidung einigen können, zuletzt war vor zehn Tagen eine Abstimmung ohne klares Votum ausgefallen. Die deutsche Vertretung hatte sich enthalten. Grund waren gegensätzliche Haltungen der zuständigen Ministerien: Das CSU-geführte Agrarministerium war für die Zulassung, das SPD-Umweltministerium dagegen.

Die Kommission will die Entscheidung zügig umsetzen

Die aktuelle Zulassung für Glyphosat läuft am 15. Dezember aus. Die Kommission kündigte an, die Entscheidung des Komitees vorher umzusetzen. Der zuständige EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis kommentierte auf Twitter: "Das Votum von heute zeigt, dass wir unsere gemeinsame Entscheidungsverantwortung akzeptieren und teilen können, wenn wir es alle wollen und uns Mühe geben."

In der EU wird seit Jahren über den weit verbreiteten Unkrautvernichter gestritten. Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend ein. Untersuchungen von europäischen Lebensmittelsicherheits- und Chemiebehörden sowie aus Kanada und Japan bestätigen diesen Verdacht allerdings nicht.

Die Verlängerung ist nicht nur bedeutend für Landwirtschaft und Verbraucher, sondern auch für den deutschen Chemieriesen Bayer. Die Leverkusener wollen den US-Konzern Monsanto übernhehmen, der Glyphosat erfunden hat und den Wirkstoff in seinem umsatzstarken Mittel "Roundup" einsetzt.

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